Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Fünf junge Männer vor Gericht

Diebstahl, Erpressung, versuchte Nötigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

Diebstahl, Erpressung, versuchte Nötigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr: Fünf Männer, 16 bis 20 Jahre alt mit vier Nationalitäten, stehen seit gestern vor dem Jugendschöffengericht. Vier von ihnen sind im März mit einem geklauten Auto in Rottweil in den Neckar gestürzt.

30.09.2010
  • Cornelia Addicks

Rottweil/Horb/Adelsheim. „Völlig nass, geschockt und verblutet“ seien seine Kumpel in jener Märznacht gewesen, sagte der jüngste Angeklagte aus Horb: „Allen ging’s Scheiße“. Mit dem gestohlenen Auto war das Quartett vom Einbruch auf der Rottweiler Saline in Richtung Innenstadt über die Neckarbrücke beim Bahnhof gerast. „Die sichtbare Bremsspur war 22 Meter“, berichtete ein Polizeibeamter, einer von zwei Dutzend geladenen Zeugen. Die Spurensicherung geht von einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern aus; allein der Schaden an dem durchbrochenen Geländer dürfte bei rund 18 000 Euro liegen. Den Vieren war es gelungen, sich trotz des acht Meter tiefen Sturzes aus dem Auto zu befreien und ans Ufer zu schwimmen. Das Auto hatten sie kurz zuvor vor einem Pizzaservice gestohlen. Denn schließlich waren sie an jenem Tag schon viel gelaufen: Die Horber und ein Junge aus Nagold waren mit dem Zug angekommen, trafen dann die anderen, spazierten zum Nägelesgraben, wo sie sich mit Wodka und Bier eindeckten. Zwei liefen wieder zum Bahnhof und trafen sich mit den anderen dann auf dem weiten Fußweg zur Saline. Dort wartete man, „bis weniger los“ war. Einer der 18-Jährigen ist geständig, die Glastür eines Lottoladens mit einem Stein eingeschlagen zu haben. Geplant sei das Ganze von seinem 20-jährigen Cousin gewesen, was dieser abstreitet. Zigaretten, Rubbellose und Bargeld waren die Beute des ersten Einbruchs. „Dann haben wir gemerkt, dass das Geklingel keine Alarmanlage ist und sind noch mal rein“. Die Beute wurde zu Fuß in die Innenstadt gebracht und im Keller des 20-Jährigen deponiert. Dann sei man noch ein drittes und ein viertes Mal in das Geschäft eingedrungen. Dazuwischen kehrte die Gruppe in einem Fast Food-Restaurant ein. „Stärken nach getaner Arbeit“, wie ein Polizeibeamter sagte. Mit seiner Bemerkung „alles etwas dubios“ traf er den Nagel auf den Kopf. Denn die Aussagen der Angeklagten widersprachen sich untereinander und wichen zum Teil stark von früheren Angaben bei der Polizei oder beim Haftrichter ab.

Zwei Mittäter, 17 und 14 Jahre aus Nagold und Gottmadingen, die bereits verurteilt sind (10 Monate Jugendstrafe beziehungsweise Arbeitsstunden), brachten mit ihren Aussagen auch keine Klarheit. Einer handelte sich vielmehr eine Anklage wegen Falschaussage ein.

Unklar blieb, wie die Beute verteilt wurde, ob oder wie die Täter maskiert waren, wer wen wann von den Einbruchsplänen informiert hat und ob nicht auch noch weitere Objekte wie eine Edelmetallannahmestelle auf dem „Programm“ standen. Auch ist nicht sicher, ob vier oder fünf Personen in dem Auto saßen, als es in die kalten Fluten stürzte. Das Auto im Wert von etwa 2500 Euro hat einen Totalschaden, wie der Geschädigte als Zeuge aussagte. Sicher ist wohl, dass der 18-jährige Rottweiler am Steuer saß. Zuvor hatte er eine halbe Flasche Wodka, Bier, Haschisch und die Droge Subutex konsumiert, wie er vor Gericht zugab.

Zwei der Angeklagten sollen außerdem im Juli 2007 eine Uhr im Wert von 2500 Euro und weitere Wertsachen gestohlen haben, die aber an den Besitzer zurückgegeben wurden. Dem 16-jährigen Horber wird vorgeworfen, einen Mitschüler, der ihn wegen Körperverletzung angezeigt hatte, genötigt zu haben: „Wenn ich in den Knast komme, bist Du dran“.

Von Erpressung geht die Anklage bei einem Vorfall im Knast in Adelsheim aus: Der 18-jährige aus Rottweil soll dort zusammen mit einem anderen Häftling einen Dritten gezwungen haben, seinen Ohrring herzugeben.

„Ich bin heute viele Male angelogen worden“, resümierte die Vorsitzende Richterin Petra Wagner. Mehrmals hatte sie auch Angeklagte verwarnen müssen, weil sie mit Zwischenrufen die Verhandlung störten.

Der Prozess wird am 7. Oktober um 8.30 Uhr fortgesetzt.

Diebstahl, Erpressung, versuchte Nötigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr
Landgericht Rottweil

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

30.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball