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Riehl macht beim Reutlinger Kammermusikzyklus weiter

Doch kein französischer Abschied

Der Eklat um den künstlerischen Leiter des Kammermusikzyklus, Jean Paul Riehl, 69, endete als Posse – und mit zwei guten Nachrichten: Riehl macht weiter und wird in seiner Abschlusssaison 2014 den Stargeiger David Garrett nach Reutlingen holen.

01.08.2012
  • Moritz Siebert

Reutlingen. Der Kammermusikzyklus ist in der Kulturstadt Reutlingen seit 37 Jahren eine Instanz: In acht Konzerten pro Jahr treten meist namhafte Interpreten auf, und die Besucherzahlen liegen im Schnitt bei 250 pro Konzert.

Der Zyklus hatte bisher eigentlich nur einen Haken: Reutlingen fehlt der passende Raum für Kammermusik. Der Spitalhof ist viel zu klein, die Listhalle, in der die Konzerte stattfinden, ist viel zu groß: Auch bei 300 Gästen bleiben immer viele Reihen leer. Der Saal ist zu weitläufig und für Kammermusik fehlt die optimale Akustik. Mit der Stadthalle ist dieses Problem vom kommendem Jahr an aus der Welt geschafft. Diese verfügt über einen kleinen, für Kammermusik prädestinierten Saal.

Alles also fein mit der Reutlinger Kammermusik, dachte man jedenfalls noch, als vor einem Monat das Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt wurde. Wenn nur nicht aus der Lösung des einen ein neues Problem hervorgegangen wäre: Die Frage nämlich, wohin die Stadthalle mit ihrer überregionalen Ausstrahlung den Zyklus führen soll. Zwei unterschiedliche Meinungen waren da in Reutlingen aufeinandergetroffen. Jean-Paul Riehl, der den Zyklus seit 37 Jahren leitet, wünschte sich Meisterkonzerte mit Prominenz. Das Kulturamt, das für die Finanzen des Zyklus verantwortlich ist und die Honorarverhandlungen führt, hielt den Ball flach: „Jedes der Konzerte im Zyklus ist ein Meisterkonzert.“

Zwischen Riehl und Kulturamt ist es Ende letzter Woche schließlich zum Eklat gekommen. Riehl fühlte sich zu wenig über Zahlen informiert, warf dem Kulturamt „mangelnde Transparenz“ vor und beklagte sich über seinen hohen Kostenaufwand. (Riehl verzichtet seit 13 Jahren freiwillig auf sein Honorar, um in höhere Künstler-Gagen investieren zu können.) Kulturamtsleiter Werner Ströbele, der letzte Woche im Urlaub weilte, konnte er für ein Gespräch nicht erreichen, OB Barbara Bosch stand für ein solches nicht zur Verfügung, weshalb Riehl sich schließlich mit der Information an die Presse wandte, er trete auf der Stelle zurück. Eine Fehlmeldung, wie sich nun herausstellte. Riehl macht doch keinen „Französischen“.

Ströbele, der Anfang der Woche aus dem Urlaub zurückkehrte, gelang es, die Wogen zu glätten: „Die Geschichte ist etwas zu hoch gehängt worden“, sagte er auf einer eigens für den „Fall Riehl“ einberufenen Pressekonferenz, man hätte nun aber eine Einigung erzielt. Ursprünglich war es Riehls Plan gewesen, den Zyklus bis zu seiner 50. Auflage zu führen – also noch weitere zwölf Jahre. Er wäre dann über 80 und Ströbele längst nicht mehr im Amt. Ströbele unterbreitete Riehl nun den Vorschlag, er solle – wie vonseiten des Kulturamts ursprünglich geplant – noch die folgenden zwei Jahre den Zyklus leiten. Außerdem könne er ab sofort auch wieder sein Honorar erhalten, wenn er das wünsche. Riehl wünscht das.

Die Stadt stellt für den Reutlinger Kammermusikzyklus pro Jahr ein Budget von 52 000 Euro zur Verfügung (bis 2002 waren es 80000). Trotzdem steigen die Honorare der Künstler und somit „werden auch die Spielräume enger“, kommentiert Ströbele.

Ab nächster Saison werden der Reihe zusätzliche 40000 Euro für Meisterkonzerte bewilligt, was im November im Gemeinderat beschlossen wurde. Und die sind auch bereits investiert: Im Februar 2014 holt Riehl David Garrett nach Reutlingen. Der Stargeiger wird ein Violinkonzert von Brahms spielen. Als Orchester ist derzeit die junge Sinfonie im Gespräch.

Doch kein französischer Abschied
Haben sich geeinigt: Jean-Paul Riehl, künstlerischer Leiter des Kammermusikzyklus‘, und Kulturamtsleiter Werner Ströbele. Archivbild:Spieß

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01.08.2012, 12:00 Uhr

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