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Zum Ort der Kindheit

Dietlinde Ellsässer stellt ihr Buch „Mach ja kein Theater“ in ihrer alten Heimat Hemmendorf vor

Nicht nur, aber auch vom Ort ihrer Kindheit erzählt Dietlinde Ellsässer am kommenden Sonntag in Hemmendorf, wo sie ihr Buch „Mach ja kein Theater“ vorstellt und damit vor allem an ihre Mutter Rita erinnern will.

12.12.2014
  • Frank Rumpel

Ich bin eine von dort, bin nicht fremd“, sagt Dietlinde Ellsässer auf die Frage, wie es denn sei, ihr Buch, das keine Autobiographie sein will und es dennoch auch ist, in Hemmendorf vorzustellen, wo sie aufwuchs. Freilich trat sie dort in den vergangenen Jahren immer wieder mit ihren Programmen auf, organisierte im vorigen Jahr das „Fleckenfieber“ mit fast allen Institutionen und Vereinen, aber von sich selbst zu erzählen, ist dennoch etwas anderes.

„Heimat ist Kindheit“, hat sie in ihrem Buch geschrieben und sagt: „Es gab eine Zusammengehörigkeit im Dorf, die mir Weite ermöglichte.“ Das meint sie durchaus wörtlich. Bis zum Waldrand hinaus reichte ihr Bewegungsradius damals. Die Gassen und Schleichwege von einst, auch die meisten Häuser gibt es noch. In etlichen ging sie als Kind ein und aus. Und doch ist das Dorf heute ein anderes. „Das Daheim der Kindheit gibt es nicht mehr“, schreibt sie, aber: „Es gibt einen Weg dahin und einen Weg wieder heraus.“ Einen davon hat sie in ihrem Buch beschritten, in dem die Erinnerungen zunächst wild durcheinander purzelten. Ihre Lektorin Karin Kontny habe das geordnet. „Sie hat aus dieser Textfläche Äcker gemacht.“

Als Jugendliche veränderte sich der Blick aufs 600-Seelen-Dorf, denn für Heranwachsende gab’s dort nicht viel zu tun. Also zogen Dietlinde Ellsässer und ihre Freundinnen samstags die Plateauschuhe an. In den 1960ern war das. Da machten sie sich auf den Weg nach Dettingen oder gar ins evangelische Bodelshausen – denn dort gab es Musikboxen. Anstrengend sei der Weg in diesen Schuhen gewesen, erzählt die 59-jährige, „aber man wollte eben zur Welt gehören“.

Eintauchen in die Erinnerung

Mit 17 dann ging sie weg aus Hemmendorf, machte ein einjähriges Praktikum in einem Stuttgarter Haushalt, eine harte Zeit und dennoch ist für sie im Nachhinein auch dieses Verlassen der Heimat ein wichtiger Schritt. „Ich liebe das Dorf vielleicht mehr, als mancher, der geblieben ist“, sagt Ellsässer. Sie komme gern nach Hemmendorf, obwohl es dort kein Elternhaus mehr gebe. Schließlich kenne sie noch viele, wisse, dass sie willkommen sei und auch mal Gsälz oder Bohnen zugesteckt bekomme.

Entsprechend liebevoll ist das Bild, das sie von Hemmendorf zeichnet. „Wenn wir uns selber aufsuchen, in unserer Geschichte“, schreibt sie, „dann wird da auch was zusammenkonstruiert“. Sie ist sich dessen bewusst, sagt aber: „Man sollte an den Dingen wachsen, die gut sind, nicht an dem, was einen bremst.“ Schließlich gelte es, aus dem, was man mitbekommen hat, etwas zu machen. „Bei mir war es halt das Theatralische“, sagt sie, um schon im nächsten Gedanken nochmals kurz einzutauchen ins Damals. Die Hemmendorfer Pfarrbücherei habe für sie eine wichtige Rolle gespielt, weil es dort zu lesen gab, was sie daheim nicht fand. „Wir hatten nur eine Kinderbibel.“ Und schon ist da das nächste Bild, wie sie bei ihrer Tante in der Stube sitzt und die sich erinnert, dass anstelle der Stube früher der Stall stand. Mit ihrer Freundin habe sie dagesessen und ihr beim Melken zugeschaut, erinnerte sich die Tante. „Und sie sang dabei ’Ein Schiff wird kommen‘“, fällt Ellsässer in diesem Moment wieder ein. Das schätzt sie. „Man hat sich gegenseitig gesehen.“ Und kann davon erzählen.

Die wichtigsten Erinnerungen aber sind mit ihrer Mutter Rita verknüpft. Für sie, die im Mai vorigen Jahres starb, habe sie auch das Buch geschrieben, sagt Dietlinde Ellsässer. Und an sie wolle sie nun in Hemmendorf erinnern. Stets seien Gäste im Haus gewesen, vom Bürstenbinder bis zum Pflästerlesverkäufer. Alle hätten sie ein Stück Kranzbrot und eine Tasse Kaffee bekommen und die Mutter habe gelauscht, was sie von der Welt zu berichten hatten. Und das habe man freilich auch als Kind mitbekommen.

Tritt zusammen mit dem Kirchenchor auf

Dabei sei ihre Mutter mehr im Flecken daheim gewesen, als in der Stube. Eine Klatschbase aber, oder wie Ellsässer sagt, eine „Ratschkachel“ sei sie nicht gewesen. „Was sie gedacht hat, hat sie geraderaus gesagt.“ Einen starken Willen habe ihre Mutter gehabt, „und an dem musste man wachsen“. Das sei oft schwer gewesen, sagt Ellsässer, dennoch habe sie sich an deren Art reiben und so ihren eigenen Willen finden können.

Eingeladen wurde Dietlinde Ellsässer nun vom Kirchenchor, in dem heute noch mancher ist, der schon dabei war, als sie dort Anfang der 1970er Jahre zusammen mit Mutter und Schwester sang. „Das finde ich toll“, sagt sie. Und auch der Veranstaltungsort birgt eine ganze Reihe Erinnerungen. Im Gemeindesaal war sie schon im Kindergarten, spielte bei den Schulaufführungen mit, sah dort mit „Ben Hur“ ihren ersten Kinofilm, der Vater stand zu seinem 60. ganz allein auf der Bühne und sang ein Lied.

info Am kommenden Sonntag, 14. Dezember, stellt Dietlinde Ellsässer ihr Buch „Mach ja kein Theater“ ab 14.30 Uhr im Gemeindesaal Hemmendorf vor. Dazu singt der Kirchenchor. Der Eintritt kostet 5 Euro. Es gibt Kaffee und Kuchen.

Dietlinde Ellsässer stellt ihr Buch „Mach ja kein Theater“ in ihrer alten Heimat Hemmendorf vor
Dietlinde Elsässer erinnert sich gern an ihre Kindheit in Hemmendorf.Bild: Metz

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12.12.2014, 12:00 Uhr

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