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Direktweg in die Boomgebiete
Auf der Panoramastrecke fährt die Gäubahn vom Hauptbahnhof im großen Bogen durch Stuttgart-Nord in Richtung Vaihingen. Anwohner hatten gehofft, dass die Strecke nach Ferigstellung von S?21 stillgelegt wird. Doch Bedarf besteht weiterhin. Foto: Manfred Grohe
Nahverkehr

Direktweg in die Boomgebiete

Möglichst viele Autofahrer sollen in ohnehin überlastete S-Bahnen umsteigen. Die Panoramstrecke könnte das Stuttgarter Zentrum entlasten.

15.03.2018
  • DANIEL GRUPP

Stuttgart. Weniger Stau, Lärm und Abgase erhoffen sich Verkehrsplaner, wenn mehr Menschen in der Region Stuttgart in Busse-, Regional-, S- und Stadtbahnen umsteigen würden. Die drohenden Fahrverbote werden die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen. Welche Herausforderung an den ÖPNV stelle das Ziel, 20 Prozent weniger Autos in der Stadt zu haben, fragte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) jüngst im S-21-Ausschuss des Gemeinderats. Denn das ÖPNV-System stößt vor allem morgens zur Hauptverkehrszeit an seine Grenzen: Die Stammstrecke der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße ist ein störanfälliger Flaschenhals, manche Bahnhöfe für S- und Stadtbahnen sind zu kurz für längere Züge, und Busse stecken mangels eigener Fahrspuren oft im Stau.

Die Verkehrsplaner von Stadt, Region und Land suchen nach Auswegen; es werden technische Verbesserungen wie die Einführung des ETCS (European Train Control System) für die S-Bahn diskutiert. Diese Technik soll eine höhere Zugdichte erlauben. „Es scheint möglich zu sein. Auch für die S-Bahnen“, informierte Jürgen Wurmthaler, Verkehrsplaner der Region Stuttgart, den Stuttgarter S-21-Ausschuss.

Verlagerung der Verkehrsströme

Ein anderer Ansatz ist die zeitliche oder räumliche Verlagerung der Verkehrsströme. Die etwa 3,5 Millionen Menschen, die im Einzugsbereich von Stuttgart wohnen, erzeugen den größten Teil des täglichen Verkehrs, sagte Regionalpräsident Thomas Bopp. Dabei möchten viele Fahrgäste des ÖPNV nicht unbedingt ins Stuttgarter Zentrum, werden aber durch die Innenstadt transportiert, weil sich dort alle Linien bündeln. „Tangentiallinien werden zunehmend interessant“, meinte Bopp. Solche Linien könnten die größeren Mittelstädte der Region direkt verbinden. Bahnhöfe an der Stuttgarter Peripherie wie Feuerbach, Vaihingen und Bad Cannstatt erhielten wichtige Funktionen. Für eine solche Tangente könnte die Panoramabahn künftig eine Rolle spielen. Diese Strecke verbindet bisher den Hauptbahnhof mit der Gäubahn, auf der auch der Intercity nach Zürich fährt.

Die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen gehören zu den am stärksten boomenden Kreisen in Deutschland, erklärte Regionalpräsident Bopp. Weil ein hoher Personenverkehr zwischen den Kreisen angenommen wird, könnte eine Tangentiallinie zwischen Böblingen, Stuttgart-Vaihingen und dem Nordbahnhof nach Ludwigsburg führen. Auch eine Verbindung, die aus Böblingen über den Nordbahnhof nach Bad Cannstatt und in Richtung Waiblingen oder Plochingen führt, wäre denkbar. Eine dritte Variante wäre die Fortsetzung der Panoramabahn über den Feuerbacher Bahnhof in Richtung Leonberg.

Millionen für neue Infrastruktur

Verkehrsdirektor Wurmthaler hat die Varianten untersucht. Mehrstellige Millionensummen müssten in Gleise, Weichen und Bahnsteige investiert werden, um die Züge der Panoramabahn ins vorhandene S-Bahn- oder Fernbahnnetz einzuflechten. Die Verknüpfung müsste im Umfeld des Nordbahnhofs hergestellt werden. Wobei Wurmthaler die Weiterführung der Strecke in Richtung Bad Cannstatt für besonders aufwändig hält. Die Anbindung der Gäubahn in Richtung Feuerbacher Bahnhof nannte er hingegen eine „interessante Kombination“.

„Wir wollen die Panoramastrecke erhalten“, stellte OB Kuhn fest. Die Stadt wolle aber wissen, welche Nutzung möglich ist, bevor Geld in die Instandhaltung gesteckt wird. Auch Bopp sprach sich für eine Nachnutzung aus, wobei er nicht zusicherte, dass die Region als Trägerin der S-Bahn tatsächlich eine von Wurmthalers Ideen umsetzen wird. Somit blieb als möglicher Zugbesteller das Land. Gerd Hickmann vom Verkehrsministerium sprach von einem „überlasteten Zulauf“ im Norden: „Alles kommt in Zuffenhausen zusammen.“ Dieser Engpass werde durch S 21 nicht beseitigt. Aus seiner Sicht könnte der künftige Metropolexpress aus Horb auf der Panoramabahn bis zum Nordbahnhof fahren. „Wir werden Züge bestellen.“ Weil der Bedarf da ist, sieht er gute Chancen für die Realisierung. Eine zeitliche Variante des Kapazitätsausbaus sprach Bopp an: „Die billigste Erweiterung ist, die Leute nach 8.30 Uhr in die Bahnen zu bringen.“ Er meinte damit einen späteren Schul- und Arbeitsbeginn.

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15.03.2018, 06:00 Uhr

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