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Die verflixten 99 Tausendstel-Punkte
Daniel Rein
Theresa-Sophie Bresch und Daniel Rein wurden WM-Fünfte

Die verflixten 99 Tausendstel-Punkte

Sie hätten Geschichte schreiben können, doch der große Traum von einer Medaille bei der Premieren-Weltmeisterschaft ging nicht in Erfüllung. Dennoch sind die Voltigierer Theresa-Sophie Bresch (20) und Daniel Rein (26) vom PSV Roseck Unterjesingen mit der Leistung bei den Titelkämpfen in Le Mans (Frankreich) zufrieden. Im Starterfeld kamen die Pferdeakrobaten am Ende auf Rang fünf. Von einer Medaille waren sie 99 Tausendstel-Punkte entfernt.

22.08.2012
  • Daniel Kaiser

Tübingen. Es ist ein harter Schlag für einen Sportler, wenn im Wettkampf-Programm nahezu alles perfekt funktioniert – es am Ende jedoch nicht für einen Spitzenplatz reicht. So erging es Theresa-Sophie Bresch und Daniel Rein – amtierende deutsche Bundessieger im Doppelvoltigieren. Die Pferdeakrobaten aus Tübingen leisteten sich im französischen Pferdesportzentrum „Boulerie Jump“ in beiden Wettkampf-Umläufen so gut wie keine Fehler, präsentierten zwei blitzsaubere Küren auf ihrem Pferd Cyrano. Die Höchstnoten vergab das achtköpfige Richtergremium dafür jedoch nicht.

8,308 Punkte hatten Bresch und Rein nach zwei beinahe identischen Umläufen (8,301 und 8,315 Punkte) am Ende von den Punktrichtern bekommen. Das reichte zu Rang fünf. Lediglich 99 Tausendstel-Punkte fehlten Bresch und Rein zu ihrem großen gemeinsamen Traum, einer WM-Medaille.

Enttäuscht war das derzeit beste deutsche Pas-de-Deux (Voltigier-Doppel) über das Resultat jedoch nicht: „Die beiden Durchgänge waren einfach top. Damit haben wir unser Ziel erreicht“, sagte Rein. „Wir waren pünktlich zum Saisonhöhepunkt auch am Höhepunkt unserer Leistung. Mehr war hier bei dieser Konkurrenz einfach nicht drin.“

Für den 26-Jährigen war es bereits im Vorfeld ein steiniger Weg zum globalen Championat: Nachdem er im vergangenen Jahr mit einem Kreuzbandriss lange ausgefallen war und sich seine 20-jährige Sport-Partnerin Bresch mit Ersatzpartner Torben Jacobs aus Bremen den Europameister-Titel sicherte, musste er sich im Laufe des Jahres an sein altes Leistungs-Niveau erst wieder herankämpfen.

Zudem kam Kritik auf, nachdem das Duo für die Weltmeisterschaft nominiert wurde, ohne die entsprechenden Vorleistungen gebracht zu haben. Bundestrainerin Ulla Ramge stand allerdings zu ihrer Entscheidung: „Diese beiden werden zur richtigen Zeit die optimale deutsche Lösung sein“, sagte sie. Die 49-jährige Warendorferin sollte Recht behalten: Bereits bei der Deutschen Meisterschaft im hessischen Alsfeld im Juli war das Unterjesinger Duo nicht zu schlagen. Anschließend war die große Frage, ob diese Leistung für Bresch und Rein auch bei den ersten Weltmeisterschaft im Doppel-Voltigieren für das Podest reicht.

Die Weltmeisterschaften der Voltigierer wurde in diesem Jahr erstmals um die Disziplin des Doppels erweitert. Die Gelegenheit, im Nordosten der Motorrennsport-Metropole Le Mans, im Westen Frankreichs, als Premieren-Meister Voltigier-Geschichte zu schreiben. Vorhersagen jedoch wollte niemand geben. Medaillen-Ambitionen sprachen nur wenige öffentlich aus. Auch Bresch und Rein hielten sich bedeckt.

Zu recht, wie sich in Le Mans herausstellen sollte: Weltmeister wurden Jasmin Linder und Lukas Wacha aus Österreich. Die Tiroler, die seit vielen Jahren gemeinsam speziell das Doppel trainieren, voltigierten sich mit einer atemberaubenden Kombination an akrobatischen Höchstleistungen auf Platz eins. 8,775 Punkte lautete das überragende Resultat, dem sich auch das britische Schwestern-Duo Joanne und Hannah Eccles geschlagen geben musste (8,556 Punkte).

Der Kampf um Bronze fiel enger aus: Die Amerikaner Megan Benjamin und Blake Dahlgren setzten sich mit 8,407 Punkten knapp gegen ihre Landsleute Devon Maitozo und Rosalind Ross (8,376 Punkte) durch. Dahinter rangierten Bresch und Rein, die mit Longenführerin Doris Marquart und dem von ihrem Mann Herbert Marquart gezogenen 13-jährigen Cyrano einen sauberen Eindruck hinterließen. „Rang fünf bei diesem Starterfeld ist keine Schande“, sagte Logenführerin Marquart.

Bundestrainerin Ulla Ramge sprach in der Analyse der beiden Durchgänge von einer „nahezu perfekten Leistung“. Allerdings habe die WM gezeigt, dass andere Nationen den Deutschen momentan einen Schritt voraus sind. Ein Überraschungscoup, wie er vergangenes Jahr mit Bresch und Torben Jacobs beim sensationellen EM-Sieg geglückt war, funktioniere nicht mehr: „Wir haben bislang ab Mai angefangen, unsere potenziellen Championats-Doppel gezielt zu unterstützen.“

Dieses Konzept gehe nicht mehr auf. Mit der Anhebung der Disziplin auf WM-Status sei der internationale Stellenwert enorm gestiegen. „Wir werden das Pas-de-Deux in Zukunft gezielter fördern“, sagte Ramge. Sie möchte die Athleten künftig in einem eigenen Bundeskader aufnehmen und ganzjährig betreuen. Dort soll vor allem daran gearbeitet werden, im Vergleich zur Konkurrenz nicht mehr „so brav rüberzukommen“, sagt Ramge. Die Pläne der Nationaltrainerin: „Wir müssen deutlich mehr sportliche Highlights setzten, die uns von der Masse abheben.“ Dann könnte es künftig für eine Medaille reichen.

Die verflixten 99 Tausendstel-Punkte
Künftig nicht mehr so brav rüberkommen: Bundestrainerin Ulla Ramge will in Deutschland eine bessere Förderung der Voltigier-Doppel einführen. Bei der Weltmeisterschafts-Premiere in Le Mans (Frankreich) turnten Theresa-Sophie Bresch und Daniel Rein vom PSV Roseck Unterjesingen auf ihrem Pferd Cyrano auf Rang fünf und verpassten damit ihren Traum von einer WM-Medaille.Bild: Kaiser

Die verflixten 99 Tausendstel-Punkte
T.-S. Bresch

Ob das beste Voltigier-Doppel der Bundesrepublik in den nächsten Jahren einen weiteren Angriff auf die Weltspitze unternehmen wird, ließen die Rosecker zunächst offen. Abhängig ist die Zukunft des Gespanns in erster Linie von der beruflichen Perspektive von Daniel Rein. Der frisch examinierte Zahnmediziner hatte im Saisonverlauf stets mit der Kombination von täglichen Trainingseinheiten und angemessener Prüfungsvorbereitung zu kämpfen. Auch deshalb waren die PSV-Akrobaten erst vergleichsweise spät an ihrem Leistungs-Maximum angekommen. „Wir werden uns in den nächsten Wochen zusammensetzen und besprechen, wie es weitergeht“, sagt Theresa-Sophie Bresch. Die beiden Pferdeakrobaten brachen direkt im Anschluss an die Weltmeisterschaft mit ihren Familien zu einem Spontan-Urlaub in die Normandie auf. Dort finden übrigens im Jahr 2014 die nächsten Weltreiterspiele statt, also erneut in Frankreich – der geeignete Ort für eine
Revanche.

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22.08.2012, 12:00 Uhr

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