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Weihnachtsgeschichte (2)

Donaldino, der traurige Horror-Clown

Der FLUGPLATZ-Fortsetzungsroman zu den Feiertagen. Heute: Donaldino, Frauke Petry und die Queen.

27.12.2016
  • Leonie Kommerell

Die Silvesternacht diesmal nicht allein verbringen: Das hat Donaldino, der traurige Horror-Clown, am Heiligabend beschlossen. Nur: Wie soll sich das anstellen lassen, dass jemand ausgerechnet mit ihm – einem Horror-Clown – Silvester feiern will? Normale Leute werden das wohl kaum tun.

Als erstes denkt Donaldino also an andere Gestalten, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Frauke Petrys Telefonnummer in den Zeiten des Internet zu finden, ist nicht schwer. Doch Frauke, erzählt sie Donaldino kurz angebunden am Telefon, hat keine Zeit, weil sie derzeit mit Hochdruck daran arbeitet, die Hochzeit ihrer Tochter, die einen dunkelhäutigen Juden heiraten will, mit einer Ein-Frau-Sitzblockade zu verhindern. Sie versucht sogar, Donaldino zum Mitmachen zu überreden: „Wir sind doch das Volk, wir zwei“, säuselt sie ihm mädchenhaft durch den Hörer in Ohr.

Doch Donaldino hat sich nun mal vorgenommen, ein liebenswerter Mensch zu sein, der keinem weh tut. Und deshalb antwortet er Frauke, er mache so etwas ab heute nicht mehr. Frauke legt sofort auf - ohne einen Abschiedsgruß oder gar Weihnachtswünsche. Und Donaldino weint beinahe: „Sogar Leute, die im Stande sind, vom Rand der Gesellschaft aus andere Leute in den Abgrund zu stürzen,“ schluchzt er wehleidig mit zum Himmel gereckten Horror-Clown-Armen, „haben kein Interesse daran, mit mir Weihnachten zu feiern!“

Da fällt sein Blick auf eine Notiz im TAGBLATT, das auf seinem Küchentisch liegt: „QUEEN ELISABETH MUSS SPAREN“, steht da. Donaldino schlägt sich mit seiner weiß behandschuhten Hand gegen die Stirn. „Natürlich!“, ruft er: „Wieso bin ich nicht gleich darauf gekommen?!“

Die Queen von England ist hübsch (selbst in ihrem Alter). Und sie muss sparen – was sie ebenfalls an den Rand der Gesellschaft rückt. Es dauert für Donaldino nun etwas länger, die Nummer der Privatgemächer des Buckingham Palace zu finden. Schon beim zweiten Freizeichen hebt die Queen den Hörer ab Zufällig und glücklicherweise für Donaldino hat Elisabeth die deutsche Vorwahl auf ihrem Telefon gesehen und spricht deutsch: „Hallo! Hier die Queen von England und der halben Welt“, sagt Elisabeth: „Wer da?“

Donaldino trägt seine Einladung zur Silvester-Party vor. Die Queen ist so gerührt, dass es Donaldino bald so vorkommt, als sei sein eigenes Ohr ganz Nass vor Tränen. Elisabeth, erzählt sie, hat ihre königliche Nase so voll von weihnachtlichen Empfängen, dass sie Donaldino zusagt, zu seiner Party zu kommen. Auch die Tatsache, dass Donaldino ein Horror-Clown ist, hält sie nicht von einer Zusage ab: „Ich muss nur noch schnell ein Lufhansa-Ticket kaufen!“, sagt sie. Donaldino ist ganz aus dem Häuschen.

Eine Stunde später aber meldet sich eine furchtbar geknickte Queen beim Horror-Clown: „Sie lassen mich nicht mehr nach Deutschland“, schluchzt Elisabeth: „Die blöden Briten haben für den Brexit gestimmt“. Beim aktuellen Kursverlust reichen ihre britischen Pfunde kaum aus, erzählt die Queen, ein deutsches Pfund Butter zu kaufen. Von einem teuren Lufthansa-Ticket ganz zu schweigen.

Außerdem hat die Queen keinen Pass! Ohne Pass kommt sie nicht aus dem Vereinigten Königreich heraus – und nach Deutschland kommt sie schon gar nicht rein. „Da muss ich also doch hier in London in meinem feinen Palast voller feiner Leute feiern“, brummelt sie gereizt. Donaldino fühlt mit der armen Königin. Und immerhin legt Elisabeth nicht auf, ohne sich für seine Silvester-Einladung zu bedanken – und ihm trotzdem einen Guten Rutsch zu wünschen.

Donaldino überlegt, wie er für Silvester doch noch genug Leute zusammenbekommt. Und kommt bald auf den Ausweg der Verzweifelten: Er sollte eine Silvester-Party an einem Ort feiern, wo es viele Pokémons zu finden gibt! „Pokémon-Go-Spieler sehen sowieso die ganze Zeit auf ihr Handy“, sagt Donaldino: „Da bemerken sie nicht mal mein grausiges Aussehen!“ Zudem scheinen auch Pokémon-Go-Spieler keine Freunde zu haben – so einsam, wie sie tagein, tagaus auf ihr Handy starren, und nichts um sich herum mitbekommen.

Donaldino verfasst eine Einladung, die er über seine „sozialen“ Netzwerke verbreitet. Und schon nach Minuten trudeln erste Zusagen ein. Solange auf der Silvester-Party ein seltener Pokémon dabei ist, will sich das keiner entgehen lassen. Die Sache nimmt langsam Gestalt an.

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27.12.2016, 01:00 Uhr

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