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Drei Riesen und eine Frau
Vier für Berlin (von links): Gerd Müller, Andreas Scheuer, Dorothee Bär und Horst Seehofer. Foto: CHRISTOF STACHE/ afp
Regierungsbildung

Drei Riesen und eine Frau

Nach der CDU hat auch die CSU ihre Minister für die GroKo in Berlin benannt. In Bayern soll ein eher „leiser“ Generalsekretär den Landtagswahlkampf organisieren.

06.03.2018
  • ELLEN HASENKAMP

Berlin. Buchstäblich bis zum letzten Tag will Horst Seehofer (CSU) bayerischer Ministerpräsident bleiben: Erst am 13. März wird er sein Amt in München niederlegen. Einen Tag später wird in Berlin die Kanzlerin gewählt – und Seehofer als Bundesminister vereidigt. Seit Montag steht nun auch fest, wer mit dem CSU-Chef in die Hauptstadt zieht. Nach der CDU hat auch die CSU ihr Kabinettsteam für die neue Regierung benannt. Jetzt fehlen nur noch die Sozialdemokraten.

Das mit der großen Koalition scheinen die Christsozialen irgendwie wörtlich genommen zu haben. Die Riege, die Parteichef Seehofer zur Vorstellung auf die Bühne der Münchner Parteizentrale bat, würde auch ein respektables Basketball-Team abgeben: Eine Körperlänge von rund 1,90 Meter scheint eines der Auswahlkriterien gewesen zu sein – zumindest bei den Herren. Die Frauen sind weniger auffällig, auch zahlenmäßig. Es sind nur zwei.

Seehofer jedenfalls ist hochzufrieden, sowohl mit seiner Mannschaft als auch mit sich selbst. Mit ihm wird künftig wieder ein CSU-Parteichef am Kabinettstisch in Berlin sitzen. Zudem verwaltet er das neue „Superinnenministerium“, das erstmals eine eigene Abteilung Heimat bekommt. Diese soll sich in drei Unterabteilungen um gleichwertige Lebensverhältnisse, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Raumordnung und Landesplanung kümmern. Medienberichte über Zuständigkeitsrangeleien mit der CDU weist Seehofer empört zurück. „Das war sehr schnell geklärt“, sagt er.

Nicht ganz so schnell geklärt war die Vergabe der übrigen Posten. In der Nacht zu Montag sei aber „alles wunderbar zu Ende gegangen“, berichtete der Parteivorsitzende.

Als erstes rief Seehofer den Minister auf die Bühne, dessen Verbleib im Kabinett zwischenzeitlich alles andere als gesichert war. Nun aber kann Gerd Müller weitermachen als Entwicklungsminister. Und der Kampf ums Geld wird ihm künftig sogar erleichtert: Im Koalitionsvertrag wurde festgelegt, dass die notwendigen Ausgabensteigerungen für die Bundeswehr künftig automatisch auch mehr Geld für die Entwicklungshilfe bedeuten.

Neuer Verkehrsminister wird Andreas Scheuer. Der 43-Jährige wird damit auch für seine Arbeit als Seehofer-treuer Generalsekretär belohnt. Er tritt die Nachfolge von Alexander Dobrindt an, der als Chef der CSU-Landesgruppe eine weitere Schaltstelle der Christsozialen in Berlin besetzt.

Drei Riesen und eine Frau
Markus Söder folgt Horst Seehofer im Amt. Foto: CHRISTOF STACHE/ afp

Der neue CSU-Generalsekretär heißt Markus Blume. Auch diese Wahl kommt nicht überraschend. Als Leiter der Grundsatzkommission hatte sich Blume bereits tief in die Parteiarbeit gekniet und war zuletzt Scheuers Stellvertreter. „Er kann jetzt aus dem Stand heraus den Wahlkampf organisieren“, sagte Seehofer. Ein klassischer CSU-General aber dürfte Blume nicht werden. Der frühere Eiskunstläufer ist kein „Wadlbeißer“, sondern ein eher ruhiger und nachdenklicher Typ. „Auf Augenhöhe“ mit der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, wie Seehofer nicht ohne Stolz bemerkt. Blumes Stellvertreterin wird die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig.

Drei Ministerien und einen Generalsekretärsposten besetzt die CSU also mit Männern. Hinzu kommen zwei Staatssekretäre: Thomas Silberhorn wechselt vom Entwicklungs- ins Verteidigungsressort, und der Innenexperte Stephan Mayer soll unter anderem mit seinem juristischen Sachverstand den Nicht-Juristen Seehofer im Innenministerium unterstützen.

Ganz ohne Frauen wollte aber auch die CSU in Berlin nicht auflaufen. Als Anwärterin für ein Ministeramt wurde seit Wochen Dorothee Bär gehandelt. Ein eigenes Ressort bekommt sie nun aber nicht. Wohl aber einen eigens geschaffenen Posten, der ihr einen Platz „am Kabinettstisch“ verschafft, wie Seehofer betont. Wie er überhaupt des Lobes voll ist über seine künftige Kollegin: Sie sei „in der Szene hoch anerkannt“, und er sei sicher, dass die 39-jährige Bär ihr Thema „sehr wirkmächtig auch in der Öffentlichkeit vertreten wird“.

Als Staatsministerin für Digitales bekommt Bär ein Büro im Kanzleramt – obwohl das im Koalitionsvertrag gar nicht vorgesehen war. Offenbar ein weiteres Zugeständnis der CDU-Chefin Angela Merkel. Um aber der nächsten Empörungswelle vorzubeugen, betont deren Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer sogleich, wer beim „Zukunftsthema schlechthin“ künftig den Hut auf hat: CDU-Kanzleramtsminister Helge Braun. Bei ihm liege die Koordinierung. Bär komme „zu seiner Unterstützung“ hinzu.

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06.03.2018, 06:00 Uhr

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