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Karlsruhe urteilt zu Anspruch auf Abstammungstest

Die ungeklärte Herkunft

Seit Jahrzehnten lebt eine 66-Jährige damit, nicht zu wissen, wer ihr Vater ist. Der Mann, den sie dafür hält, lehnt einen Test ab. Ein Gerichtsurteil ist ihre letzte Chance, die Wahrheit herauszufinden.

18.04.2016
  • ANJA SEMMELROCH, DPA

Karlsruhe. Ist dieser Mann mein Vater? Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts entscheidet morgen darüber, ob eine 66-Jährige auf diese quälende Frage noch eine Antwort bekommt. Die Frau aus Nordrhein-Westfalen kämpft mit ihrer Verfassungsklage für die Möglichkeit, den inzwischen fast 90-Jährigen zu einem DNA-Test zu zwingen. Der Mann hatte 1950 die Geburt des Mädchens beim Standesamt angezeigt, die Vaterschaft aber stets abgestritten. Die Karlsruher Entscheidung könnte auch anderen Betroffenen helfen. (Az. 1 BvR 3309/13) Eine Klage auf Vaterschaftsfeststellung kommt für die Frau wegen eines jahrzehntealten Gerichtsurteils nicht mehr infrage. 1955 hatten die Richter eine Untersuchung nach den Methoden der Zeit nicht zugelassen - und diese Entscheidung hat bis heute Rechtskraft.

Mit der sogenannten rechtsfolgenlosen Abstammungsklärung gibt es seit 2008 aber ein alternatives Verfahren, um die Wahrheit über die eigene Herkunft herauszufinden. Allerdings hat der Gesetzgeber den Anspruch darauf auf die tatsächliche Familie beschränkt. Das bedeutet, die Mutter, das Kind und der Mann, der rechtlich als Vater gilt, können bei Zweifeln voneinander den Test verlangen. Der Klägerin steht dieser Weg aber nicht offen, weil der fragliche Mann außerhalb der Familie steht. Sie sieht sich dadurch in ihrem Grundrecht auf Kenntnis der eigenen Abstammung verletzt.

Sehen die Verfassungsrichter das genauso, müsste das Abstammungsrecht entsprechend nachgebessert werden. Davon könnten auch andere Menschen profitieren, die sich Gewissheit über ihre Herkunft wünschen.

Denn eine Vaterschaftsfeststellung oder -anfechtung hat zwangsläufig rechtliche Konsequenzen, etwa für die Unterhaltspflichten oder das Sorgerecht. Hat zum Beispiel ein neuer Partner der Mutter die Vaterrolle übernommen und wird nachgewiesen, dass ein anderer Mann der biologische Vater ist, hebt das alle rechtlichen Beziehungen in dieser Familie automatisch auf. Bei der rechtsfolgenlosen Abstammungsklärung passiert das nicht. Würde der Kreis der Berechtigten erweitert, stünde dieses Verfahren mehr Menschen offen.

Kritiker warnen allerdings davor, dass eine Ausweitung massenweise Vaterschaftstests auf Verdacht Tür und Tor öffnen könnte. Sie sehen die Gefahr, dass dadurch Konflikte in intakte Familien getragen werden, etwa wenn sich ein Mann plötzlich dem Verdacht ausgesetzt sieht, womöglich mit einer anderen Frau ein Kind gezeugt zu haben.

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18.04.2016, 06:00 Uhr

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