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Möglichst gerade gehen

Dieter Schmidt (SPD) bekam das Bundesverdienstkreuz

Mit großem Sachverstand, Engagement und Leidenschaft habe er 38 Jahre die Kommunalpolitik in Mössingen geprägt, würdigte OB Werner Fifka den 75-Jährigen – „egal welcher Bürgermeister unter ihm gedient hat“. Und heftete Dieter Schmidt das Bundesverdienstkreuz ans Revers.

29.09.2010
  • Ernst Bauer

Mössingen. Montagabend im voll besetzten Bürgersaal des Mössinger Rathauses. Viele alte Mitstreiter/innen sind gekommen, Otto Belser, Dietlind Leins, Grünen-Rätin Anneliese Hoeckh, von Verwaltungsseite Günther Metelka und Hans Auer, Fifkas Vorgänger. „Dieser Tag ist uns geweiht“, singt seine Chorgemeinschaft. „Musica begleitet uns.“ Und am Ende ist Dieter Schmidt ganz gerührt.

„Dr. Dieter Wilhelm Richard Schmidt – ohne ihn kann man sich das kommunale Geschehen in unserer Stadt in den letzten vier Jahrzehnten gar nicht vorstellen“, hebt Fifka zu einer bemerkenswerten Laudatio an. Der Akademische Direktor i. R. attestiert ihm später, seine Sache gut gemacht zu haben: „Seine letzte größere Amtshandlung verleitet mich zu der Feststellung: Ein schöner Schluss ziert alles.“ Dass Fifka die SPD verließ und ihn als Solisten zurückließ vom Spitzenduo der Kreistagsliste, hat Schmidt ihm allerdings nie ganz verziehen: „Werner Fifka als Frontmann, ich hinter ihm, beide erfolgreich – ich hätte diese Kooperation gerne fortgesetzt!“

Schon vor einiger Zeit, erklärt Fifka, habe er das Bundesverdienstkreuz für Schmidt beantragt. „Ich freue mich, dass es noch in meiner Amtszeit geklappt hat.“ In der fünfseitigen Begründung des Innenministeriums heiße es dazu: Dieter Schmidt habe sich große Verdienste um die Stadt Mössingen erworben, nicht nur als Stadtrat von 1971 bis 2009, als Fraktionschef der SPD seit 1975, als einer der ehrenamtlichen Stellvertreter des Bürgermeisters seit 1999. Er habe auch durch sein großes ehrenamtliches Engagement in Vereinen und der Gewerkschaft GEW, als Dozent der Hans-Böckler-Stiftung und im Landespersonalrat Vorbildliches geleistet. Er sei Ideengeber über Jahre hinweg in vielen Bereichen gewesen; soziale Gerechtigkeit, Kinder und Familien, Bildung und Kultur seien ihm besondere Anliegen gewesen. Mit großer persönlicher Tatkraft habe sich Schmidt zum Wohle des Gemeinwesens eingesetzt.

Fifka fügt noch etliche persönliche Worte der Wertschätzung hinzu und bezeichnet seinen ehemaligen SPD-Genossen, wie schon einmal im Gemeinderat in einer Mischung aus Bewunderung und kritischer Distanz, als „obersten Führer des Mössinger Wächterrats“ gegenüber der Verwaltung. Nein, erklärt Fifka am Schluss seiner Rede, es sei nicht immer vergnügungssteuerpflichtig gewesen, Dr. Dieter Schmidt als Diskussionspartner zu haben. „Vielleicht hätten wir auch eine kleine Auszeichnung verdient“, merkt er mit Augenzwinkern an die Adresse seines Vorgängers Hans Auer an, „ein kleines Verwundetenabzeichen“. Schmidt sei sich im Gemeinderat vor allem in einem immer treu geblieben – „klare Kante zeigen bei allen drei Mössinger Stadtoberhäuptern“; in seinem ersten Zeitungsinterview als neugewählter Gemeinderat habe er 1972 schon die Notwendigkeit demokratischer Kontrolle der Verwaltung hervorgehoben.

Das Lob überwiegt aber in der Laudatio: Schmidt, so charakterisiert Fifka den streitbaren Stadt- und Kreisrat, sei immer auch Anwalt der kleinen Leute gewesen; mit Herzblut und rhetorisch überaus geschickt habe er sich in die Kommunalpolitik begeben; eine markante Persönlichkeit, prinzipientreu bis zur letzten Konsequenz. Seit seinem Ausscheiden habe er eine spürbare Lücke im Gemeinderat hinterlassen: „Er fehlt wirklich.“

Landrat: 75 und noch kein bisschen müde

Aber Schmidt ist ja noch immer im Kreistag. Dafür würdigt ihn Landrat Joachim Walter: „Sie geben Kindern und Jugendlichen im Kreistag eine Stimme!“ Und was für eine: „Wenn Dr. Dieter Schmidt seine Stimme erhebt, muss man als Vorsitzender wachsam sein“, getreu Tucholskys Motto: „Sprache ist eine Waffe, haltet sie scharf.“ Es sei beeindruckend, dass Schmidt mit 75, nach jahrzehntelangem kommunalpolitischem Engagement, noch die Geschäfte der SPD-Fraktion führe, noch „kein bisschen müde“ sei, sagt Walter.

Gelungene Integration eines Ruhrpottlers

Die SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid fragt rhetorisch: Was wäre der Kreistag ohne Dieter Schmidt? Sein Wort habe Gewicht. Wenn er rede, werde es ganz ruhig im Saal – „das schafft noch nicht einmal der Landrat!“ Schmidt habe in den letzten 40 Jahren auch die Mössinger SPD ganz entscheidend mitgeprägt – „es ist ja ein ganz besonderer Ortsverein, stolz auf das rote Mössingen“ –, habe sich gewerkschaftlich und an der Uni vorbildlich engagiert. Immer gut vorbereitet, streitbar, aber nie rechthaberisch, genieße er auch großen Respekt beim politischen Gegner. „Einer, der vieles weiß und anderen hilft“, so Haller-Haid. Ein Hochschullehrer, der nie abgehoben habe und, aus dem Ruhrpott kommend, heute im schwäbischen Gesangverein singe – „das nennt man gelungene Integration“.

Für den Freundeskreis der Bästenhardtschule, dessen Vorsitzender Dieter Schmidt seit der Gründung ist, schildert Astrid Jirasek, wie jener bis heute „mit Herzblut bei der Sache“, „Motor und Motivator“ sei. Für den Büchereiförderverein, den er ebenfalls mit aus der Taufe gehoben hat und seither leitet, sagt es OB-Gattin Andrea Fifka, zusammen mit Karla Schuchmann und Büchereileiterin Maria Bühler-Weinmann durch die Blume, was Dieter Schmidt alles auf die Beine gestellt hat, von den Vorlesestunden im Kinderhaus bis zu den Abendgeschichten auf der Kirchentreppe, den kulinarischen Reisen ins „Ofeloch“. Unermüdlich.

Schmidt dankt mit Brecht

„Das besondere Klima“ im Mössinger Gemeinderat hebt Dieter Schmidt in seiner Dankesrede hervor. Da gelte immer noch das Kölle’sche Motto: „Streiten darf man schon, aber Händel darf man keine kriegen.“

Er dankt vor allem auch seiner „fast vollständig anwesenden“ Familie: „Sie hat mich immer nach Kräften unterstützt.“

Mit dem Gedicht „Viele sehen es so“ von Bertold Brecht wünscht er als Germanist sich und den Versammelten: „Bemühen wir uns weiterhin, möglichst gerade zu gehen, die Hindernisse des Tages zu überwinden und die günstigen Gedanken ausfindig zu machen.“

Stehende Ovationen vor dem Gang zum Buffet.

Dieter Schmidt (SPD) bekam das Bundesverdienstkreuz
Hier überreicht Oberbürgermeister Werner Fifka (rechts) dem langjährigen Stadt- und Kreisrat Dieter Schmidt (links) zum Bundesverdienstkreuz auch noch die Urkunde. Es war zugleich eine der letzten Amtshandlungen Fifkas.Bild: Franke

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29.09.2010, 12:00 Uhr

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