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Xavier Naidoo singt beim ESC 2016 für Deutschland: Das Publikum wird nicht gefragt

Dieser Weg wird kein leichter sein

Er soll für ein Land antreten, das es seiner Ansicht nach gar nicht gibt. Mit der Auswahl von Xavier Naidoo für den ESC 2016 trifft die ARD auf Widerspruch - zumal das Publikum bei der Auswahl gar nicht gefragt war.

20.11.2015
  • EPD/DPA/KNA

Hamburg Die Zuschauer haben im kommenden Jahr kein Mitspracherecht: Xavier Naidoo soll für Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) antreten, wie der NDR gestern mitteilte. Nur der Titel, mit dem der Sänger in Stockholm ins Rennen geht, steht noch nicht fest.

Naidoo ist eine umstrittene Wahl. Zwar ist er seit 20 Jahren im Musikgeschäft erfolgreich und stand mehrfach an der Spitze der deutschen Charts. Gleichzeitig löste er aber mit seinen Liedtexten und politischen Äußerungen immer wieder Kontroversen aus.

"Wir wollten jemanden finden, der sehr gut singen kann, eine authentische Bühnenpräsenz hat und der mit seiner Ausstrahlung die Fernsehzuschauer in Europa verzaubern kann", begründete der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. "Und wir wollten jemanden, der mit uns auf die Suche geht nach dem stärksten Lied und der besten Inszenierung, denn zuerst einmal ist der ESC eine Fernsehshow." Naidoo sei ein Ausnahmekünstler, deshalb sei entschieden worden, ihn direkt zu nominieren.

Die Zuschauer können am 18. Februar 2016 in der Show "Unser Song für Xavier" entscheiden, mit welchem Titel der Sänger in Stockholm antritt. Renommierte deutsche Komponisten und Produzenten seien gebeten worden, Song-Vorschläge einzureichen, erklärte der NDR. Wenn feststehe, welche sechs Lieder den Zuschauern zur Auswahl präsentiert werden, sollten Film- und Kunsthochschulen Ideen für die Inszenierung der Titel einbringen. "Die Erfolge von Lena, Loreen und Mans Zelmerlöw beim ESC in den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass neben der Persönlichkeit des Künstlers und der Stärke der Lieder auch die Inszenierung bei der Punktevergabe eine Rolle spielt", sagte Schreiber.

Mit Titeln wie "Dieser Weg", "Nicht von dieser Welt" oder "Sie sieht mich nicht" gelangen Naidoo immer wieder Charterfolge - mit seiner Band Söhne Mannheims oder als Solokünstler. Der Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln gewann unter anderem den Musikpreis Echo, die Goldene Kamera und den Deutschen Fernsehpreis.

Dem Sänger werden aber auch Rechtspopulismus, Homophobie und Antisemitismus vorgeworfen. Gleich nach Bekanntwerden der Nominierung regte sich gestern Widerstand: Die FDP-Fraktion im Düsseldorfer Landtag forderte die ARD auf, den umstrittenen Künstler umgehend zurückzuziehen.

Auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sieht die Teilnahme Naidoos "äußerst kritisch". "Deutschland steht für eine pluralistische Gemeinschaft", sagte der LSVD-Bundesvorstand Tobias Zimmermann gestern. "Dann jemanden dorthin zu schicken, der Deutschland als Kolonie der USA bezeichnet, ist sehr schwer nachzuvollziehen."

Dieser Weg wird kein leichter sein
Unbestritten: Xavier Naidoo ist in Deutschland eine musikalische Größe. Der gebürtige Mannheimer mit indischen und afrikanischen Wurzeln gewann schon zahlreiche renommierte Preise. Foto: dpa

Zitate Hier einige der umstrittenen Sprüche Xavier Naidoos: "Er (Bundespräsident Horst Köhler) soll dabei mitgewirkt haben, dass Deutschland ohne verfassungsrechtliche Legitimation die Währungsunion einging. Da bin ich 2010 auf eine Polizeiwache in Mannheim gegangen, um mich der Anzeige wegen Hochverrats anzuschließen . (Im März 2015 im Magazin "Stern".) "Das sind Priester, ein paar Bischöfe sind auch dabei. Es gibt Rituale, die will ich nicht näher beschreiben. Darüber will natürlich niemand sprechen. In Belgien ist das an die Oberfläche getreten durch den Dutroux-Fall, das Ganze ist aber nie richtig verhandelt worden. Das hat jetzt achteinhalb Jahre gedauert, Zeugen sind getötet worden. Da muss ich sagen: So etwas gibt es auch in Deutschland, aber sehr organisiert." (Im Juli 2010 in der "Süddeutschen Zeitung" zu Kindesmissbrauch.) "Es ist keine Verschwörungstheorie.) Geheime Vereinbarungen zwischen den Amerikanern und der Bundesregierung (.) existieren wirklich. Danach dürfen die Amerikaner uns überwachen. Deutschland ist insoweit kein souveränes Land, wir sind nicht frei." (Im März 2015 im "Stern".) "Seit dem (Terroranschlag am 11.) September 2001, das war der Warnschuss.) Wer das als Wahrheit hingenommen hat, was da erzählt wurde, der hat den Schleier vor den Augen, ganz einfach." (Im Oktober 2014 während eines Auftritts bei rechtspopulistischen so genannten Reichsbürgern, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen.) "Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab. Und dann fick ich euch in' Arsch so wie ihr's mit den Kleinen macht.) Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?" (2012 mit Kool Savas als Duo Xavas im Lied "Wo sind sie jetzt"). dpa.

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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