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Dominanz kein Selbstzweck
Nach den zwei deutlichen Siegen in der WM-Qualifikation konnte Bundestrainer Joachim Löw ja nur ein positives Fazit ziehen. Aber Raum für Verbesserungen gibt es natürlich immer noch. Foto: Imago
Fußball-Nationalmannschaft

Dominanz kein Selbstzweck

Die Weltmeister steuern klar auf Kurs WM 2018. Bundestrainer Joachim Löw hat bei seinen Spielern noch einmal eine Entwicklung festgestellt.

13.10.2016
  • THOMAS GOTTHARDT

Hannover. Hätte Joachim Löw neben seinem nordirischen Kollegen Michael O'Neill gesessen, als dieser einige Sätze sagte zu der 0:2-Niederlage gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, der Bundestrainer wäre sicherlich rot geworden ob der vielen lobenden Worte.

Superlativ an Superlativ reihte der Kollege aneinander. Beste Mannschaft der Welt, bestes System der Welt, bestes Innenverteidiger-Duo der Welt, beste Spieler der Welt, beste Taktik der Welt und so weiter. Da sei vor allem nach den beiden frühen Toren nur noch eines möglich gewesen, sagte O'Neill, nämlich Schadensbegrenzung. Schließlich kann die Tordifferenz am Ende noch wichtig werden. Natürlich nicht im Verhältnis zu Deutschland, aber zu den Mitkonkurrenten um den zweiten Platz, der immerhin noch in die Playoffs führt, wenn man nicht schlechtester Zweiter der neun europäischen „Quali“-Gruppen ist.

Joachim Löw, später auf die Eloge des gegenerischen Trainers angesprochen, wollte das alles nicht groß kommentieren, sondern rief nur einfach allen ins Gedächtnis: „Wir sind auch schon einmal aufgehalten worden.“ Und das ist noch gar nicht so lange her . . .

Das Bestreben des Bundestrainers, einen möglicherweise aufkommenden „Wir-sind-die-Besten-Hype“ mit entsprechend hohen Ansprüchen für jedes Spiel gleich im Keime zu ersticken, ist richtig und hat sogar eine gewisse Glaubwürdigkeit, weil Löw sich nämlich auch hinstellt und kurz und bündig sagt: „Ja, wir werden uns für die WM 2018 als Erster qualifizieren.“

Bis dahin möchte er aber auch einen Stil geprägt haben, den die Mannschaft mit hoher Stabilität und Kontinuität immer wieder abrufen kann. Und davon haben die Fans in den beiden zurückliegenden WM-Qualifikationsspielen in Hamburg und Hannover jede Menge, vielleicht sogar alles gesehen. Sowohl beim 3:0 gegen die Tschechische Republik als auch beim 2:0 gegen Nordirland (Löw: „Die Gegner gehören nicht zur Kategorie eins“) bestach der Weltmeister durch hohe taktische Variabilität.

Ob der Gegner lustig und forsch mitspielte (Tschechien) oder sich einigelte (Nordirland), Löws Mannschaft hat mittlerweile entsprechende Lösungen parat. Sie übt über 90 Minuten Dominanz aus, aber nicht als Selbstzweck, spielt mit dem Tempo und dem Druck auf den Gegner. Manchmal schien es so, als wählten Neuer & Co. die Halbdistanz, um den Gegner auszutanzen und dann im richtigen Moment zuzuschlagen.

Was als Schwachpunkt bleibt, das ist die mangelhafte Torausbeute. Vor allem in Hamburg hätte das Resultat deutlich höher ausfallen müssen. In der Partie gegen Nordirland sei in der zweiten Halbzeit aber schnell die Luft rausgewesen, sagte Sami Khedira, der per Kopf das 2:0 erzielte (17. Minute), nachdem Julian Draxler in der 13. Minute zur 1:0-Führung getroffen hatte. „Wir haben von vornherein gesagt, dass Platz eins unser Ziel ist und wir alle Spiele gewinnen wollen“, betonte Khedira, der auf der Position im zentralen Mittelfeld zusammen mit Toni Kroos ein dynamisches Duo bildet. Ilkay Gündogan steht dabei erstmal außen vor.

 Der vierte Erfolg ist im nächsten Qualifikationsspiel in San Marino (11. November) schon notiert, vier Tage später endet das Länderspieljahr mit dem Klassiker in Mailand gegen Italien. Joachim Löw machte jetzt schon klar, dass er für diese beiden Begegnungen noch das eine oder andere neue Personal dazu holen möchte. Einige erfahrene Spieler werden eine Pause erhalten, jüngere wieder reinrücken.  

Balance ist wichtig

„Wir müssen den Spagat schaffen und uns überlegen, wann die Mannschaft zusammenbleibt und wann man junge Spieler einbaut“, erklärte Löw, der durch den Erfolg gegen Nordirland nach DFB-Angaben mit 94 Siegen mit Rekordhalter Sepp Herberger gleichgezogen ist. Khedira forderte gar, dass man es so hinbekommen müsse, dass man 2018 „zwei Top-Mannschaften“ habe. Im defensiven Mittelfeld gibt es mit Khedira, Toni Kroos und Ilkay Gündogan schon jetzt drei Topspieler für zwei Positionen.

Nachdem erstmals in einer Qualifikation die ersten drei Spiele ohne Gegentor absolviert worden sind, geht der Blick nach vorne. Anlässlich der Auslosung des Confed-Cups reisen Löw und Teammanager Oliver Bierhoff bereits im November nach Russland. „Wir schauen uns da jetzt schon um, machen uns jetzt schon schlau, so viel Selbstvertrauen haben wir“, sagte Bierhoff.

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13.10.2016, 06:00 Uhr

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