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Boa Vista

Die tödliche Meuterei von Monte Cristo

Mehr als 18 Tote in Brasilien: Gefängnisse in Lateinamerika sind oft rechtsfreie Räume.

18.10.2016
  • DPA

Boa Vista. Der Besuchstag endet im Horror. Mit Messern und Holzlatten brechen Häftlinge im Gefängnis „Monte Cristo“ im nordbrasilianischen Boa Vista Schlösser in einen anderen Trakt auf und dringen dort ein. Sie nehmen rund 100 Menschen als Geiseln, die inhaftierte Angehörige besuchen. Nach Polizeiangaben sterben bis zu 10 Häftlinge. Mehrere Gefängnisinsassen seien enthauptet und verbrannt worden. Viele Frauen befanden sich in der Anlage, um ihre Männer zu besuchen. Am Sonntagabend (Ortszeit) konnten sie nach sieben Stunden durch eine Spezialeinheit befreit werden. Von den Geiseln wurde niemand verletzt.

Zweiter Zusammenstoß

Bei einer weiteren Meuterei in einem Gefängnis in Porto Velho starben am Montag nach Angaben des Portals „O Globo“ mindestens acht Häftlinge. Bei dieser zweiten Meuterei könnte es sich um einen Racheakt für das Geschehen in Boa Vista handeln, spekulierten Medien.

Boa Vista ist die Hauptstadt des Bundesstaates Roraima. Im Gefängnis „Monte Cristo“ war es wiederholt zu Konflikten gekommen – hinter den Mauern kämpfen Banden um die Vorherrschaft. Bei den Angreifern soll es sich um Mitglieder des „Primeiro Comando da Capital“ (Erstes Kommando der Hauptstadt) handeln, die Mitglieder des „Comando Vermelho“ (Rotes Kommando) angriffen. Dieses gilt als Hauptlieferant von Drogen in Rio de Janeiro.

Die tiefe Rezession und mangelhafte Ausstattung der Polizei lassen die Situation eskalieren. „Die brasilianischen Gefängnisse sind wahre Schulen des Verbrechens“, meint Brasiliens Ex-Justizminister José Eduardo Cardozo. Die Haftbedingungen in Boa Vista sind katastrophal, die Häftlinge müssen zum Teil in provisorischen Baracken hausen. Eigentlich hat die Anstalt nur 740 Plätze, derzeit sollen sich fast doppelt so viele Häftlinge dort befinden. In Brasilien kommt es immer wieder zu Meutereien in Gefängnissen.

Die Polizei hält sich heraus

Als schlimmste Tragödie gilt das Massaker im Gefängnis Carandiru in São Paulo, bei dem 1992 rund 110 Menschen getötet wurden. Im ganzen Land soll es mehr als 620 000 Häftlinge geben. Da Gelder für Sozialmaßnahmen fehlen, setzen sich kriminelle Karrieren in den Gefängnissen fort. Allein im Oktober sollen aus „Monte Cristo“ mehr als 30 Gefangene geflohen sein, vor einer Woche beschlagnahmte die Polizei dort Drogen im Wert von 280 000 Euro. Die Polizei hält sich weitgehend heraus, wie in vielen Gefängnissen in Lateinamerika. Im Februar starben bei einer Meuterei im Gefängnis Topo Chico im mexikanischen Monterrey 49 Menschen.

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18.10.2016, 06:00 Uhr

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