Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Draghi wehrt sich gegen Kritik aus Deutschland
EZB-Chef Mario Draghi: "Würde ein Nicht-Italiener eine andere Politik machen?" Foto: dpa
Frankfurt

Draghi wehrt sich gegen Kritik aus Deutschland

EZB-Präsident Mario Draghi hat gestern die Kritik deutscher Politiker an seiner Geldpolitik und auch an seiner Person nachdrücklich zugewiesen.

22.04.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. "Wir folgen Gesetzen und nicht Politikern. Das gilt für alle Politiker im Euroraum. Wir sind unabhängig", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gestern nach der Ratssitzung. Die Notenbank habe das gesetzliche Mandat zur Bewahrung der Preisstabilität "für die gesamte Eurozone, nicht nur für Deutschland".

Ernst, aber ruhig und gelassen, mitunter auch mit einem leichten Lächeln auf dem Gesicht antwortete Draghi auf die Fragen nach der Kritik vor allem von CDU und CSU. Mit Schäuble habe es am Wochenende in Washington "ein sehr positives, ruhiges und freundliches Gespräch" gegeben. Dabei habe der Finanzminister versichert, er habe nicht gesagt, dass die Geldpolitik Schuld sei am Aufstieg der AfD. Dafür ist nach Ansicht von Draghi eher ein Gefühl der allgemeinen Verunsicherung in Deutschland verantwortlich. Für EZB-Präsidenten ist damit der Disput mit Schäuble bereinigt.

Im Blick auf die Kritik von Unionspolitikern stärkte der EZB-Rat Draghi den Rücken. "Einstimmig" habe das Gremium die Unabhängigkeit der Notenbank bekräftigt und betont, dass der geldpolitische Kurs stimme. Der Italiener ließ durchblicken, dass er seine Aufgabe bis zum Ende seiner Amtszeit im November 2019 erfüllen wird. "Würde ein Nicht-Italiener eine andere Politik machen?", fragte er rhetorisch. Sein Vorgänger Jean-Claude Trichet würde das gleiche tun.

Draghi zeigte Verständnis für die Sorgen deutscher Sparer, auch im Blick auf ihre Altersvorsorge. Man müsse auf die Realzinsen schauen - also den Zins abzüglich der Inflationsrate. "Die Realzinsen sind heute höher als vor 20 oder 30 Jahren", sagte der EZB-Chef. Er gab sich erneut überzeugt, dass der geldpolitische Kurs der EZB wirkt. Also auch für den Leitzins, der inzwischen bei null Prozent liegt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball