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Von Jan Josef Liefers bis Ja, Panik

Die neue Saison im franz.K bietet Publikumsmagneten, aber auch viel Platz für Experimentelles und politische Themen

Die Sommerpause im franz. K nach dem Open-Air-Festival war nur kurz – jetzt geht das soziokulturelle Zentrum wieder in die Vollen. Mit einem prallen Programm, das beides bietet: Publikumsknaller aber auch Platz für Experimentelles.

16.09.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Besonders stolz ist Geschäftsführer Andreas Roth auf die Kooperation mit der Württembergischen Philharmonie (WPR), die in der neuen Saison wieder ein richtiges Highlight ermöglicht: Die gefeierte Sängerin Natacha Atlas, die ihre arabisch-jüdisch-orientalischen Wurzeln in ihrer Weltmusik vereint, tritt im Rahmen eines Werkkonzerts der WPR am 13. November in der Stadthalle auf.

Weltmusik ist ein Schwerpunkt – das Programm deckt aber alle Genres ab. Vom melancholischen Fado mit der jungen Carminho, die als Zukunft des protugiesischen Nationalerbes gehandelt wird (23. September) bis zum knallharten Punk mit Turbostaat (28. September), der „momentan besten Punkband“, wie Roth findet. Sie kommen bereits zum zweiten Mal nach Reutlingen und präsentieren ihr fünftes Album: „Stadt der Angst“.

Das Musikprogramm startet am Donnerstag, 18. September mit Hattler. Hellmut Hattler, bekannt von der deutschen Kultband Kraan, stellt sein neues nach ihm benanntes Projekt vor. „Die Bekanntesten sind nicht immer die Tollsten“ sagt Roth und doch braucht er sie, die „Zieher“, die den Saal füllen und so auch Raum schaffen für Experimente und Newcomer, die vielleicht irgendwann selbst solche Zieher werden. So kommt beispielsweise Ende Oktober mit Konvoy, eine der Nachwuchshoffnungen im HipHop ins franz. K. Bereits ausverkauft ist das Konzert der angesagten HipHop-Band Alligatoah.

Viele starke Frauen sind im Programm: Judith Holofernes, Sängerin von Wir sind Helden, tritt mit ihrer Band im franz. K auf und auch Camille O‘Sullivan, die vor kurzem bei den Jazz Open in Stuttgart das Publikum begeisterte. Auch Jan Josef Liefers ist so ein Publikumsmagnet, der freilich, was viele nicht wissen, schon genauso lange Musik macht, wie er als Schauspieler aktiv ist. Liefers geht am 4. Dezember in der Reihe „Songs & Poesija“ mit seiner Kombo Oblivion und „Radio Doria – Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ im franz. K auf Sendung. Tags darauf steht in der selben Reihe John K. Samson, Sänger und Texter der kanadischen Kult-Band The Weakerthans, auf dem Programm.

Libertia heißt das neue Album von Ja, Panik, benannt nach einem Ort an dem Seeräuber im 17. Jahrhundert ihren Lebensabend verbracht haben sollen. Die Träger des Indie Awards 2014 für „unabhängige Großartigkeit“ sind für Anfang November gebucht. Mit Habib Koité aus Mali erwartet die Gäste Ende November einer der ganz großen afrikanischen Weltmusikstars.

Neben „Songs & Poesija“ werden auch andere Reihen weitergeführt: In die zweite Runde geht im Oktober „T.A.L.K.“, das künstlerische Antidiskriminierungsprojekt für Jugendliche in Reutlingen. Ausgeweitet wird die Reihe Poetry Slam mit einer offenen Bühne, moderiert von Ina Z. Ein Versuch, das Haus für semi-professionelle Kunstschaffende zu öffnen, wie Roth erklärt. Ohnehin wird auch Literatur, Comedy und Kabarett wieder ganz groß geschrieben. Das fängt mit dem schönen Scheitern, einer Lesung von Katrin Bauerfeind am 1. Oktober an und hört mit dem Kleinkunstherbst nicht auf (dieses Programm wird demnächst gesondert vorgestellt).

Ein weiterer Schwerpunkt sind politische Themen. In diesen Herbst sind beispielsweise Vorträge über Rüstungsexporte oder den Ukraine-Konflikt geplant, die jeweils durch Diskussionen vertieft werden. Roth: „Wir wollen den Dialog ermöglichen.“

Beipielsweise mit der fast 90-jährigen Deutsch-Jüdin Esther Bejarano, die einst im Mädchenorchester von Auschwitz spielte. Sie kommt zusammen mit der Kölner HipHop-Gruppe Microphone Mafia. ins franz. K. Auch an der Interkulturellen Woche beteiligt sich das soziokulturelle Zentrum: am 19. September mit dem Duo Ayku und ihrer „Songs of Gastarbeiter-Tour“ – einer musikalischen Reise in die Geschichte der Einwanderung und am 22. September mit einem Poesie & Pommes Special unter dem multikulturellen Motto „Für Vielfalt“.

Auch für das kommende Jahr gibt es bereits zahlreiche Projekte: Im März kommen kurz nacheinander der bekannte Bauchredner Sascha Grammel und der etwas andere deutsche Kabarettist Olaf Schubert nach Reutlingen, im November Hagen Rether. Für diese drei Publikumsmagneten weicht das franz. K in die Stadthalle aus. Und dann ist da noch in Zusammenarbeit mit vier anderen Soziokulturellen Zentren in Baden-Württemberg eine Eigenproduktion im Genre „Nouveau Cirque“ in Arbeit: Viel Akrobatik, aber auch Literatur. Roth: „Man muss auch den Kopf einschalten.“

Im Sommer ist in Kooperation mit dem Naturtheater erstmals ein Open-Air-Konzert auf der Bühne im Wasenwald und eventuell eine Neuauflage des Sommerfestivals geplant. Roth: „Die Reaktion des Publikums war so positiv, dass wir es gerne wieder machen würden.“ Und im Herbst ist in Kooperation mit dem Tonne-Theater und der Philharmonie ein mehrtägiges Sonic Visions Festival Medienkunst angedacht – Voraussetzung hierfür ist freilich, dass Zuschüsse fließen.

Info Das gesamte Programm findet sich im Internet unter www.franzk.net

Die neue Saison im franz.K bietet Publikumsmagneten, aber auch viel Platz für Experimentelles und
Katrin Bauerfeind

Die neue Saison im franz.K bietet Publikumsmagneten, aber auch viel Platz für Experimentelles und
Jazzerin Camille O’Sullivan

„Wir sind ein Leitungsteam und kein Chefbetrieb“, begründet franz. K Geschäftsführer Andreas Roth, wieso er ab sofort mit Claudia Heldt eine Co-Geschäftsführerin an seiner Seite hat. Zudem sei der Betrieb gewachsen und so komplex geworden, dass man die Veranwortung gut auf zwei Schultern verteilen könne. Heldt, die bisher schon für den Bereich Gastronomie, Personal und Veranstaltungen zuständig war, wird künftig die gesamte interne Geschäftsführung übernehmen, Roth wird das soziokulturelle Zentrum nach außen vertreten und weiterhin für das Booking zuständig sein. Nicht nur die Geschäftsführung ist gewachsen, sondern das ganze Team: Mittlerweile teilen sich elf Leute 7,5 Stellen, dazu kommen rund 20 Minijobber und Honorarkräfte. Auch der Trägerverein wächst weiter: 15 Neueintritte zählte der Vereinsvorsitzende Karl Grüner allein nach dem Festival, jetzt sind es 430 Mitglieder.

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16.09.2014, 12:00 Uhr

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