Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Die FDP setzt auf Politik-Erfahrung

Dietmar Schöning als Landtagskandidat nominiert / Stefanie Assmann ist Ersatzkandidatin

Die Tübinger FDP zieht wie zuletzt im Jahr 2006 mit Dietmar Schöning als Kandidat in den Landtagswahlkampf. Der 66-Jährige setzte sich am Mittwoch im „Casino“ klar gegen den Kreisvorsitzenden Sascha Schmidt durch. Stefanie Assmann wurde Zweitkandidatin.

16.07.2015
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Dietmar Schöning, parlamentarischer Berater im Landtag, war von 1992 bis 1996 schon einmal Abgeordneter. Der Stadt- und Kreisrat erhielt 21 Stimmen. Auf den 44-jährigen studierten Archäologen und Unternehmensberater Sascha Schmidt entfielen fünf Stimmen. Stefanie Assmann blieb als Zweitkandidatin ohne Konkurrenz und bekam 27 Stimmen. Die 58-jährige Rechtsanwältin kommt aus Frankfurt, lebt aber schon lang in Tübingen. Sie arbeitet als Redakteurin und Lektorin in einem juristischen Fachverlag in Stuttgart. Sie ist erst seit einem halben Jahr Mitglied der FDP, aber schon seit zehn Jahren im Landesvorstand der Liberalen Juristen.

Seit den Wahlen in Hamburg und Bremen sieht sich die FDP im Aufwind. „In aller Bescheidenheit – aus einer schwierigsten Situation heraus sind wir jetzt in einer aussichtsreichen“, sagte der Bezirksvorsitzende und frühere Bundestagsabgeordnete Pascal Kober in seinem Grußwort:

Das sieht auch Dietmar Schöning so. Für die Tübinger FDP ist es stets schwierig, ein Landtagsmandat zu erringen. Die Sitze im Parlament werden innerhalb des Regierungsbezirks verteilt. Da ist neben Reutlingen meist ein anderer Wahlkreis stärker. Dennoch sieht Schöning Chancen, nicht nur ein gutes Prozentergebnis, sondern auch einen Sitz im Landtag zu erringen.

Die Unterstützung seines Kreisverbands ist ihm gewiss. „Wir werden nicht mit einer Einzelleistung gewinnen, sondern nur mit einer hervorragenden Mannschaftsleistung“, stellte Sascha Schmidt klar. Sich selbst empfahl er als Mann mit 17 Jahren Berufserfahrung: „Ich habe richtig gearbeitet, als Schüler auf dem Bau und später oft mit Zeitverträgen.“ Als Vater zweier Kinder, Elternvertreter und Jugendtrainer im Geräteturnen könne er „einen Erfahrungsschatz aus dem echten Leben mitbringen“.

Schöning betonte hingegen seine politischen Kenntnisse. Er versuche seit Jahrzehnten, liberale Prinzipien auch auf kommunaler Ebene zu vertreten – das könnten seine Mitstreiter bezeugen: „Ich bringe ein gerüttelt Maß an Kompetenz und Erfahrung mit, aber auch an Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.“

Die FDP könne bei der Wahl punkten, wenn sie die richtigen Themen finde. Die Bildungspolitik sei landespolitisch die Hauptsache. Sie dürfe nicht ideologisch geprägt sein, sondern müsse gemeinsam mit Eltern und Schülern entwickelt werden. Die FDP wolle die Gemeinschaftsschule im Fall einer Regierungsbeteiligung nicht rückabwickeln, stellte Schöning klar. Sie sei aber „skeptisch gegenüber den Verheißungen einer Einheitsschule“. Die Partei sehe sie „nicht als Leitbild, in dem alle anderen Schulen aufgehen sollen“. Sie wolle die gymnasiale Oberstufe auf jeden Fall verteidigen.

Der Staat müsse mit seinen Einnahmen auskommen und gleichzeitig in die Infrastruktur investieren, forderte Schöning. Es müssten wieder nachlaufende Studiengebühren eingeführt werden. „Im Moment werden die letzten Erfolge von Justizminister Ulrich Goll rückabgewickelt“, ärgert er sich, dass Grün-Rot die Privatisierung der Bewährungshilfe rückgängig macht. Die Wohnbauförderung müsse zielgerichteter werden. Polizei und Verfassungschutz bräuchten die nötige technische Ausstattung, aber keine neuen Gesetze, spielte Schöning auf die Vorratsdatenspeicherung an. Der FDP sei es in der schwarz-gelben Koalition in Berlin gelungen, sie zu verhindern, Jetzt gebe die SPD klein bei.

Ganz und gar nicht zufrieden ist Schöning mit der Flüchtlingspolitik: Baden-Württemberg brauche wesentlich mehr Erstaufnahmeplätze. Wenn jetzt in Tübingen eine Behelfs-LEA geplant werde, sei das „nichts Gescheites“, sagte der Wahlschwabe, der ursprünglich aus Kiel stammt. „Es geht darum, die grün-rote Landesregierung Geschichte sein zu lassen“, gab der Kandidat als Wahlziel aus. Über das, was danach komme, dürfe die FDP nicht spekulieren: „Wir müssen am besten so gut sein, dass niemand an uns vorbei kommt.“

Die anschließende Kandidatenbefragung verlief rege. Es ging um erneuerbare Energien und Pflegeplätze, um die Forschung in Unternehmen und Gründerförderung. Und es ging um den Verkehr. Schöning bekannte sich einmal mehr zur Regio-Stadtbahn. Er verteidigte den Beschluss des Gemeinderats untersuchen zu lassen, ob es möglich ist, dass sie die Neckarbrücke und das Altklinikum passiert. Sollte das Projekt nicht an solchen „K.o.-Kriterien“ scheitern, müssten die Bürgerinnen und Bürger befragt werden. „Der Tübinger sieht seine Stadt als kleine Stadt und kann sich nicht vorstellen, dass die Stadtbahn über die Neckarbrücke fährt“, begründete Schöning, weshalb er einen ähnlich großen Erfolg einer Regiobahn wie in anderen Städten in Tübingen keinesfalls für selbstverständlich hält.

Bemerkenswert optimistisch zeigte sich Schöning, was die B 28 angeht. Ihr Ausbau werde nächstes Jahr beginnen, sagte er voraus. Wenn Rottenburg noch Änderungen wolle, müsse die Stadt sie selbst finanzieren – andernfalls werde das Projekt verwirklicht wie planfestgestellt.

Weniger gut sehe es mit der B 27 aus. Das Regierungspräsidium habe es bisher nicht geschafft, die Planfeststellung für die Ortsumgehung Ofterdingen und den Schindhaubasistunnel abzuschließen. Das Vorhaben werde sicher auch im neuen Bundesverkehrswegeplan mit höchster Priorität verzeichnet sein, die Finanzierung der nötigen 400 Millionen Euro aber noch lange auf sich warten lassen.

Dietmar Schöning als Landtagskandidat nominiert / Stefanie Assmann ist Ersatzkandidatin
Sie wollen den Wahlkampf gemeinsam stemmen: Landtagskandidat Dietmar Schöning (rechts), Zweitkandidatin Stefanie Assmann und der FDP-Kreisvorsitzende Sascha Schmidt. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball