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Das Medium war das Internet

Dreieinhalb Jahre Haft für den 38-Jährigen, der seine Stieftochter missbraucht und fotografiert hatte

Der Computerfachmann, der seine elfjährige Stieftochter mehrfach im Schlaf missbraucht hat, muss für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Er hatte den Missbrauch fotografiert und die Bilder im Internet gegen andere pädophile Aufnahmen getauscht.

24.06.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. „Die Beweislage war erdrückend“, meinte Staatsanwalt Burkhard Werner in seinem Plädoyer. Und er machte auch deutlich, dass eigentlich nur das Geständnis zugunsten des 38-Jährigen sprach. „Ansonsten würden wir heute nicht hier am Amtsgericht, sondern am Landgericht verhandeln.“

Am gestrigen zweiten Verhandlungstag wurde zunächst der ermittelnde Polizeibeamte gehört. Eineinhalb Stunden dauerte es, um das Bildmaterial (rund 1000 Bilder und über 50 Filmdateien mit kinderpornografischem Inhalt) zu sichten, das die Beamten im Juli 2012 auf dem PC, dem Laptop und dem Handy des Angeklagten sicher gestellt hatten. Die rund 30 Aufnahmen, die der 38-Jährige knapp zwei Jahre zuvor in seiner Wohnung in einer Gemeinde im Unteramt von seiner Stieftochter gefertigt und später ins Internet gestellt hatte, befanden sich nicht mehr darunter.

Auf seine Spur kamen die Ermittler, weil das Bundeskriminalamt in Wiesbaden Ende 2011 von der aus-tralischen Polizei einen Tipp erhielt. Die dortigen Fahnder hatten auf einschlägigen Seiten im Internet bislang unbekanntes kinderpornografisches Material entdeckt. Das wiederum führte zu einem pädophilen Nutzer in Norddeutschland (gegen ihn ist ebenfalls ein Verfahren anhängig), der unter dem Namen „Slayer“ im Netz aktiv war. Dieser stand in Kontakt mit seinem Tauschpartner in Reutlingen.

„Wir sind ja froh, dass wir diese Dinge nicht so häufig haben“, begründete Richter Friederich Haber-stroh, weshalb er aus Verständnisgründen des Öfteren nachfragen musste. So wollte er wissen, ob sich „das frische Material“ (also jene in der Pädophilenszene so begehrten Bilder) nur bei „Slayer“ auf dem Rechner befunden habe, oder ob es auch im Internet kursierte. Letzteres wurde von dem Polizeibeamten bejaht. Es habe sich eindeutig um Material gehandelt, das der Angeklagte mehr oder weniger „auf Wunsch der Internetpartner“ erstellt hatte. Ob der vorliegende Fall etwas Besonderes gewesen sei, wollte Haberstroh abschließend noch wissen. Auch das bejahte der Ermittler: „In der Regel werden die Bilder weiter verbreitet, aber nicht selbst gefertigt.“

Zu einer Überraschung kam es, als die Nebenklagevertreterin Ingrid Laitenberger-Schierle einen Brief des geschädigten Mädchens verlesen wollte. Ein Ansinnen, das der Verteidiger völlig unverständlich fand. Schließlich habe man das ganze Verfahren „mit Blick auf den Opferschutz betrieben“, so Bernd Kiefer. Sollte die Nebenklage diesen „Ball anstoßen“, müsse man damit rechnen, dass auch die Glaubwürdigkeit des Mädchens zu prüfen sei. Als sowohl der Staatsanwalt als auch der Vorsitzende Richter erklärten, dass die Verlesung des Briefes eine Ladung des Mädchens zur Folge haben würde und sie als Stieftochter keine Zeugnisverweigerungsrecht habe, verzichtete die Nebenklagevertreterin in Absprache mit der Mutter darauf. Freilich nicht ohne darauf hinzuweisen, wie sehr das Opfer durch das Geschehene belastet und traumatisiert sei.

Staatsanwalt Werner ging abschließend auf die Besonderheit der Taten ein. Kinderpornografie sei leider „das tägliche Brot“ der Ermittler, unüblich sei aber schon, dass sich einer an seiner eigenen Stieftochter vergreife, um frisches Bildmaterial zu beschaffen. Dass er das Mädchen auch noch mit Plakaten fotografierte, auf denen beleidigende Texte standen, um zu zeigen, dass es sich nicht um „08-15-Material“ handle. Das habe den pädophilen Tauschpartnern „einen besonderen Kick“ verschafft. Die Einlassung des Angeklagten, dass er die Bilder zunächst nicht mit dem Hintergedanken, sie ins Internet zustellen, sondern nur für sich selbst gemacht hätte, ließ Werner nicht gelten. Auch nicht dessen Behauptung, dass er auf keinen Fall pädophil sei. „Ja welche Gründe sollte er denn sonst haben?“ Weil es sich bei der Stieftochter um eine Schutzbefohlene handle, die in einem wehrlosen Zustand missbraucht wurde, handle es sich um einen besonders schweren Fall. Für den Angeklagten spreche neben dem Geständnis, dass er zuvor unbescholten war und dass die Taten einige Zeit zurückliegen. Eine Gesamtstrafe von vier Jahren forderte der Staatsanwalt, ein Strafmaß, das auch die Nebenklagevertreterin für angemessen hielt.

Nicht so der Verteidiger. Er betonte zwar, wie abstoßend das Verhalten seines Mandanten gewesen sei, gab aber zu bedenken, dass man ihn nicht mit „der Logik unseres Denkens“ beurteilen könne. Es habe sich um eine Phase im Leben des Angeklagten gehandelt, in der dessen Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, „wenn nicht sogar aufgehoben“ gewesen sei. Mittlerweile sei er in einer neuen Partnerschaft und habe eine gute Prognose. Er bat deshalb um eine Bewährungsstrafe. Der Angeklagte selbst entschuldigte sich in seinem letzten Wort bei allen und bereue zutiefst, was er getan habe. Er könne es selbst nicht mehr nachvollziehen und bitte „um Gnade“.

„Das nehmen wir ihnen ab, dass Sie davon wegkommen wollen“, so Richter Haberstroh in seiner Urteilsbegründung. Was das Strafmaß betrifft, musste sich das Schöffengericht an die gesetzlichen Vorgaben halten: Zwei Jahre Mindeststrafe pro Missbrauchsfall, erschwerend kam der Vertrauensmissbrauch hinzu, was letztlich zu der Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten führte.


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