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Kampf um Normalität

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel wähnt sich in einer unwirklichen Welt

Zwischen Angst und Alltag. Zwischen Panik und einer gewissen Gelassenheit: Nach Paris und Hannover ist an diesem Wochenende wieder die Fußball-Bundesliga dran. Der Kampf um Normalität beginnt.

20.11.2015
  • DPA

Düsseldorf Spieltag Nummer 13 in der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende. Nach den Terrorakten in Paris und der Länderspielabsage in Hannover der erste Versuch, wieder zur sportlichen Normalität zu finden. 198 Spieler und 18 Trainer werden alles andere als unbeschwert zum Anpfiff antreten.

"Ich habe volles Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen, aber es bleibt ein mulmiges Gefühl", sagte Schalke-Coach André Breitenreiter vor dem Topspiel am morgigen Samstag gegen Bayern München, betonte aber: "Ich bin total dafür, dass die Bundesliga stattfindet."

Wie schwierig es ist, den Weg zurück in die Normalität zu finden, schilderte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, der nach Paris auch in Hannover bei der Länderspiel-Absage die terroristische Bedrohung aus der Nähe erlebte. "Ich habe viel mit der Familie und Freunde gesprochen. Ich habe den Eindruck, dass ich mit der Situation gut zurechtkomme und sie gut verarbeitet habe", sagte Zieler. "Da hilft mir auch die Normalität."

Für Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel ist es etwas unwirklich, "über Positionen auf dem Feld in der Videoanalyse" zu sprechen, weil es "tausend wichtigere Dinge auf der Welt als eine Videoanalyse" gebe. Natürlich sei er mit den drei Nationalspielern Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Matthias Ginter über die Vorfälle im Gespräch. "Wir sind dabei und werden nachhören. Aber ich habe da mehr Fragen als Antworten. Deshalb will ich meinen Spielern auch keine Ratschläge geben, sondern nur zuhören." Der BVB muss bereits heute beim Hamburger SV antreten.

Gut verkraftet hat den Schrecken der vergangenen Tage Schalkes Jung-Nationalspieler Leroy Sané, der erstmals zum deutschen Aufgebot gehörte. "Er hat es komplett verarbeitet. Im Training hatte ich nicht den Eindruck, dass es ihn so beschäftigt, dass er beeinträchtigt ist", versicherte Breitenreiter.

Für Gladbachs Coach André Schubert ist es wichtig, den Fußball zu nutzen, von den Ereignissen abzulenken. "Diese schrecklichen Vorfälle sind ein Thema, mit dem man sich - wie jeder andere auch - in seinem Alltag beschäftigt", sagte er. "Aber es wäre der falsche Weg, jetzt nur noch voller Angst zu sein und auf alles zu verzichten." Auch der niederländische Nationalspieler Bast Dost will sich nicht einschüchtern lassen. "Ich lasse mich nicht von solchen Sachen wie am Dienstag ablenken", wird der Stürmer des VfL Wolfsburg in verschiedenen Medien zitiert. "Es ist einfach traurig, dass solche Sachen vorkommen. Aber das Leben geht weiter, am Samstag spielen wir gegen Bremen - darauf haben wir Lust."

Die neun Erstligaspiele werden unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. "Wir dürfen uns vom Terror nicht einschüchtern lassen: Und gleichzeitig muss sehr deutlich gemacht werden: Der Schutz von Menschenleben hat höchste Priorität", erklärte Ligapräsident Reinhard Rauball. Der Übergangspräsident des DFB sieht den Fußball jedoch nicht "im Fokus der Terroristen". Unterdessen hat Bayern München angekündigt, bei Heimspielen auf die neue Sicherheitslage reagieren zu wollen. "Ich kann bestätigen, dass es künftig intensivere und umfassende Personenkontrollen geben wird", erklärte Jan-Christian Dreesen, der als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des deutschen Meisters für das Thema Sicherheit zuständig ist.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel wähnt sich in einer unwirklichen Welt
Auch für Dortmunds Trainer Tuchel ist der Weg zurück in den Alltag ein schwieriger. Foto: dpa

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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