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Raumfahrt

Die neue ISS für Erde, Mond und Mars

USA, Europa, Russland, Kanada und Japan skizzieren den ISS-Nachfolger. Vielleicht aber wird die alte Raumstation privat weiterbetrieben.

19.11.2016
  • EGBERT MANNS

Houston. Wieder sind drei Astronauten auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Viele Crews werden nicht mehr dahin fliegen, die ISS soll Mitte der 2020er Jahre aufgelöst werden. Was kommt dann? Eine neue international betriebene Raumstation. Diesmal nicht im Orbit um die Erde, sondern in Mondnähe. Mit der Option, zum Mars gebracht werden zu können.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa forciert die Überlegung seit einigen Jahren. Es sieht jetzt so aus, als bissen die Raumfahrtagenturen Europas, Russlands, Kanadas und Japans an. „Ein internationaler Außenposten in der Nähe des Mondes wird wahrscheinlicher“, betitelte der russische Raumfahrtexperte Anatoly Zak einen viel beachteten Beitrag in dem Blog planetary.org.

Zak berichtete von einem vertraulichen Treffen der „International Spacecraft Working Group“ (ISCWG) in Houston (Texas). Der Gruppe gehören Experten der fünf Projektpartner der ISS und andere Interessenten an. Sie schlugen auf dem Treffen den Rahmen für ein Konzept vor, mit dem die cis-lunare Raumstation betrieben werden könnte (cis-lunar: im Bereich von Erde und Mond).

Die neue Raumstation soll kleiner als die ISS werden und in der Nähe des Mondes platziert werden.

Sie soll wie die ISS aus Modulen zusammengesetzt werden.

Zur Ausstattung gehören Kreislaufsysteme für Nahrung, Luft und anderes und elektrische Antriebe .

Alle beteiligten Nationen können Module anbauen .

Gerade die Kreislaufsysteme und neuartigen Antriebe befeuern Visionen. Zak: „Sie könnten diesen Außenposten in die Lage versetzen, das erste bemannte Raumschiff zu werden, das in den tiefen Raum vordringt, um Asteroiden zu erforschen oder in die Nähe des Mars zu gelangen.“ Das sei auch die Perspektive der Nasa. Sie betrachte die cis-lunare Station als „Versuchsgelände“ zur Marserforschung.

Aufgebaut werden soll die cis-lunare Station in Phasen, berichtet Zak. Die Anfangsphase:

Die neue kräftige SLS-Rakete und das dazugehörende „Orion“-Raumschiff der Nasa (beide noch in der Entwicklung) bringen auf ihrem dritten Flug (EM-3) ein Energie- und Antriebsmodul hoch, für das die europäische Esa gerade einen elektrischen Motor entwickelt und Kanada einen Roboterarm .

Zwei Wohnmodule ( Habitate ) werden von den SLS/„Orion“-Flügen EM-4 und EM-5 hochgebracht. Eines davon will Japan bauen.

Russlands Roskosmos schickt ein Schleusenmodul für Außeneinsätze mit oder bringt es mit einer Angara-5-Rakete (noch im Bau) selbst zur Raumstation.

Und der Zeitrahmen? Die Versammlung in Houston hat beschlossen, bis 2018 mit dem Aufbau der Raumstation zu beginnen. Der Bau der Habitate soll 2023 beginnen, dann könnte der Außenposten am Mond 2028 bezugsfertig sein. Aber, wie Zak feststellt: „Wenn uns die Geschichte der ISS etwas lehrt, dann, dass Verzögerungen sehr wahrscheinlich sind.“

Die drei Astronauten, die am Donnerstag gestartet sind, sind die 86. Crew, die zur ISS fliegt. Thomas Pesquet, Oleg Novitskiy und Peggy Whitson werden die 50. Besatzung auffüllen, die seit 19. Oktober zu dritt ist, und bilden den Anfang der 51. Besatzung, wenn die drei anderen im März 2017 abgelöst werden.

Bis 2024 wird die ISS für die Forschung genutzt und finanziert, das haben die USA und Russland verabredet. Was danach kommt, ist ungewiss. Aus beiden Staaten kommen Signale, dass die Raumstation privatisiert und von der Industrie betrieben werden könnte.

Was Europa macht, hängt vom Esa-Ministerrat ab. Er will am 2. Dezember entscheiden, wie viel Geld für welches Raumfahrtprojekt ausgegeben wird.

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19.11.2016, 06:00 Uhr

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