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Doch keine einheitliche Ausbildung
Eine Krankenpflegerin betreut auf der Internistischen Intensivstation des Universitätskrankenhauses Schleswig-Holstein eine Patientin. Foto: Markus Scholz dpa/lno
Pflege

Doch keine einheitliche Ausbildung

Nach langem Streit haben sich Union und SPD geeinigt, die Berufsausbildung von Krankenschwestern und Altenpflegerinnen teilweise zusammenzulegen. Doch es bleiben Alternativen.

19.04.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. Wer ab 2019 eine Ausbildung in einem Pflegeberuf startet, muss sich nicht mehr von vornherein entscheiden, ob am Ende nach drei Jahren der Abschluss als Kranken-, Kinderkranken- oder Altenpfleger stehen soll. Außerdem sollen die jungen Leute dann bundesweit keine Ausbildungsgebühr mehr zahlen müssen, die es heute noch in einigen Bundesländern gibt. Dann soll die Reform eines der wichtigsten Ausbildungsberufe starten, auf die sich Union und SPD nach monatelangem Ringen im Bundestag geeinigt haben.

„Ein ausgewogener Kompromiss“, atmete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf. Von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) war nichts zu hören. Sie soll sich bis zuletzt dagegen gewehrt haben.

Steigende Anforderungen

In den Krankenhäusern liegen immer mehr Patienten mit Demenz, ohne dass die Krankenschwestern darauf vorbereitet wären. Auch in der Altenpflege wird die Betreuung immer anspruchsvoller. Zudem sollen der Beruf attraktiver und der Wechsel zwischen den Arbeitsfeldern erleichtert werden. Das war der Ausgangspunkt für den Gesetzentwurf, den Gröhe und Schwesig Anfang 2016 vorgelegt hatten: Die Ausbildung sollte komplett vereinheitlicht werden. Doch das fand viel Widerspruch insbesondere aus der Altenpflege, die befürchtete, zu kurz zu kommen. Mancher hatte auch Angst, die Löhne könnten deutlich steigen.

Ein Jahr lang hing das Gesetz im Bundestag fest, ehe sich die Fraktionsvize von Union und SPD, Georg Nüßlein und Karl Lauterbach, einigten. Den Kompromiss wollten sie eigentlich Ende März verkünden. Doch bei der Pressekonferenz stand der Neu-Ulmer CSU-Politiker Nüßlein alleine da, weil die SPD-Fraktion plötzlich doch nicht mitspielen wollte. Schwesig soll interveniert haben, weil sie auf der völligen Vereinheitlichung bestand.

Jetzt hat sie offenbar doch noch nachgegeben. „Für uns war entscheidend, die Alten- und Kinderkrankenpflege zu erhalten“, sagte Nüßlein gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Künftig soll die Ausbildung in den ersten zwei Jahren für alle gleich sein. Danach haben die Azubis die Wahl: Entweder sie setzen die „generalistische“ Ausbildung fort, oder sie konzentrieren sich auf Alten- oder Kinderkrankenpflege mit einem entsprechenden Abschluss. Es gibt also weiterhin diese zwei Spezialisierungen, während die Krankenpflege zu Gunsten der allgemeinen Pflege wegfällt. Zudem können die jungen Leute die Ausbildung schon nach dem zweiten Jahr mit dem Abschluss als „Pflegeassistent“ beenden.

Nüßlein hofft, dass auf diesem Weg weiter Jugendliche mit Hauptschulabschluss für die Altenpflege zu begeistern sind. Die Verbände hatten die Sorge, dass diese die generalistische Ausbildung nicht schaffen. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste zeigte sich erleichtert. Allerdings sieht er noch wichtige Fragen offen, etwa wie der Wechsel zwischen den Ausbildungsträgern funktionieren soll, wenn ein Azubi in einem Altenpflegeheim angestellt ist, sich aber doch für den generalistischen Abschluss nach drei Jahren entscheidet.

Viel hängt jetzt davon ab, wie das Gesundheits- und das Familienministerium den Kompromiss in den Gesetzestext einarbeiten. Ergebnisse erhofft sich der Unions-Fraktionsvize nächste Woche. Noch will er ein Scheitern nicht völlig ausschließen. Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha (Grüne) kann mit dem Kompromiss leben, auch wenn er den generalistischen Weg bevorzugt hätte.

Zu den Knackpunkten gehört, dass nach sechs Jahren überprüft wird, wie viele sich für welchen Weg entschlossen haben. Sollte auf den generalistischen Abschluss mehr als die Hälfte entfallen, sollen die anderen abgeschafft werden. Allerdings nicht automatisch, wie die SPD gefordert hatte, sondern nach einer neuen Abstimmung im Bundestag. Damit bleibt alles offen.

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19.04.2017, 06:00 Uhr

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