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Die virtuelle Geldbörse
Haben Kunde und Geschäft die Technik, kann mit dem Smartphone bezahlt werden. Foto: obs/Vodafone D2 GmbH/Vodafone Deutschland/DPA+
Smartphone

Die virtuelle Geldbörse

Kunden der Deutschen Bank können bargeldlos per Handy bezahlen. Auch andere Kreditinstitute sowie Teile des Handels stehen in den Startlöchern.

12.04.2017
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. In vielen Ländern ist es schon Alltag: Beim Einkauf hält der Kunde sein Smartphone an das Kartenlesegerät an der Kasse und schon ist die Rechnung bezahlt. Auf seinem Smartphone ist die Kredit- oder Girokarte hinterlegt. In Deutschland verbreitet sich zwar das kontaktlose Bezahlen mit Giro- und Kreditkarte, dies mit Smartphone zu erledigen war das bislang noch nicht möglich. Die Deutsche Bank macht jetzt den Anfang. Der Durchbruch? Fragen und Antworten.

Was bietet die Deutsche Bank ihren Kunden genau?

Seit 5. April können sie ihre Mastercard-Kreditkare in der Deutsche-Bank-App auf ihrem Smartphone hinterlegen und so kontaktlos bezahlen. Der Kunde muss in der App nur die Bezahlfunktion für die Karte freischalten. Bei Beträgen bis 25 Euro ist nicht einmal die PIN notwendig, bei höheren Summen muss er sie ins Kassenterminal eingeben.

Funktioniert das an jedem Terminal?

Nein. Das Gerät an der Kasse muss für das kontaktlose Bezahlen ausgestattet sein und den sogenannten NFC-Standard besitzen. Das steht für „Near Field Communication“, was so viel heißt wie Nahbereichsverbindung. Das ist auch Voraussetzung für das kontaktlose Bezahlen mit einer dafür ausgestatteten Kredit- oder Giro-Karte. Aktuell gibt es hierzulande etwa 100 000 NFC-fähige Kassenterminals. Mastercard fordert aber alle Händler auf, die ihre Karten akzeptieren, von Anfang 2018 an entsprechende Terminals vorzuhalten.

Ist kontaktloses Bezahlen mit jedem Smartphone möglich?

Nein. Voraussetzung ist das Google-Betriebssystem Android. Deshalb könnten derzeit auch nur rund 300 000 der 8 Mio. Kunden der Deutschen Bank das neue Verfahren nutzen.

Warum funktioniert es auf iPhones von Apple nicht?

Apple bietet zwar den kontaktlosen Bezahldienst Apple Pay, aber noch nicht in Deutschland. Aktuell ist er weltweit nur in 14 Ländern verfügbar, unter anderem in den USA, in China, in Japan, Singapur sowie in Europa in Frankreich, Großbritannien, Irland, der Schweiz und Spanien. Experten sehen aber Hinweise, dass Apple Pay noch in diesem Jahr in Deutschland freigeschaltet werde. So gibt es auf der Homepage jetzt auch eine Anleitung für Apple Pay auf Deutsch. „Apple kommentiert keine Gerüchte und Spekulationen über einen möglichen Starttermin für Apple Pay in Deutschland“, sagt aber Pressesprecher Martin Kuderna.

Wie weit sind andere Banken in Deutschland?

Bei der ING-Diba steckt man in den Vorbereitungen. Wann eine Lösung für kontaktloses Bezahlen mit dem Smartphone steht, will eine Sprecherin nicht sagen. Die Sparkassen bieten NFC-fähige Girocards und weiten das in diesem Jahr auf Kreditkarten aus. Für Smartphones läuft derzeit eine Testphase. 2018 soll es „bundesweit ausgerollt“ werden. Im Volksbanken-Sektor läuft seit Dezember und noch bis Mitte 2017 bei der Kasseler Bank und der Raiffeisenbank Baunatal mit 100 Testern eine Erprobungsphase für das Zahlen mit Smartphone, einer App und integrierter Girocard. Partner sind Vodafone und Edeka. Eine Entscheidung über die Einführung im gesamten Volksbanken-Sektor wird nicht vor Sommer 2017 fallen. Auch für Sparkassen und Volksbanken gilt: Der Bezahldienst läuft nur auf Android-Smartphones.

Was macht der Handel?

Es gibt einzelne Lösungen. So bietet Edeka über eine App in ausgewählten Filialen etwa in Berlin und Hamburg an, sowohl mit Android als auch mit Apple zu bezahlen. Dazu muss man sich kostenlos als Kunde registrieren und seine Kontodaten hinterlegen. Beim Bezahlen selbst ist die Pin notwendig, zudem wird jeweils als Bestätigung ein Strich- oder Zahlencode erzeugt, den die Kassiererin oder der Kassierer scannt oder eintippt.

Was sagen Verbraucherschützer?

Das Smartphone werde so zur durchaus praktischen virtuellen Geldbörse, betont Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztip. „Die entscheidende Frage ist: Wie sicher ist das Bezahlen mit dem Smartphone? Was ist mit dem Datenschutz? Wenn das in Ordnung ist, ist es eine praktische Lösung. Bislang sind uns noch keine großen Missbrauchsfälle bekannt“.

Wie steht es um die Sicherheit?

Die virtuelle Geldbörse auf dem Smartphone sei nicht nur bequemer, sondern auch sicherer als Bargeld und Kreditkarte, sagt die Deutsche Bank. Das Smartphone speichere zehn Zahlenschlüssel für je eine Zahlung, sogenannte Token. Für die Zahlung würde nur dieser Token, nicht aber Informationen über die Kreditkarte bereitgehalten und weitergegeben. Der Token werde verschlüsselt gesendet. Nur die Bank und Mastercard könnten die Daten dem jeweiligen Kunden zuordnen.

Mit dem Smartphone als Geldbörse verliert das Bargeld weiter an Bedeutung.

Das sieht auch Verbraucherschützer Tenhagen so. Es bringe möglicherweise Probleme mit sich. „Das Bezahlen per Smartphone könnte dazu führen, dass Menschen anders mit Geld umgehen. Anfällige Personen könnten verleitet werden, mehr Geld auszugeben als bei einer Barzahlung und damit mehr als sie sich eigentlich leisten können und so in die Verschuldung rutschen.“

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12.04.2017, 06:00 Uhr

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