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Die wogenden Wellen der Kunst
Emil Noldes „Wolkenspiegelung“ (1913) in der Ausstellung „Wolken. Wasser. Wind.“ in Schwäbisch Hall Foto: Volker Naumann
Kunsthalle Würth geht mit „Wasser, Wolken, Wind“ dem Wetter auf den Grund

Die wogenden Wellen der Kunst

Tosendes Meer, dramatische Wolken, bunte Tornados: Die Kunsthalle Würth gibt spannende Einblicke in die Wetterküche von 500 Jahren Kunstgeschichte.

01.10.2016
  • BETTINA LOBER

Schwäbisch Hall. Türmende Wolkenberge, die sich im Meer widerspiegeln, dramatische Himmelsfarben, die von der Stimmung des Malers erzählen: Emil Noldes Wolkenspiegelungen begleiten die Sammlung Würth seit jeher. Mit dem Erwerb des Aquarells „Wolkenspiegelung in der Marsch“ hat der Unternehmer Reinhold Würth einst seine Kollektion begründet. Mittlerweile umfasst sie weit mehr als 17 000 Werke. Und wenn sich Sammlungsdirektorin Sylvia Weber und ihre Stellvertreterin Beate Elsen-Schwedler gemeinsam mit ihrem Team daran machen, das Kunstdepot nach Elementar- und Wetterphänomenen zu durchforsten, können sie aus dem Vollen schöpfen. Rund 240 Arbeiten von 150 Künstlern werden in der Kunsthalle Würth gezeigt. Weitere 110 Werke sind als Dia-Show im Kinosaal der Kunsthalle zu sehen.

So können sich die Besucher nun mit Wonne in die wogenden Wellen der Kunst stürzen und sich vom Kunststrom durch die Räume treiben lassen. Auf dem Vorplatz bringt die Sonne die polierten Flächen von Marc Quinns riesiger Bronze-Muschel „Der Ursprung der Welt“ einladend zum Glänzen. Der Adolf-Würth-Saal wird dominiert von neu erworbenen Christo-Arbeiten zu seinem jüngsten Projekt „Floating Piers“ auf dem Iseosee, wo 700 000 Quadratmeter Stoff verwendet wurden. Mehr als eine Million Menschen sind dort im Sommer „übers Wasser gegangen“ – jenes Urelement der Menschheitsgeschichte, das auch in Mythologie, Religion und eben Kunst vielfältigen Ausdruck findet.

In der Eingangskoje präsentiert sich bereits der weite Bogen der Schau: Der „Salvator mundi“ eines bayerischen Meisters von 1500 blickt aus dem Himmel herab. Elger Essers verfremdete Fotoarbeit „169 Nice“ lässt Boot und Fels miteinander verschmelzen. In Anselm Kiefers provozierendem Selbstporträt „Heroisches Sinnbild III“ von 1970/71 posiert er mit Faschistengruß am Meer. Daneben hängt René Magrittes surreal und düster „Verzaubertes Landgut“ unter heiterem Wolkenhimmel. Und Johannes Ittens „Vögel am Meer“ segeln im Wind.

In der Schau ergeben sich viele Bezüge und Gegenüberstellungen: Unweit von John Wilson Carmichaels 1835 entstandenem bewegten Ölgemälde zur Grönlandreise der Schiffe eines Sir Martin Frobisher ist beispielsweise das 1969 geschaffenes „Seestück (bewölkt)“ von Gerhard Richter platziert. Er scheint mit dem Pinsel zu fotografieren und dabei See wie Himmel mit einer geheimnisvollen Aura auszustatten.

Für die Darstellung des Windes haben die Künstler viele Möglichkeiten gefunden: Antonius Höckelmann verarbeitet Styropor, Acrylfarbe, Holz und Leim zu einer sich windenden Skulptur. Der Wind fährt durch die Haare diverser Windsbräute, durch die detailliert und altmeisterlich gemalten wilden Tulpen von Jan Peter Tripp oder die typischen Nagelfelder von Günther Uecker.

Die Medienkünstlerin Angelika Middendorf zeigt mit „Airloon – Luftwesen“ eine Installation aus Wolkenbeobachtungen. Dafür hat sie sich auf dem Dach der Kunsthalle eine Kamera installiert, die den Himmel beobachtet. Die Bilder werden in die Halle übertragen und dort mit Wolkenprojektionen, Wetterballon und Discokugel kombiniert.

Eine bizarre Schönheit des Schreckens und der Zerstörung zeigt sich in Robert Longos mit Kohle gezeichneter Monsterwelle sowie seiner Atomwolke, die am Ende des langen Flurs im Untergeschoss schier eine Sogwirkung entwickelt. Besonders spannend erscheint der Raum unterm Sudhaus, wo sich um den riesigen gestürzten Bronze-„Ikarus“ von Stephan Balkenhol unterschiedliche Formate von Attersees rauschhaften „Gischtgebet“ bis Bruno Kurz' kleinen „Lost Landscapes“ begegnen.

Beim Gang durch die Räume kann man sich ob der Fülle der Motive, der vielfältigen Ansichten und faszinierenden Interpretationen durchaus zwischen den wässrigen, wolkigen und windigen Elementen hin- und geworfen fühlen. Das Smalltalk-Topthema Wetter hat das Zeug zum richtig großen Gesprächsstoff.

Info Die Ausstellung läuft bis 18. Juni 2017 in der Kunsthalle Würth, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, einen Katalog gibt es für 40 Euro.

Fotostrecke zur Ausstellung: swp.de/bilder

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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