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Regional - global

Die wahren Männerträume.

Luxustresore der Maichinger Manufaktur Döttling fußen auf feinstem Schlosserhandwerk. 1919 vom Urgroßvater des heutigen Firmenchefs Markus Döttling gegründet, ist das Unternehmen ein Paradebeispiel für schwäbischen Erfindergeist.

05.05.2014

Von TEXT: Simone Maier | FOTOS: Unternehmen

Schwäbisch ist eigentlich nur der Ort und die Außenfassade: Bescheidenheit im Auftreten, doch die Produkte sind weit davon entfernt. Bei Döttling in Maichingen entstehen Luxusgegenstände von höchster Güte. Alles andere als schwäbisch ist auch das Credo des Fireninhabers Markus Döttling: „Zeit spielt keine Rolle.“

Abi, Ausbildung im väterlichen Betrieb, Abschluss als Metallbaumeister – soweit lief alles ganz nach Plan im Hause Döttling. Bis Markus Döttling den alten Safe im örtlichen Rathaus in Magstadt in die Finger bekam. Er sollte entsorgt werden, da ein neuer Safe her musste. Das Stück aus der Gründerzeit gefiel ihm jedoch so gut, dass er es aufmöbelte und sich überlegte, was man in einem Safe denn noch so alles außer Preziosen aufbewahren könnte. Zu dieser Zeit gönnte er sich noch gerne eine Zigarre und die Idee war geboren: als Humidor wäre so ein antikes Stück doch auch toll. Angereichert mit einer Mini-Bar und vielleicht noch der Möglichkeit, schöne Uhren zu präsentieren. Das war vor rund zwölf Jahren.

Legenden der Leidenschaft

Aus diesem Zusammentreffen entstand eine ganz besondere Reihe von Tresoren. „Legends“ genannt. Hochexklusive, antike Safes werden zu modernen Zeitzeugen restauriert. Vom wilhelminischen Sicherheitsschrank Anfang des 20. Jahrhunderts, dem Napoleonischen „coffre-fort“ Mitte des 19. Jahrhunderts oder einer Auftragsarbeit der letzten Medici aus dem Mailand um 1740 – jeder Safe ist ein Unikat. Das äußere Erscheinungsbild und sein Innenleben werden im persönlichen Gespräch des Kunden mit Markus Döttling peu à peu definiert. Da die Auftraggeber meist sehr wohlhabend sind, erfüllen sie sich mit einem Döttling Safe einen sehr individuellen Traum. „Vor kurzem war ein Kunde aus Südamerika hier. Als er seinen Safe sah ist er fast in Tränen ausgebrochen; der Anblick hat ihn umgehauen,“ erzählt Markus Döttling. Die Anzahl und die Verfügbarkeit hochwertiger antiker Safes ist limitiert. Allerdings gibt es bei der Innenausstattung der Legenden keine Grenzen: ob Humidore, Cocktailbars, Schmuckfächer, Uhrenbeweger, Sammlervitrinen oder verschließbare Schubladen – geht nicht, gibt es nicht bei Döttling.

Handwerk – sprichwörtlich

Bei Döttling wird noch von Hand gearbeitet. Restaurateure, Goldschmiede, Schlosser, Sattler, Lackierer und Sicherheitsspezialisten arbeiten Hand in Hand.

Für Vergoldungen wird ausnahmslos 24-karätiges Blattgold in den vom Auftraggeber gewünschten Farbnuancen verwendet: von Weißgold über Rotgold bis hin zu Altgold. In der Sattlerei werden von feinstem Kalbsleder über Zebrafell bis hin zu Vogelfedern oder Rochenhaut die verschiedensten Materialien verarbeite. „Alles was mit Tier zu tun hat ist aus geschützter Zucht mit Zertifikaten, das ist uns sehr wichtig,“ so Döttling. Um den feinen Materialien gerecht zu werden, wird jeder Rohling von Hand beschnitten und später ebenfalls in Handarbeit abgekantet, vernäht und angeschlagen. Nur eines spielt bei der Veredelung eines echten Döttling-Objekts überhaupt keine Rolle: Zeit.

Frauenlieblinge

Die Klientel von Markus Döttling kommt nicht unbedingt aus seiner Nachbarschaft. Meist sind es Interessierte aus Übersee. Meist Männer. Und meist liegen Uhren in den Tresoren. „Wir fragen uns vermehrt wie wir die Frauen „kriegen“, denn meistens gebührt ihnen nur ein Schublädle im Safe,“ schmunzelt Markus Döttling. Aus dem Gedanken heraus ist Safe „Pauline“ entstanden. Benannt nach der ältesten Tochter des Firmeninhabers. Äußerlich stellt er eine Hommage an den Luxus der Belle Époque dar. Das Innenleben besteht aus Schmuck- und Dokumentenschubladen und beherbergt zudem einen transportablen Schmuckkoffer, der auf Wunsch mit einem GPS-Sender ausgestattet werden kann. Die technische Finessen des Safes sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen: der Safedeckel lässt sich aufklappen und tarnt so die Eingabeeinheit, außerdem ist der Öffnungsmechanismus durch eine Riemenschnalle getarnt. Seit neuestem gibt es den „Döttling Guardian“. Dies ist ein Gepäckstück, das Schutz für bis zu sechs Armbanduhren, Schmuck, Bargeld oder wichtige Dokumente bietet. Durch den Polycarbonat-Anteil der Röhre ist der Guardian extrem schlagfest. Kein Vorschlaghammer kommt hier durch. Durch die Hartmetallkomponenten, die annähernd so hart wie ein Diamant sind, werden Bohrer und Sägen schon beim Versuch, dem Guardian zu Leibe zu rücken, zerstört. Erinnert an 007.

Einmal wurde eine Spezialarbeit von einer Frau in Auftrag gegeben: Die Amerikanerin wollte einen pinkfarbenen Panzerschrank in Krokodilleder für ihre Schuhsammlung – auch kein Problem für die Manufaktur, der „Schuh-Schrank“ wurde sechs Monate nach Auftragseingang nach Amerika geliefert.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Unterwegs ist Döttling oft. Vorbei an Leibwachen und Sicherheitszäunen war er schon im Palast des irakischen Präsidenten oder aber viel in Übersee. Seine Kunden gehören zu den Superreichen dieser Welt. Einer davon ist Guy Laliberté. Der Gründer des Cirque de Soleil ist der reichste Mann Kanadas. Vor einigen Jahren kaufte er sich in den Bergen ein Grundstück mit See. Denn genau dort lungerte er als Straßenartist oft herum. Mittlerweile hat er dort ein spektakuläres Haus gebaut – selbstverständlich mit einem Döttling Tresor – das wie ein Zirkuszelt aufgebaut ist. Wasserfälle fließen am Haus vorbei, mit spektakulärem Interieur. Als Döttling ihn eines Tages anrief, unwissend, dass es sein 50. Geburtstag war hieß es nur lapidar „Guy is in space.“ Ein anderer aus Mexiko nimmt es ganz lässig. Falls es einer jemals unversehrt bis zum Safe schaffe, so meint er, hätte er es auch verdient, den Inhalt zu bekommen. Dazu muss man allerdings wissen, dass sein Wohnhaus einer Festung gleicht.

KL der Narzist

Eines Tages setzte sich Andreas Schlittenhardt, seit 2010 Partner von Markus Döttling, per Email mit der Pressechefin von Karl Lagerfeld in Paris in Verbindung und erzählte ihr von den Döttling Tresoren. Mail geschrieben, abgeschickt, gedacht das war?s. Doch weit gefehlt: „Karl“ sei interessiert, ließ die Pressechefin verlauten und frage sich warum er nichts von Döttling wisse. Sollte sich ändern. Nach einem ersten Treffen und der Idee eines eigenen KL Tresors saßen Schlittenhardt und Döttling plötzlich der Anwältin von „Karl“ in Paris gegenüber und murmelten etwas von „Umsatzbeteiligung“ für KL. Wieder mit den Bedenken, dass es das jetzt endgültig war. „Wir hätten niemals das bezahlten können, was Karl Lagerfeld gewöhnlich bei Beteiligungen aufruft,“ so Markus Döttling schmunzelnd. Doch sie einigten sich auf Gewinnbeteiligung und dass Karl das erste Exemplar des neuen Safes erhalten würde. Entstanden ist ein auf 30 Exemplare limitierter mit Spiegelglas versehen Safe mit dem Namen „Narcissus“. Kostenpunkt 250 000 Euro oder eine Viertelmillion. Auf den ersten Blick ist er eine puristische Rauminstallation. Doch dann schieben sich aus einem 800 Kilo schweren, mit hochglanzverchromtem Aluminium verkleideten Stahlkorpus zwei handgearbeitete Innenschränke mit Uhrenbewegern und Schmuckschubladen. Vollautomatisch, wie von Geisterhand. 1,80 Meter hoch, 1 Meter breit und nur 30 Zentimeter tief. »Einen schlankeren Hochsicherheitssafe hat die Welt noch nie gesehen,« so Markus Döttling. Daran wurde 18 Monate lang akribisch gearbeitet mit regelmäßigen Treffen alle drei Monate. „Jedes Mal wenn KL mit seiner Entourage kam und egal was auf ein Blatt Papier kritzelte kam ein „c?est genial“ von irgendwo her«, lacht Markus Döttling. Genial sind auch die Ideen des Firmeninhabers, mit denen er die Marke Döttling in fernen Ländern bekannt gemacht hat.

Bei der Innenausstattung eines „Legends“-Safes gibt es keine Grenzen – ob Humidor, Cocktailbar, Schmuckfach oder Uhrenbeweger. Die Hartmetallkomponente des „Döttling Guardians“ ist annähernd so hart wie ein Diamant und bietet dadurch einzigartigen Schutz für seine wertvolle Fracht. 24-karätiges Blattgold kommt bei den Vergoldungen zum Einsatz. Der „Gyrowinder“ ist ein hochpräzises Instrument, das erstmals ein vollkommen freies Drehen der Uhr in alle Richtungen – inklusive Überschlag – ermöglicht. Das kommt dem Tragen der Uhr am Handgelenk am nächsten. (Bilder von oben nach unten).

Safes von Döttling sind weltweit bei ausgesuchten Kennern und Freunden feinsten Schlosserhandwerks zuhause. Ihren Ursprung haben sie in der Manufaktur in Sindelfingen – im Herzen einer Region, die angesichts renommierter Unter- nehmen wie Mercedes-Benz oder Porsche wie kaum eine andere für schwäbischen Erfindergeist steht.
In diesem Umfeld werden in aufwändiger Handarbeit Tresore restauriert und gebaut. Was die Objekte dabei so besonders macht, ist der Anspruch der Döttling GmbH an Schönheit und Qualität. Ein Anspruch, den das Unternehmen mit seinen Kunden teilt und der mittlerweile in der vierten Generation bei Döttling gelebt wird.

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Erstellt:
5. Mai 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Mai 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Mai 2014, 12:00 Uhr

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