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Drei Streifen oder Kampfanzug
Fidel Castro, Kommunist im kapitalistischen Look. Foto: B4700/_Ismael Francisco
Helden der Popkultur

Drei Streifen oder Kampfanzug

Adidas und Puma müssen jetzt einen neuen Superstar suchen, der bei den vereinigten Proletariern aller Länder schlagkräftig für Sportartikel wirbt.

29.11.2016
  • Jürgen Kanold

Ulm. Dabei gab es zwischen Fidel Castro und den Herzogenaurachern noch nicht mal Exklusivverträge, Kubas verstorbener Máximo Lider hatte im hohen Alter vielmehr seinen Kleiderschrank geplündert. Adidas hatte nämlich jahrzehntelang die kubanische Olympia-Mannschaft ausgerüstet, die kommunistischen Boxer etwa gewannen regelmäßig Gold für den kapitalistischen Konzern – und die Funktionäre ließen sich, in kämpferischer Solidarität, gleich mitversorgen.

Retro also! Während Diktatoren leider nie aus der Mode kommen in dieser blutigen Welt, sorgte der Commandante mit seinem Outfit für nostalgischen 70er-Jahre-Charme. Ja, das war Kult: Fidel Castro trat immer wieder in der Trainingsjacke auf, sprach zuletzt in drei Streifen – einer Uniform des Sports und des Lifestyles – selbst beim Kongress der Kommunistischen Partei über die blühende Zukunft. Kurz vor seinem Tod aber sorgte Fidel Castro dann noch für Schlagzeilen, weil er die Marke wechselte – also nicht die Gesinnung, die Partei! –, sondern plötzlich in einer weißen Trainingsjacke mit hellgrünem Puma-Logo erschien. Konkurrenz belebt das Geschäft? Das ist Marktwirtschaft! Nicht wirklich auf Kuba und für einen besseren Lebensstandard des Volks, aber zum Segen der Nomenklatura wie immer.

Irgendwie muss das alles den Herrschenden auf Kuba und den militanten Folkloristen der Revolution ziemlich peinlich gewesen sein, denn natürlich packten sie nach Fidel Castros Tod sofort die alten Bilder aus: den Helden im olivgrünen Kampfanzug, mit Kappe, dicker Hornbrille und Zigarre beziehungsweise Kalaschnikow. Wobei: Ob Adidas, Puma oder Revoluzzerlook, ob kommerziell oder ideologisch vermarktet: Fidel Castro avancierte zu einer Ikone der Popkultur. Und die zeichnet sich auch dadurch aus, dass ihre Helden sich im Laufe der Jahre völlig ablösen von ihren Taten. Die Menschen verdrängen – das ist sehr populär.

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29.11.2016, 06:00 Uhr

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