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Keine Familienangelegenheit

Drei Jahre Haft für Messerattacke auf Ofterdinger Schrottplatz

Ein 44-jähriger Ulmer muss für drei Jahre hinter Gittern: Vor dem Landgericht Tübingen wurde er gestern des versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen.

04.02.2010
  • amancay Kappeller

Ofterdingen/Tübingen. Die Kammer sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Juli 2009 einen 40-Jährigen aus Mengen (Kreis Sigmaringen) auf dem Hof einer Ofterdinger Metallhandelsfirma in der Zeppelinstraße absichtlich schwer mit dem Messer, einem Käsemesser mit breiter Klinge, verletzt hat – an Hals, Rücken, Brust und Oberschenkel. „Der Angeklagte hatte es dabei nicht in der Hand, seinen Kontrahenten nicht zu töten. Den Tod des Geschädigten nahm er billigend in Kauf, denn er wusste, dass er am Hals auch lebenswichtige Blutgefäße hätte treffen können, was schnell zum Verbluten geführt hätte“, so der vorsitzende Richter Ralf Peters in seiner Urteilsbegründung. Und auch der gerichtsmedizinische Gutacher Dietmar Benz bestätigte: „Wenn die Arterie am Hals durchtrennt worden wäre, dann hätte das Opfer die Klinik wahrscheinlich nicht mehr lebend erreicht.“

Die Schilderung wurde widerlegt

Der Angeklagte selbst hatte angegeben, sich mit dem Messer lediglich verteidigt, damit abwehrend herumgefuchtelt zu haben. „Ich stand auf dem Hof und plötzlich habe ich ohne Vorwarnung einen Schlag auf dem Kopf gespürt“, sagte er in der Hauptverhandlung aus. „Diese Schilderung ist widerlegt aufgrund der Beweisaufnahme“, begründete Peters. Die Verletzungen des Ulmers, der wie der Geschädigte aus einer Sinti-Familie stammt, rühren demnach tatsächlich von Schlägen mit einem Aluminiumrohr her. Allerdings habe sich der Angegriffene erst mit einem Metallrohr aus einem nahestehenden Gitterkorb bewaffnet, nachdem ihm der Schnitt am Hals zugefügt worden sei – so die Meinung des Gerichts, die sich nicht zuletzt auf die Expertise des medizinischen Gutachters stützt. „Aus rechtsmedizinischer Sicht ist es kaum nachvollziehbar, dass der Angeklagte aufstehen und seinem Kontrahenten noch solch massive Schnittverletzungen zugefügt haben soll, nachdem er bereits am Boden lag, nach eigenen Angaben Sternchen sah und der Geschädigte mit einem Schlagwerkzeug über ihm stand“, wandte Dietmar Benz ein.

„Die Messerverletzungen des Geschädigten sind einfach nicht in Einklang zu bringen mit den Aussagen des Angeklagten. Umgekehrt passen die Aussagen des Geschädigten sowie die Ausführungen dessen Bruders zum Verletzungsbild“, führte Richter Peters aus. Hinweise auf eine Absprache zwischen den Brüdern gebe es nicht, zumal der Bruder des Geschädigten, der zum Tatzeitpunkt auch auf dem Schrottplatz war, seine Zeugenaussage in der Verhandlung sogar zu Lasten des Bruders erweitert habe.

Bisher noch nie durch Gewalttaten aufgefallen

Demnach soll das Messerattacken-Opfer den Angeklagten zunächst beschimpft, möglicherweise auch die Hand gegen ihn erhoben haben. „Es sollen Worte wie Missgeburt und Schleim gefallen sein“, detaillierte Peters. Beide kannten sich, auch früher gab es schon Streitigkeiten.

„Der Angeklagte hat seine Aussagen stets der aktuellen Situation angepasst“, bemängelte Staatsanwalt Alexander Hauser in seinem Plädoyer. „Erst hatte er kein Messer, dann hat er es nicht eingesetzt, schließlich hieß es: nur zur Verteidigung.“ Auch die Aufarbeitung der Wahrheit sei unerwünscht gewesen, „eine Einmischung in Familienangelegenheiten“, gab Hauser wieder.

„Mit drei Jahren ist das Strafmaß bis zum Anschlag nach unten hin ausgeschöpft“, räumte Richter Peters ein; der Staatsanwalt hatte dreieinhalb Jahre gefordert. Strafmildernd habe sich ausgewirkt, dass der Angeklagte zuvor noch nie durch Gewalttaten aufgefallen sei. „Auch wenn es um einen Streit zwischen zwei Sinti-Familien ging hat der Staat trotzdem das Recht, sich einzumischen“, stellte Peters abschließend klar.

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04.02.2010, 12:00 Uhr

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