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Düsseldorf

Dorothee Achenbach rechnet ab

Dorothee Achenbach, die Ehefrau des inhaftierten Kunstberaters, rechnet in ihrem Buch ab: mit den Aldi-Erben, mit den Medien - und mit ihrem Mann.

19.11.2015
  • DPA

Düsseldorf Aus dem umtriebigen Kunstberater Helge Achenbach wird Bernhard Krämer, in den Knast zieht er mit einer gelben Damenhandtasche ein, in die seine Frau ein Mettbrötchen und Wechselwäsche gestopft hat. Zuhause wühlen die Ermittler in der penibel geordneten Damenunterwäsche: Es ist ein intimer Blick, den Dorothee Achenbach, Ehefrau des seit rund eineinhalb Jahren inhaftierten Kunstberaters, den Lesern gönnt. "Meine Wäsche kennt jetzt jeder", ist der ironische Titel des Buches der promovierten Kunsthistorikerin, in dem sie ihren Absturz aus dem Jetset der Kunstszene beschreibt.

Auf 230 Seiten erzählt sie in einer Mischung aus Wut, Enttäuschung und Galgenhumor ihre Sicht auf die Rolle der Medien, Justiz, Kläger und ihres 63-jährigen Gatten. Nein, als Abrechnung sei das nicht gemeint, sagt sie. "Das Buch ist meine Sicht der Dinge." Für sie sei das Schreiben ein "Ventil" gewesen. Der Boden sei ihr und ihren Kindern unter den Füßen weggezogen worden.

Dass sie ihrem Mann den Namen Bernhard Krämer verpasst habe, liege daran, dass sie einen "kleinen fiktionalen Abstand" habe schaffen wollen. Ein Krämer ist laut Duden ein kleiner Lebensmittelhändler, aber auch jemand, der "in kleinlicher Weise eigennützig, gewinnsüchtig ist". Dabei hatte Achenbach mit millionenschweren Kunstwerken von Picasso bis Richter gehandelt, schicke Partys geschmissen und war um die Welt gejettet.

Nun zitiert Dorothee Achenbach mit Erlaubnis ihres Mannes aus dessen Briefen aus dem Untersuchungsgefängnis. Er entdeckt dort seine Leidenschaft fürs Malen und Chorsingen, während die Gerichtsvollzieherin Dauergast im Düsseldorfer Privathaus wird und alle Kunstwerke abtransportieren lässt. "Ich habe jetzt verstanden. Es gibt ein Leben nach dem Reichtum. Eine höhere Ebene", schreibt der in der U-Haft abgeschottete Achenbach, der von all dem nichts weiß. Die hehren Worte treffen seine Frau im Kampf mit Rechnungsbergen, Mahnungen und neuen Klagen.

Natürlich sei sie "wütend" auf ihren Ehemann, sagt Dorothee Achenbach. "Der Verrat an allen - an seinen Kindern, seinen Kunden und an mir - geht tief." Auf die Frage, ob sie weiter zu ihrem Mann stehe, sagt sie aber: "Ja, natürlich."

Gelesen habe ihr Mann das Buch noch nicht. "Aber den Namen Bernhard Krämer fand er gut."

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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