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Apotheken

DocMorris plant nächsten Angriff

Der Versandhandel mit Medikamenten sorgt auch zehn Jahre nach dem Markteintritt des Pioniers aus den Niederlanden für Ärger in der Branche.

07.01.2017
  • DPA

Hüffenhardt. Für den Bürgermeister der nordbadischen Gemeinde Hüffenhardt ist es ein Segen. 30 Jahre lang habe es eine Apotheke am Ort geben, sagt Walter Neff. Als der Inhaber vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, fand sich kein Nachfolger. „Dann kam DocMorris.“ Der Versandhändler will in der 2000-Seelen-Gemeinde gut 20 Kilometer nordwestlich von Heilbronn seine erste Automatenapotheke mit Videoberatung installieren. Online bestellte Arzneimittel sollen dorthin bestellt werden können. Kein Apotheker, sondern ein Manager soll sie den Kunden übergeben. Klingt nach einem guten Plan? Außerhalb der Gemeinde regt sich angesichts der für Januar geplanten Eröffnung Skepsis.

Bei der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg sieht man die Einrichtung nicht nur rechtlich kritisch. Von Rosinenpickerei ist die Rede, denn der Automat, bei dem nur bestellte Medikamente abgeholt werden können, leiste keine Nacht- und Feiertagsdienste. „Sie entziehen sich den Gemeinwohlpflichten“, sagt ein Sprecher. Die Versorgung der Gemeinde sei längst geregelt. Es gebe eine Rezeptsammelstelle einer Apotheke in der Umgebung, die die Arzneimittel auch nach Hause liefere. Bürgermeister Neff wendet ein, dort fehle die Beratung, für die DocMorris Apotheker per Video zuschaltet.

Beim Regierungspräsidium Karlsruhe ist man noch zurückhaltend. Bis vor Weihnachten sei kein Antrag auf Betriebserlaubnis eingegangen. Es sei noch zu prüfen, ob das bei dem Konzept notwendig sei. Wenn dort – wie geplant – Arzneimittel gelagert würden, müsse es eine Anzeige nach dem Arzneimittelgesetz geben. Darüber hinaus gebe es Beratungs- und Dokumentationspflichten, die eingehalten werden müssten.

Lizenzen laufen aus

Klar ist: Mit dem Plan bekommt der Jahre währende Streit um DocMorris und den Apothekenversandhandel neue Nahrung – und die Gerichte wieder Arbeit. 2003 erlaubte der Europäische Gerichtshof den grenzüberschreitenden Arzneimittelversand. Genau zehn Jahre ist es her, dass der damals noch niederländische Versandhändler seine erste Filiale in Saarbrücken eröffnete. Zwei Jahre und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) später wurde die Filiale zunächst geschlossen. Denn in Deutschland sind wegen des „Fremdbesitzverbots“ Apothekenketten von Unternehmen untersagt. Nur Pharmazeuten mit Kammerzulassung dürfen Apotheken und bis zu drei Filialen betreiben. DocMorris, zu dem Zeitpunkt Tochter des Pharmahändlers Celesio, fand dennoch einen Weg, die Filiale wieder zu öffnen. Die angestellte Apothekerin übernahm den Laden und benutzte DocMorris lediglich als Marke. Noch heute gibt es DocMorris-Apotheken, die den Markennamen nutzen. Sie verschwinden allerdings nach und nach, weil die Lizenzen nur für einige Jahre gewährt wurden.

Den Pharmahändler Celesio kostete der Ausflug in den Direktvertrieb zeitweise 30 Prozent seiner Kunden. 2012 verkauften die Stuttgarter DocMorris auch auf Druck der Apotheker an die Schweizer „Zur Rose“-Gruppe. Doch der Streit um den Versandhandel in Deutschland war damit nicht vorbei.

Erst im Oktober entschied der EuGH erneut und erlaubte Versandhändlern Gutschriften für eingereichte Rezepte. Bislang waren Rabatte für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland verboten. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kündigte postwendend an, Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten komplett zu verbieten. Ein solches Verbot würde nicht nur die Automaten-Apotheke von DocMorris in Hüffenhardt unmöglich machen. Von den gut 20 000 Apotheken in Deutschland haben knapp 3000 eine zusätzliche Versandhandelserlaubnis.

Rechtsexperten geben dem Gesetz wenig Erfolgschancen: „Der EuGH würde das wieder kippen“, meint Ivo Bach von der Universität Göttingen. Es sei sehr schwer nachzuweisen, dass die Versorgung in der Fläche dadurch leide. Das ist das Argument der Apotheker. Durch den Versandhandel aus dem Ausland, werde Apotheken in entlegenen Gebieten die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb entzogen. dpa

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07.01.2017, 06:00 Uhr

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