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Dr. Reiner Vonderschmidt muss die Geschäftsführung bei Georgii Kobold abgeben
A. Vonderschmidt
Berufung zurückgezogen

Dr. Reiner Vonderschmidt muss die Geschäftsführung bei Georgii Kobold abgeben

Im Berufungsverfahren am Landgericht in Tübingen gegen den Geschäftsführer des Horber Elektromotoren-Herstellers Georgii Kobold ist die Entscheidung gefallen: Das Urteil gegen Dr. Reiner Vonderschmidt (60) wegen Betrugs und Insolvenz-Verschleppung aus dem November 2013 ist damit rechtskräftig. Das bedeutet unter anderem, dass Vonderschmidt seinen Posten als Geschäftsführer räumen muss.

17.01.2015
  • Vincent Meissner

Horb. Gestern Nachmittag wollte Dr. Reiner Vonderschmidt seine leitenden Angestellten bei Georgii Kobold über die Veränderungen im Unternehmen informieren. Doch schon am Donnerstag war per Flurfunk nach dem überraschend schnellen Ende der Berufungs-Verhandlung in Tübingen durchgesickert, dass Vonderschmidt dem erstinstanzlichen Urteil des Tübinger Amtsgerichts zugestimmt hatte.

Dennoch wird sich für Georgii Kobold vorerst nicht viel ändern, sagte Vonderschmidt gestern der SÜDWEST PRESSE: „Ich werde weiter in vollem Umfang für Georgii Kobold tätig sein.“ Vonderschmidt bleibt alleiniger Inhaber der Firma und besitzt eine Generalvollmacht. Somit ist er weiter zeichnungsberechtigt. „Für die Geschäftsentwicklung von Georgii Kobold gibt es keine Änderungen“, sagt Vonderschmidt.

Auf dem Briefkopf des Unternehmens wird künftig Vonderschmidts Sohn Andreas (30) als Geschäftsführer stehen. „Das war ohnehin schon länger so geplant“, sagt Andreas Vonderschmidt. Er war bislang bereits Junior-Geschäftsführer und ist seit 2008 Prokurist.

Insolvenzverschleppung und Betrug in elf Fällen

Die Berufungsverhandlung in Tübingen hatte am Donnerstag vor einer Woche begonnen. Ende November 2013 hatte das Schöffengericht Vonderschmidt zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Hinzu kommen rund 99 000 Euro an Geldbußen und Schadenregulierungen und die Auflage, dass Reiner Vonderschmidt fünf Jahre lang nicht mehr als Geschäftsführer tätig sein darf. Verurteilt wurde Vonderschmidt wegen gewerbsmäßigem Betrug in elf Fällen (vier davon versucht) und fahrlässiger Insolvenz-Verschleppung. Wohlgemerkt bezog sich das Urteil in erster Linie auf Vergehen im Jahr 2009 beim Getriebe-Hersteller Graessner in Dettenhausen (Landkreis Tübingen). Dieses Unternehmen gehörte bis zur Insolvenz im selben Jahr ebenfalls Vonderschmidt. Weswegen der Fall auch in Tübingen verhandelt wurde.

Hintergrund des Urteils war unter anderem zu unrecht abgerechnetes Kurzarbeitergeld. Auch der Arbeitsagentur Nagold war als zuständige Einrichtung für Georgii Kobold in Horb ein Schaden entstanden. Vonderschmidt hatte wegen Liquiditätsproblemen Kurzarbeitergeld beantragt und dennoch Beschäftigte weiterarbeiten lassen. Nach der Verurteilung 2013 hatten sowohl Vonderschmidt als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Schon am ersten Tag der Berufungs-Verhandlung vor einer Woche hatte sich jedoch abgezeichnet, dass der Prozess schneller über die Bühne gehen würde, als geplant. Zwei der vier angesetzten Verhandlungstage strich das Gericht. Am ersten Tag wurden zwei Zeugen gehört. Doch dass der ganze Fall nochmals aufgerollt wird, dazu kam es nicht, weil sich beide Parteien zuvor einigten.

Siehe auch das AUSSERDEM

Dr. Reiner Vonderschmidt muss die Geschäftsführung bei Georgii Kobold abgeben
Künftig führt – zumindest offiziell – Andreas Vonderschmidt die Geschäfte des Elektromotoren-Herstellers Georgii Kobold in Horb.Bild: Kuball

Dr. Reiner Vonderschmidt muss die Geschäftsführung bei Georgii Kobold abgeben
R. Vonderschmidt

Die Georgii Kobold GmbH & Co. KG mit Sitz in der Ihlinger Straße in Horb beschäftigt derzeit rund 60 Mitarbeiter. Das Unternehmen gibt für das Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 6,3 Millionen Euro an. Georgii Kobold hat drei Tochterfirmen. Die Magnetica GmbH & Co. KG mit Sitz in Horb beschäftigt derzeit einen Mitarbeiter und arbeitet Hand in Hand mit Georgii Kobold. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen im Vorjahr einen Umsatz von mehr als 7 Millionen Euro erzielt. In Istanbul gibt es eine Produktion mit einer kleinen Vertriebsabteilung (fünf Mitarbeiter) und eine Vertriebsgesellschaft in Chicago (zwei Mitarbeiter).
Anders als noch vor wenigen Jahren laufen die Geschäfte inzwischen gut bei Georgii Kobold, sagt Dr. Reiner Vonderschmidt. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz um 8 bis 9 Prozent gewachsen. Auch für 2015 peilt das Unternehmen ein Wachstum von 5 bis 10 Prozent an. „Wir haben uns sehr erfolgreich in den Nischen entwickelt“, sagt Vonderschmidt.
Damit trotzt das Unternehmen dem allgemein eher schlechten Trend in der Branche mit Wachstums-Erwartungen von etwa 1 Prozent für 2015. Anfang des Jahres hat Georgii Kobold einen Mitarbeiter in der Fertigung eingestellt. Demnächst soll es eine weitere Anstellung im Vertrieb geben. „Wir müssen Einstellungen tätigen, um die Aufträge zu bewältigen“, sagt der neue Geschäftsführer Andreas Vonderschmidt.

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17.01.2015, 12:00 Uhr

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