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Die neuen Roboter beobachten und kopieren Menschen
Sogar Geige spielen können sie: Humanoide Roboter sollen mit Menschen reden, sie begleiten und zum Familienmitglied werden. Ihre Sensorik ist in der Lage, Gestik, Mimik und die Stimme einer Person zu erkennen und zu interpretieren. Foto: AFP
Künstliche Intelligenz

Die neuen Roboter beobachten und kopieren Menschen

Kluge und bewegliche Maschinen übernehmen immer mehr Routine-Aufgaben. Die Arbeitswelt wird sich ändern.

29.10.2016
  • THOMAS VEITINGER

Ulm. Atlas hat keine Chance. Von hinten wird ihm ein dickes Rohr in den Rücken gestoßen. Er stolpert, verliert das Gleichgewicht, fällt zunächst auf die Knie, dann auf sein Gesicht. Auch sonst wird er geärgert: Ein Mann schlägt ihm mit einem Hockeyschläger eine Kiste aus den Händen oder stößt ihn so heftig vor die Brust, dass er beinahe auf den Rücken stürzt. Nur gut, dass Atlas kein Mensch ist, sondern ein autonomer Laufroboter von Boston Dynamics. Das US-Unternehmen zeigt mit diesen Versuchen – die auf der Videoplattform Youtube zu sehen sind – wie flexibel „The Next Generation“ (Die nächste Generation) von ihm reagiert. So läuft die Maschine in dem Video auch sehr sicher über unebenen Waldboden oder begleitet einen Menschen.

Aber noch etwas zeigen die Versuche mit Atlas: Als Betrachter stört man sich an seiner harschen Behandlung – obwohl klar ist, dass es sich um einen Roboter handelt. Die Form eines Menschen reicht anscheinend schon für Gefühle wie Empörung oder Mitleid aus. Dabei handelt es sich bei Atlas nur um einen funktionellen Roboter, wie Syn Schmitt von der Universität Stuttgart erklärt: Er soll nicht unbedingt menschenähnlich aussehen. Für den Professor am Forschungszentrum für Simulationstechnologie ist es nicht ausgemacht, dass Maschinen jemals so gut sein werden wie Menschen. „Wir haben unser Gehen in 8 Mio. Jahren Evolution ständig verbessert. Die Funktion von Knochen und Gelenken ist immer noch nicht vollständig geklärt.“

Es geht nicht immer um ein Kopieren der Natur. „Es ist eine spannende Thematik, ob es eine Entwicklung geben wird, die sich selbst weiter entwickelt und nicht am Menschen orientiert“, sagt Schmitt. Humanoide Roboter sollen „den Menschen beobachten, mit ihm und der Umgebung interagieren, daraus lernen und Gelerntes in neuen Situationen anwenden“, sagt Tamim Asfour, Leiter des Instituts für Anthropomatik und Robotik am Karlsruher Institut für Technologie. Intelligente Maschinen sind gefragt.

Damit passen Roboter gut zu den Anforderungen der Welt 4.0. Experten sehen einen gewaltigen Umbruch auf den Menschen zukommen, ein Wendepunkt sei erreicht, menschenähnliche Maschinen mehr als Spielerei. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt Roboter für das Konstruieren von Schiffen, den Bergbau, den Rückbau von Atomkraftwerken. Airbus testet humanoide Roboter in der Flugzeugmontage. Der Technologiekonzern Bosch lässt Bonirob Unkraut auf dem Acker ohne Pestizide beseitigen: Ein Bilderkennungssystem unterscheidet zwischen Nutzpflanzen und Unkraut. „Roboter sollen Menschen nicht kopieren, sondern besser sein“, sagt Alin Albu-Schäffer. „In Fabriken werden ganz spezielle Anwendungen gebraucht“, weiß der Institutsdirektor des Instituts für Robotik und Mechatronik am DLR.

Es gibt aber auch den kleinen Roboter Nao, der Kindern Sprachen lehrt. Maschinen fahren Pizzas aus und versuchen Gäste zu unterhalten. In Japan helfen Maschinen bei der Pflege, tragen und waschen Alte und Kranke. Die US-Hotelkette Hilton setzt einen Concierge-Roboter ein, der Gäste freundlich empfängt. Eine Schweizer Professorin hat mit Nadine ihre eigene Roboter-Doppelgängerin erschaffen.

Das Potenzial erscheint riesig. 2015 erreichte der Umsatz mit Robotik und Automation in Deutschland die Rekordmarke von 12,2 Mrd. EUR – plus 7 Prozent im Vergleich zu 2014. Bis 2018 werden weltweit rund 1,3 Mio. Industrieroboter die Arbeit aufnehmen. Wer komplizierte, menschenähnliche Roboter will, muss tief in die Tasche greifen. „Der Preis richtet sich nach der Anwendbarkeit“, sagt Albu-Schäffer, „wenn der Mehrwert da ist, werden viele Roboter gekauft und der Preis sinkt.“ Schmitt: „Ein US-Professor drückte es etwas provokant so aus: ,Beinprothesen werden so gut sein, dass jeder Mensch ein drittes Bein haben will.'“

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29.10.2016, 06:00 Uhr

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