Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Handball: TV Neuhausen ist zu Gast in der Paul-Horn-Arena

Die stärkste Liga der Welt in Tübingen

Jetzt hat Tübingen auch noch einen Handball-Bundesligisten – zumindest leihweise. Der TV Neuhausen/Erms ist am Samstag in die Beletage aufgestiegen und wird alle seine Heimspiele in der kommenden Saison in der Paul-Horn-Arena austragen.

30.05.2012
  • PETER WÖRZ

Tübingen. Nach einem 29:27 (17:15)-Erfolg bei der HG Saarlouis hat der Handball-Zweitligist am vergangenen Samstag den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert – zwei Tage lang. Einen Spieltag vor dem Saisonende ist der TV Neuhausen nicht mehr von Platz drei zu verdrängen, was in der im letzten Jahr neu eingeführten eingleisigen zweiten Liga den direkten Aufstieg zur Folge hat, gemeinsam mit Sem Spitzenduo Minden und Essen

Man hat damit rechnen müssen in dem 4200 Einwohner zählenden Stadtteil von Metzingen, denn die junge und eingespielte Truppe (Altersdurchschnitt 23,4 Jahre) startete furios in die Saison und bot eine insgesamt konstante Leistung. Und sie war erfolgshungrig. „Wir leben von der Leidenschaft und der Emotion“, sagt der Trainer Markus Gaugisch. „Es war erstaunlich, wie unverkrampft und locker diese Truppe mit dem Druck umgegangen ist. Ich glaube, dass war entscheidend für diesen Erfolg“, sagt der 38 Jahre alte Sport- und Deutschlehrer am Dußlinger Höhnisch-Gymnasium.

Seit Anfang des Jahres wurde das „Was Wäre Wenn“ ins Kalkül gezogen, wobei vor allem die Hallenproblematik unter den Nägeln brannte. Bei einer Ortsbesichtigung hatte Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), der Hofbühlhalle in Neuhausen die Erstligatauglichkeit abgesprochen. Es fehlte an allen Ecken und Enden, Nachrüstung unmöglich. Auch ein Vorstoß für eine Ausnahmegenehmigung blieb erfolglos.

Also musste eine Alternative her, die es in Metzingen und Umgebung aber nicht gibt. Die Stadt verfügt zwar über die Öschhalle, in der die Handballerinnen der TuS Metzingen – die im Übrigen vor wenigen Wochen ebenfalls den Aufstieg in die erste Liga feierten – ihren Spielbetrieb abwickeln, aber das ist keine Alternative. Schon aufgrund der Kapazität von nur 700 Plätzen.

Am Ende blieb nur die Paul-Horn-Arena übrig, auch deshalb, so sagt der Manager Jürgen Zepf, „weil sie die einzige Arena ist, die wir uns leisten können. Das Angebot ist fair.“ Man ist sich also einig, jetzt geht es vor allem um die Terminkoordination, denn mit den Basketballern der Walter Tigers und den Rottenburger Volleyballern haben ja noch zwei Bundesligisten ihren Regelspielbetrieb an der Europastraße.

Für den TV Neuhausen wird der Umzug auch zum Experiment. Werden die Fans, die die 1300 Zuschauer fassende Hofbühlhalle bevölkerten, sich auch auf den Weg nach Tübingen machen? Kann diese Atmosphäre, die ein Teil der Stärke des TVN ausmacht, mitgenommen werden?

In Neuhausen hat sich ein fruchtbares Wechselspiel zwischen dem mitreißenden Spiel der jungen Truppe und der Atmosphäre in der Halle entwickelt. Der Funke ist übergesprungen, eine neue Handball-Euphorie wurde entfacht. Genau das war die Absicht von Kurt Reusch. Der ehemalige württembergische Landestrainer dachte an die Begeisterung in den siebziger Jahren, als der TV Neuhausen in der ersten Liga spielte. In den 90er Jahren stürzte der Klub bis in die Verbandsliga ab. Im Jahr 2000 übernahm Reusch die Mannschaft und führte seinen Heimatverein bis in die zweite Liga.

Jetzt sind sie wieder ganz oben angekommen

Dabei ist Neuhausen angesichts des Etats von geschätzten 600 000 Euro keineswegs großspurig in der eingleisigen zweiten Liga angetreten. „Wir wollen uns dort etablieren“, lautete die Vorgabe des Trainers. Saisonziel verpasst kann man da nur sagen – jetzt ist der Club eine Liga höher. Womit auch Tübingen die weltbesten Handballspieler live erleben kann. Und Markus Gaugisch glaubt, dass Tübingen auch das Potenzial für ein Handballpublikum hat: „Das ist eine dynamische Stadt.

Wir dürfen das nicht als Notlösung betrachten, wir müssen die Paul-Horn-Arena zu unserer Halle machen“, sagt der Trainer. Auch Jürgen Zepf geht den Ortswechsel optimistisch an. „Natürlich ist das eine Herausforderung, aber auch eine Chance“, sagt er und denkt dabei vor allem an die neuen Möglichkeiten im VIP-Bereich, für den in der Hofbühlhalle der Platz fehlt. Unabhängig davon, ob der TVN sich in der Liga halten kann, sagt er aber auch: „Wir wollen irgendwann zurück ins Ermstal.“ Jetzt kommt die Handball-Bundesliga aber erst einmal für mindestens eine Saison nach Tübingen.

Die stärkste Liga der Welt in Tübingen
Im September 2010 waren die Handballer des TV Neuhausen schon einmal zu Gast in der Tübinger Paul-Horn-Arena, damals allerdings nur zum Derby gegen die SG Haslach/Herrenberg/Kuppingen. In der kommenden Saison aber hat Trainer Markus Gaugisch (rechts) mit seinem Überraschungs-Team die Stars der ersten Liga zu Gast. Archivbild: Ulmer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

30.05.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball