Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Fernsehen

Dramatischer Abgang ohne Höhenflüge

Beim Abschied des verdienten „Tatort“-Ermittlerduos aus Bremen, Sabine Postel und Oliver Mommsen, wird leider allzu dick aufgetragen.

20.04.2019

Von MW

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) wagen einen Fallschirmsprung. Foto: Radio Bremen/ARD Degeto/Christine Schroeder

Bremen. Viele Jahre ermittelten sie Seite an Seite, machten Mörder dingfest, deckten Skandale auf und schauten auch dort genau hin, wo zuständige Behörden und andere Institutionen schon lange wegsahen: Das Ermittlergespann Lürsen und Stedefreund aus Bremen steuerte in den meisten Fällen solide Episoden zur Krimireihe „Tatort“ bei. Die beiden standen nicht für herausragende Fälle, lieferten aber auch keine veritablen Flops ab und etablierten sich so in den vergangenen Jahren zuverlässig im Mittelfeld der Krimireihe – eine Art Werder Bremen des „Tatorts“.

Weil die beiden Hauptdarsteller Sabine Postel und Oliver Mommsen aber keine Lust mehr auf die ewige Frage „Wo waren Sie gestern zwischen 20 und 22 Uhr?“ und die obligatorische Verhaftung des Mörders kurz vor Schluss hatten, nehmen sie jetzt Abschied. Am Ostermontag löst das Duo nach fast 20 Jahren gemeinsamer Ermittlungsarbeit seinen finalen Fall und erreicht in der allzu dramatischen Folge „Wo ist nur mein Schatz geblieben?“ die Grenzen seiner Belastbarkeit. Schlimmer noch: Inga Lürsen und Nils Stedefreund, die sich fast immer bedingungslos vertrauten, ziehen über weite Strecken ihrer Schlussvorstellung nicht an einem Strang.

Dabei fängt doch alles noch so harmonisch an in dem Krimi, den der von Postel und Mommsen hochgeschätzte Regisseur Florian Baxmeyer inszeniert hat: Die zwei ungleichen Kommissare machen einen Fallschirmsprung, den Inga Lürsen trotz akuter Höhenangst nach einer verlorenen Wette antreten muss.

Mit einem Fallschirmsprung wird der letzte „Tatort“ mit den Bremer Ermittlern auch enden, diesmal fehlt jedoch einer der beiden. Dazwischen müssen sich die Kommissare um den Mord an einer jungen Frau kümmern, die für eine dubiose Immobilienfirma gearbeitet hat. Deren Geschäftsführerin ist die Schwester eines berüchtigten tschetschenischen Mafiabosses, der über die Firma im großen Stil Geld wäscht. Die beiden abgehalfterten BKA-Ermittler Manfred Maller (Robert Hunger-Bühler) und Wolfgang Kempf (Philipp Hochmair) – zwei schräge Typen – sind dem Gangster schon lange auf der Spur. Sie haben mit Roger Stahl (Kostja Ullmann) einen verdeckten Ermittler nicht nur in die Immobilienfirma, sondern auch ins Privatleben der Gangster-Schwester eingeschleust und sind über die Mordermittlungen von Lürsen und Stedefreund wenig erfreut. Mehr noch: Die BKA-Männer setzen Stedefreund mit einer bösen alten Geschichte unter Druck, von der Inga Lürsen nichts weiß.

Überkandidelte Story

Schade, der Abschied von der „Tatort“-Reihe will nicht so recht glücken: Was sich in der ersten halben Stunde noch ganz gut anlässt und einen spannenden Krimi über Organisierte Kriminalität verspricht, gerät schon bald außer Kontrolle und entwickelt sich zu einer überkandidelten Story, in der es um einen überraschend dunklen Fleck in der Vergangenheit des braven Stedefreund geht. Das Ganze mündet am Ende gar in einer wilden Schießerei auf offener Straße wie im Western, was zu dem sympathischen Team so gar nicht passen will. Ein weniger spektakulärer Ausstieg hätte den beiden besser gestanden.

Info Tatort: Wo ist nur mein Schatz geblieben? 22. April, 20.15 Uhr, ARD

Zum Artikel

Erstellt:
20. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort