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Fünf vor Zwölf geht die Musik aus

Disco-Betreiber fürchten wegen Gema um ihre Existenz

Dirk Bamberger fühlt sich wie David im Kampf gegen Goliath. Die Verwertungsgesellschaft Gema will ihre Tarife verändern. Das hat Folgen für Discos wie Dorffeste.

29.06.2012
  • Ute Kaiser

Tübingen. Die Auswirkungen der neuen Tarifstruktur lassen sich im Fall der Tübinger Disco „Top 10“ und vier weiterer Tanzlokale, die Bamberger in Baden-Württemberg betreibt, beziffern. Statt wie bisher 93 000 Euro im Jahr müsste der Unternehmer vom Januar 2013 an rund 540 000 Euro jährlich zahlen: „Ich weiß nicht, wie das gehen soll.“

Rund 400 Discotheken bundesweit wollen sich am morgigen Samstag gegen die Gebührenerhöhung wehren. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beziffert sie auf bis zu 1200 Prozent. Um 23.55 Uhr wird für fünf Minuten die Musik abgeschaltet. Ein Trailer informiert die Gäste, worum es beim Konflikt geht.

Bei ihrem Publikum haben die Disco-Betreiber bundesweit schon knapp 200 000 Unterstützer-Unterschriften gesammelt. In gut drei Monaten wollen sie es auf eine Million bringen. Viele Betriebe, sagt Bamberger, „werden vor dem Ruin stehen“. Doch dem Mann, der im Präsidium des Bundesverbands für Discothekenunternehmer (BDT) im Dehoga sitzt, geht es auch um die Interessen der anderen Betroffenen.

Die Liste ist lang. Die Tarifumstellung der Gema werden auch die Veranstalter von Dorf- und Straßenfesten, Tanzschul-Bällen, die Betreiber von Musikkneipen und Clubs zu spüren bekommen. Bamberger fürchtet, dass „die Veranstaltungskultur verarmt“.

Zum Protest-Schritt an die Öffentlichkeit haben sich der Disco-Chef und sein Eventmanager Tobias Karrer entschieden, weil die Gespräche, die das BDT-Präsidium im Mai mit Vertretern der Verwertungsgesellschaft führte, keine Annäherung brachten. Sie seien mit ihren Argumenten „auf Granit gestoßen“.

Der Popakademie-Student Tobias Karrer müsste als Musiker (Lingua Loca) eigentlich hinter der Gema stehen, die ihren Mitgliedern Geld ausschüttet. Doch auch Indie-Bands und -Musiker gehen auf die Barrikaden. Vom Verteilerschlüssel profitieren vor allem diejenigen, die in den Hitparaden vertreten sind und ohnehin schon gut verdienen. Durch die Änderungen, ärgert sich der Musiker und Betreiber eines kleinen Musikmanagement-Unternehmens, wird das ohnehin undurchsichtige Gebaren „des Monopolisten Gema alles andere als einfacher“.

„Da muss sich die Politik einschalten“, fordert Bamberger. Denn statt drei Euro künftig 15 fürs Bier zu kassieren, sei den Gästen nicht zuzumuten. Und den Eintritt teurer zu machen, würde nichts helfen. Denn diese Einnahmen zieht die Gema nach dem neuen Modell auch heran. Sie begründet ihre Reform unter anderem damit, dass die Gebührenstruktur vereinfacht würde. Statt der bisher elf soll es in Zukunft zwei Tarife geben. Bilder: Metz

Mehr auf www.disco-retter.de

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Tobias Karrer

Disco-Betreiber fürchten wegen Gema um ihre Existenz
Dirk Bamberger

Das „Top 10“ lud im September vergangenen Jahres Behinderte zum Begegnungstag, in Kooperation mit der Caritas und der Lebenshilfe. Das Pilotprojekt lief in Dirk Bambergers Disco in Singen. Diese Aktion hat dem Disco-Betreiber den Mittelstandspreis für Unternehmen eingebracht, die sich sozial engagieren. Er kam in der Kategorie der Betriebe mit 20 bis 150 Beschäftigten unter die letzten fünf von 215 Bewerbern. Wirtschaftsminister Nils Schmid überreichte am Dienstag im Stuttgarter Neuen Schloss die Urkunde. Dank eines Aufzugs und Rampen ist das „Top 10“ inzwischen barrierefrei. Auch in diesem Jahr soll es wieder einen Begegnungstag geben – im September oder Oktober.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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