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"Dieses Datum ist in schlimmer Erinnerung"
Polizisten gedenken in Heilbronn ihrer ermordeten Kollegin. Foto: Hans Georg Frank
Stille Gedenkfeier in Heilbronn für die am 25. April 2007 ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter

"Dieses Datum ist in schlimmer Erinnerung"

Neun Jahre nach dem Anschlag auf eine Polizeistreife wurde in Heilbronn an die Opfer erinnert. Die Tat auf der Theresienwiese ist nicht ganz geklärt.

26.04.2016
  • HANS GEORG FRANK

Heilbronn. 30 Polizisten gedachten gestern still ihrer Kollegin Michèle Kiesewetter, die am 25. April 2007 erschossen worden ist. Ihr Partner Martin A. hatte schwerst verletzt überlebt. Das Duo von der Bereitschaftspolizei Böblingen war für die Aktion "Sichere City" im Einsatz. Als die Schüsse gegen 14 Uhr abgegeben wurden, pausierten die Beamten in ihrem Streifenwagen.

"Dieses Datum ist für viele Kollegen in schlimmer Erinnerung", sagt Harald Schumacher, Sprecher des Polizeipräsidiums, "der 25. April 2007 ist ein Tag, der auf lange Zeit nicht vergessen wird." Zwei Beamte stellten an der Gedenkstätte am Rande der Theresienwiese eine Blumenschale mit Nelken, Margeriten und Wassernelken ab.

Die noch immer nicht lückenlos aufgeklärte Tat hat nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft die rechtsextremistische Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) begangen. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht München hatte das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe in einer schriftlichen Erklärung gestanden, ihre Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten auf die Polizisten geschossen, um deren Waffen zu erbeuten. Die Dienstpistolen waren in den Überresten der NSU-Hinterlassenschaften entdeckt worden. Auch die Tatwaffen konnten sichergestellt werden. Die mutmaßlichen Mörder sollen sich nach einem Banküberfall in einem Wohnmobil selbst getötet haben.

Unklar ist weiterhin, ob die Mörder aus Thüringen in Heilbronn Unterstützer hatten. "Wir sind sehr interessiert, dass eines der grausamsten Verbrechen aufgeklärt wird, denn dadurch können Einsatzmaßnahmen hinterfragt und weiterentwickelt werden", sagte der Heilbronner Revierleiter Thomas Nürnberger der SÜDWEST PRESSE, "je mehr Informationen zu Tage treten, desto besser." Die Aussage Zschäpes wollte er nicht bewerten, allerdings sieht er die Angabe im Prozess als "plausible Möglichkeit" an. Über eventuelle Hintermänner in der Stadt wollte sich der Polizist nicht äußern.

Der NSU soll mit dem Anschlag in Heilbronn eine beispiellose Mordserie in Deutschland abgeschlossen haben, bei der ab 11. September 2000 in sieben Städten zehn Menschen getötet worden sind. Michèle Kiesewetter (22) war die einzige Deutsche und einzige Frau neben neun türkisch- und griechischstämmigen Männern.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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