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Vereinbar mit der Demokratie

Diskussion über die Bedeutung der Religion im säkularen Staat

Bei einem Symposium mit Vertretern des Christentums, Judentums und des Islams wurde die Rolle von Religionen in der Demokratie diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, radikale Strömungen abzulehnen. Doch manche Fragen blieben offen.

05.12.2014
  • PHILIPP KOEBNIK

Tübingen. „Ist Demokratie und Religion mit dem Alltag vereinbar?“ Diese Frage beschäftigte die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am Mittwochnachmittag in der Neuen Aula. Es war der Höhepunkt des dritten Abrahamitischen Symposiums, das von der Gesellschaft für Dialog (GfD) Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weltethos veranstaltet wurde. Vor dem Hintergrund ihrer gemeinsamen Wurzeln – Judentum, Christentum und Islam betrachten Abraham als ihren Stammvater – sollte das Verhältnis der drei Religionen zur Demokratie erörtert werden.

Die Arbeit der GfD sei inspiriert durch die Werte und Ziele von Hizmet – besser bekannt als Fethullah Gülen-Bewegung –, sagte Burak Alpertonga, Geschäftsführer der GfD. Die Bewegung des türkischen Imams, die in der Bundesrepublik mehr als 300 Nachhilfezentren und Schulen betreibt, steht immer wieder in der Kritik. So berichteten Aussteiger Medien zufolge von sektenähnlichen Strukturen, strengen Hierarchien und Praktiken, die an Gehirnwäsche erinnern. Laut Verfassungsschutz verfolgt die Bewegung einen türkischen Nationalismus in „seriösem Gewand“ mit „islamistischen Komponenten“.

Die Moderatorin der Runde, die katholische Theologin Dr. Monica Herghelegiu, fragte zunächst nach dem Verhältnis von Demokratie und Religion. Klaus Pflieger, ehemaliger württembergischer Generalstaatsanwalt, begrüßte es, dass sich die staatliche Regulierung bestimmter Lebensbereiche in den letzten Jahrzehnten von religiösen Vorstellungen gelöst hat. So seien etwa Ehebruch oder Homosexualität heutzutage glücklicherweise nicht mehr strafbar.

Laut Daniel Lede Abal, dem Tübinger Landtagsabgeordneten der Grünen und integrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion, verstehen die Menschen heutzutage unter Demokratie viel mehr als früher. Sie beanspruchten, mitgestalten zu können, statt sich nur in den Parlamenten vertreten zu lassen. Jörg Vins, Abteilungsleiter der Redaktion Religion, Kirche und Gesellschaft des SWR, verwies darauf, dass Demokratie und Religion wesentlich verschieden seien. In der Demokratie gehe es darum, Mehrheiten zu gewinnen. Der Absolutheitsanspruch von Religionen lege demgegenüber den Grundstein für Konflikte.

Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung, sagte, dass sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Islam und Demokratie nicht stelle – die Muslime seien heute ein Teil der Gesellschaft. Auch Karakoyuns Stiftung gehört zur Gülen-Bewegung. Deshalb fragte ihn die Moderatorin, ob deren Engagement zur Entstehung von Parallelstrukturen beitrage. Karakoyun verneinte dies. Man sei aktiv im interreligiösen Dialog und werbe für eine „zeitgemäße Interpretation des Islams.“ Außerdem wolle man Kindern beibringen, „wie toll unser Grundgesetz ist.“

Einhellig wandten sich die Redner gegen Radikalismus und Fundamentalismus. Kritische Fragen zur Gülen-Bewegung kamen allerdings weder aus dem Publikum noch von Teilnehmern des Podiums.

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05.12.2014, 12:00 Uhr

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