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Von Palmer „tief enttäuscht“

Distanzierungen und Kritik nach der Pro-Israel-Demo in Tübingen

600 demonstrierten am Donnerstag auf dem Tübinger Marktplatz gegen Antisemitismus und für Israel – auch OB Palmer und Landrat Walter. Doch nun gibt es Vorwürfe gegen die Veranstalter von der TOS.

01.08.2014
  • Volker Rekittke

Tübingen. Als Michael Kuckenburg gestern den Bericht im TAGBLATT las, staunte er nicht schlecht: Der Förderverein für jüdische Kultur in Tübingen, in dem er Mitglied ist, wurde als Unterstützer des Aufrufs „Nie wieder Antisemitismus und Judenhass! Solidarität mit Israel“ genannt. So stand es auch auf der Internetseite der TOS-Initiative „Marsch des Lebens“, die hinter dem Bündnis „Solidarität mit Israel“ steht.

Daraufhin meldete sich der Vorsitzende des Fördervereins, Harald Schwaderer, zu Wort. Er selbst und Bruno Gebhart-Pietzsch seien keinesfalls als Vereinsvorstand dem Aktionsbündnis beigetreten: „Wir haben lediglich als Einzelpersonen den Aufruf zur Demonstration ,Nie wieder Antisemitismus und Judenhass!‘ unterschrieben.“ Schwaderer betont: „Die Koppelung ,Gegen Antisemitismus – für Israel‘ halten wir in der gegenwärtigen Situation für unangebracht.“ Wer gegen verbale und tätliche Angriffe auf jüdische Mitbürger/innen sei, müsse nicht einverstanden sein „mit den derzeitigen brutalen israelischen Bombenangriffen auf zivile Objekte und palästinensische Zivilisten im Gazastreifen“.

Auch der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal findet sich unter den Unterstützern. Er sei von den Veranstaltern wegen eines Redebeitrags angesprochen worden, sagte Lede Abal gestern auf Nachfrage. Allerdings habe er am Donnerstagnachmittag keine Zeit gehabt. Den Aufruf gegen Antisemitismus unterstützt der Abgeordnete. Und wie steht’s mit der Solidarität mit Israel nach mittlerweile 1400 Bombentoten, darunter hunderte Kinder, in Gaza? Er unterstütze „das Existenzrecht Israels genauso wie das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat“, sagt Lede Abal.

Distanzierungen und Kritik nach der Pro-Israel-Demo in Tübingen
Der Demozug gegen Antisemitismus und für Israel sammelte sich am Donnerstagnachmittag am Tübinger Synagogenplatz. Dort wurden auch massenhaft blaue und weiße Luftballons, die Nationalfarben Israels, verteilt. Bild: Sommer

In einem offenen Brief an Boris Palmer kritisierten unter anderem die Arabische Gemeinde sowie der Verein Arabischer Studenten und Akademiker in Tübingen die Rede des grünen Oberbürgermeisters auf der Kundgebung am Donnerstag: „Sie haben uns tief enttäuscht und – als Menschen und viele als gebürtige Palästinenser – sogar persönlich verletzt, als Sie in dem Moment geschwiegen haben, in dem Sie nie hätten schweigen dürfen. Wir finden es wichtig, dass Sie Antisemitismus und Judenhass mit klaren Worten verurteilen und bedauern es sehr, dass gerade Sie an dieser Stelle Rassismus, brutale Bombardierungen, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen [durch Israel] stillschweigend hinnehmen.“

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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