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Der Kommentar

Drah’ di net um: Der Kommissar geht um

Hätten wir hier nicht Fasnet sondern Karneval – einer würde auf den Wagen im Rosenmontags-Zug ganz vorn präsentiert. Überlebensgroß: „D’r Kommissar Günther aus Ditzingen“. Erst neulich hatte er sich doch allen, die ihn fast schon vergessen hatten, wieder unvergesslich ins Gedächtnis gebracht: „Oettinger talking English“ – weltweit auf Youtube zu sehen. Oettinger-Fans schnallten gleich, was da gespielt wurde: „Das soll gar kein Englisch sein, sondern Hochdeutsch“, spotteten sie im Internet.

15.02.2010

Der Konter des nach Brüssel entschwundenen Landesvaters kann nur so lauten: „Wir können alles außer Hochdeutsch.“ Im gefürchteten Oettinger-Stakkato wird der neue Kommissar die Internet-Häme pariert haben – und aus Tübingen kann man das nur bestätigen: Oettinger kann vielleicht singen – „über alles“ und gerne auch von Deutschland. „Über alles“ ging ihm das, wenn er hier mit seiner Burschenschaft Ulmia feierte. Aber Hochdeutsch? Das spielte dabei nie eine Rolle.

Wäre er heute zum Rosenmontag in Rottenburg, würde er auf der Gass’ bestimmt dem lustig herausgeputzten Klaus Tappeser begegnen. Den hat Oettinger zu dessen 50. Geburtstag 2007 so verarztet: „Wenn Klaus Tappeser nicht Oberbürgermeister geworden wäre, wäre er sicher auch ein glänzender Frauenarzt geworden – bei den vielen Verehrerinnen“.

Ein Mann ein Wort. Wen Oettinger nicht so mochte, der bekam von ihm öffentlich ganz andere Attribute angeklebt: Statt zur Modernisierung des Landes beizutragen, komme „der Lafontaine mit seiner Pension, der Drecksack“, und halte die Reformen auf, erklärte Oettinger 2005 in der Neuen Aula den Herren der Hayek-Gesellschaft. Denn die „Weichspüler-Generation“ konnte er noch nie leiden: „Wir haben doch eine Lehrerschaft, wo die 30-Jährigen motiviert und die 50-Jährigen faule Hunde sind!“, offenbarte er schon 1999 dem Reutlinger-Tübinger Wirtschaftsrat.

Kam er mal in Fahrt wie 2007 auf seinem Tübinger Ulmia-Verbindungshaus, brauchte er kein Imponier-Geschwurbel aus dem Stuttgarter Honoratioren-Denglisch mehr. Professoren mögen ja manchmal „ein bisschen Schwachsinn“ reden, sagte er, „das ist im Berufsbild drin“. Ein Landesvater dagegen erklärt die Welt: „Wir sind in der unglaublich schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein – das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr.“

Klartext, immer auf gut deutsch. Oettinger klammerte sich selbst nicht aus: „Meine Mutter sagt, ich war eine schwere Geburt“, berichtete er 2009 beim Tag der offenen Tür der Tübinger Frauenklinik.

Das alles werden wir nun vermissen und wir geben zu: Nur sehr ungern geben wir unseren Günther Oettinger an die EU ab. Wäre hier nicht Fasnet sondern ein jecker Rosenmontags-Zug, würde die Kapelle jetzt schmissig aufspielen: „Drah’ di net um-um-um: Der Kommissar geht um-um-um“. – Stefan Mappus muss aufpassen. Die Latte liegt verdammt hoch.

Martin Mayer

Drah’ di net um: Der Kommissar geht um

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15.02.2010, 12:00 Uhr

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