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Im Reich des Ritters Affenschmalz

Die schönsten Wanderrouten der Region (1): auf den Spuren alter Recken von Burladingen nach Killer

Burgen, Burgen, Burgen – auf den Spuren der schwäbischen Condottieri führt die Wanderung von Hohenburladingen hinunter zur Ruine Ringelstein und weiter nach Hohenringingen. Zunächst erlebt der Wanderer aber ein Unterweltabenteuer.

07.08.2014
  • Wolfgang Albers

Zollernalbkreis. Das Wortspiel mag ja ein bisschen abgeschmackt sein – aber aus dem Killertal kamen tatsächlich Leute, die das Töten zu ihrem Beruf gemacht haben. Alles rechtschaffene Schwaben, die haufenweise nach Süden zogen, wo Sold, Beute, Abenteuer winkten – die mittelalterliche Art des Bausparvertrages.

Folgen wir ihren – mittlerweile sehr verwischten – Spuren. Und zwar von Burladingen aus. Gleich steil hinauf, durch den Friedhof und ums Schulzentrum herum, immer Richtung Waldrand. Bis wir in der Kreuzfelsstraße auf einen schmalen Pfad stoßen mit dem Schild „Hochwacht“ und dem gelben Dreieck des Albvereins (dem wir fast die ganze Zeit folgen werden).

Bald kommen wir an einen hohen, löcherzerfressenen Felsen mit einem mächtigen Höhlenmal. Dahinter liegt die Hochwachthöhle, die Unterweltabenteuer light erlaubt. Das Tageslicht, das durch den Eingang fällt, leuchtet eine etwa 13 Meter und bis zu fünf Meter hohe Halle aus. An ihrem Ende aber brauchen wir die Stirnlampen. Ein Gang führt um die Ecke, mit einer etwa eineinhalb Meter hohen Felsbarriere. Früher soll hier eine Holzleiter gestanden haben, nun muss man hinüberklettern. Aufpassen: Der Fels ist glatt poliert und glitschig. Und beim Abklettern in die sogenannte Höllenstein-Kammer sind die Tritte von oben nur schwer zu sehen.

In der drei Meter hohen und zehn Meter langen Kammer leuchten die Lampen Kalkmilch-Absonderungen aus, Das kalkhaltige Wasser schichtet helle Mineralien auf, und das Ganze sieht aus wie Zuckerguss oder eben Milch. An ihrem Ende glänzen Tropfen: Die Höhle lebt.

Aus der späten Keltenzeit sind hier Funde gemacht worden. Eigentlich waren die Kelten keine Höhlenmenschen, und das Leben im Souterrain war sicher ein Rheuma-Macher. Da residierte es sich ein paar Stockwerke drüber doch bedeutend besser. In schönster Südwest-Lage stand die Burg Hohenburladingen. Noch heute ein schönes Plätzchen. Der Forst hat ein paar Schneisen in den Wald gehauen, so dass der Blick weit nach Süden geht. Der ganze sonnenbeschienene Felskopf mit den wenigen Mauerresten ist ein bunter Blumengarten der Alb-Flora.

Auch wenn hier die Natur dominiert: Zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert haben die Schwaben schon mal gezeigt, wer das Häusle baua drauf hat: Mit wenigstens 200 befestigten Plätzen zählt der deutsche Südwesten zu den burgenreichsten Gegenden Mitteleuropas.

Auf Hohenburladigen haben, logisch, die Herren von Burladingen gehaust. Und irgendwie ihr Sach nicht mehr so arg geschätzt. Um 1300 herum geben sie ihre Burg auf. Und werden aushäusig. Um 1350 steht Konrad von Burladingen in Diensten der Stadt Bologna, 1363 der Stadt Siena. Als kampferprobter Haudegen. Er war Reiterführer in einer der vielen Schlachten, die damals zwischen den italienischen Stadtstaaten tobten, und in denen die deutschen Kaiser auch immer mitmischten.

Da sind wir beim Phänomen der schwäbischen Condottieri. Haufenweise rotteten sich schwäbische Adlige zusammen und verdingten sich in den Kriegen auf italienischem Boden. Je nach Kassenlage, darf vermutet werden. Konrad von Burladingen kämpfte, übrigens wie die Schenken von Stauffenberg, im Haufen des Hugo von Melchingen. Und der wechselte auch schon mal die Seiten – von Florenz zu Pisa.

Ein ganz besonderer Haudegen war Heinrich von Killer. Zu seiner Burg gehen wir als nächstes. Vorbei am exponiert herausragenden Kreuzfelsen, über eine Hochebene voller Weizenfelder und die Kuppe des Titusenköpfles. Ein stiller Ort mit einer Bank und einem Kruzifixstein, jüngst in der Diskussion: Hier soll ein 140 Meter hohes Windrad hin.

Der Weg geht in den Wald und biegt auf eine breite Forststraße am Trauf. Dort geht ein unscheinbarer, aber ausgeschilderter Pfad hundert Meter hinunter zur Ruine Ringelstein. Noch heute ragen die Reste des fünfeckigen Wohnturmes, der einst wohl ein Holz-Obergeschoss hatte, sechs Meter auf dem Felsfundament auf. Die Steine hier an den Hang zu schleppen und aufzuschichten muss eine Mords-Schufterei gewesen sein.

Die Ringelsteiner waren die Ortsherren von Killer. Ihr schillernster Vertreter war Heinrich von Killer, genannt Affenschmalz. So hat ihn sogar der Papst angeredet, in dessen Heer sich Heinrich verdingt hatte. In einem Schreiben vom 13. März 1375 lobt Gregor XI den „adligen Herrn Affesmalz, Edelherrn der Diözese Konstanz und Marschall des deutschen Ritterheeres“ für erfolgreiches Streiten: „So ermuntern wir Eure Durchlaucht im Hinblick darauf, dass es unter Christen keinen besseren Kriegsdienst gibt als den für die Kirche. Möget Ihr immer mutvoll zum Schlagen der Feinde bereit sein!“ Aber wieso hatte Heinrich den heute so komisch klingenden „nom de guerre“ Affenschmalz? Die Heimatforscher rätseln und glauben, dass er sich vom damaligen Ausruf „Affe smalto“ herleitet. So richtig vornehm wäre diese Herkunft auch nicht. Übersetzt hieße das „Ja, ein Scheißdreck“. Aber es würde natürlich zu einem wüsten Krieger passen.

Auf jeden Fall hat sich Affenschmalz wohl reich gesiegt. Den Anführern standen die besten Beutestücke zu. Die Urkunden halten zahlreiche Immobiliengeschäfte von ihm fest. Das Heimatbuch von Killer hält eher indigniert fest: „Zweifellos war er ein Mensch, der nach heutigen Maßstäben zumindest auf fragwürdige Art und Weise zu Geld gekommen war. Diese Früchte seiner Kriegstaten benutzte er weniger, um seinen Nachkommen ein gedeihliches Auskommen zu sichern, eher war er auf sein eigenes augenblickliches Wohlergehen bedacht!“ Man würde ja noch gern etwas Persönliches von ihm erfahren, aber da schweigen die Urkunden. Wenigstens sehen kann man ihn, auf seinem Grabstein in der Ebinger Martinskirche, den „Affenschmalz Edlknecht, dem Got gnedig sy.“

Wir müssen weiter. Immer durch den Wald und durch eine offene Senke hinauf zur nächsten Burg, der Ruine Hohenringigen. Auch im Besitz des Affenschmalz gewesen. Der Turm ist restauriert, durchs dunkle Innere (nochmal die Stirnlampen an) kommt man auf eine Aussichtsplattform. Unten liegt Ringingen, jenseits der Felder setzen Kornbühl und Salmendinger Kapelle eine markante Silhouette an den Horizont.

Kurz zurück, über die Kreisstraße und über die alte Killer Straße immer hoch über dem Dorf entlang. Dieser Teil des Weges bietet weite Panoramen, eine schöne Allee und Burgen von heute: mal ein überdimensioniertes Anwesen, mal ein gewaltiges Baumhaus. Man folgt dem gelben Dreieck hinaus auf den Killerberg, nimmt dort die Asphaltpiste zum Waldrand, wo der Albverein mit Hütte und Grillstelle was für die Pausen-Infrastruktur getan hat. Weiter geht es am Bänkle direkt am Trauf: dahinter schlängelt sich ein schmaler Weg den sacksteilen Hang hinunter. Wo er ausläuft, ist auch bald Killer erreicht.

Die schönsten Wanderrouten der Region (1): auf den Spuren alter Recken von Burladingen nach Killer
Einst stand hier die Affenschmalzburg. Und heute diese Ruine.Bild: Albers / Grafik: Uhland2, Wahn

Die schönsten Wanderrouten der Region (1): auf den Spuren alter Recken von Burladingen nach Killer

Die Strecke ist rund 11 Kilometer lang. Wer sich noch Zeit für Besichtigungen nimmt, muss mit vier bis fünf Stunden Wanderzeit rechnen. Am besten ist es, mit der Bahn anzureisen. Wer mit dem Auto kommt, muss von Killer mit der Bahn zurück oder noch ein paar Kilometer über den Radweg laufen. Eine Wanderkarte sollte nicht vergessen werden. Denn die Route ist nicht perfekt ausgeschildert. Zudem benötigen die Wanderer für die Höhle eine Stirnlampe.

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07.08.2014, 12:00 Uhr

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