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Rottweil

Dreifach-Mord am Einschulungstag: Prozess beginnt

Wegen dreifachen Mordes am Tag der Einschulung seines Sohnes muss sich ein 41-Jähriger seit Freitag am Landgericht Rottweil verantworten.

16.03.2018
  • dpa/lsw

Rottweil. Er soll das sechs Jahre alte Kind bei einer privaten Feier in Villingendorf (Kreis Rottweil) erschossen haben, ebenso wie den neuen Freund seiner Ex-Partnerin und dessen Cousine. «Ich mache im Moment keine Angaben», sagte er zum Prozessauftakt am Freitag. Er war in Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden und hatte sein Gesicht mit einem Kleidungsstück verdeckt (Az.: 1 Ks 10 Js 10802/17).

Der Angeklagte habe es laut Anklage nicht akzeptiert, dass sich die Mutter des gemeinsamen Kindes im Februar 2017 von ihm getrennt hatte. Sie verschonte er bei der Tat am 14. September 2017 nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bewusst, um ihr durch den Tod ihrer Angehörigen Leid zuzufügen. Nach fünftägiger Flucht wurde der Mann gefasst.

Der mutmaßliche Täter soll sich am Abend der Einschulungsfeier kurz nach 21.30 Uhr an die Terrasse der Wohnung seiner Ex-Partnerin und ihres neuen Freundes herangeschlichen haben, wo sich die Erwachsenen aufhielten. Zuerst habe er auf den Mann, dann auf dessen Cousine geschossen. Die Ex-Partnerin des Angeklagten konnte flüchten. Über die angelehnte Eingangstür ging er in die Einliegerwohnung und habe im Wohnzimmer dreimal auf den Jungen geschossen. «Er wusste, dass er ihn töten würde - und darauf kam es ihm an», sagte der Staatsanwalt.

Die 31 Jahre alte Mutter des Kindes berichtete nach der Tat, ihr Ex-Partner habe vor dem ersten Schuss «irgendwas mit schöner Abend» gesagt, wie ein Polizist beim Prozessauftakt berichtete.

Neben dem Gewehr, dass sich der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft in Kroatien besorgt hatte, hatte er demnach auch eine Tasche mit Kabelbinder, Klebeband und eine Flasche mit Benzin dabei. Laut Staatsanwaltschaft handelte er heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. Deshalb lautet die Anklage auf Mord.

Am ersten Prozesstag spielte das Gericht den aufgezeichneten Notruf mit der panischen Stimme der Mutter des getöteten Kindes ab. «Er hat geschossen», sagte sie demnach am Telefon zu einem Polizisten. «Mein Sohn ist zu Hause». Sie hatte sich zu Nachbarn geflüchtet, die mit ihr die Polizei riefen. 

Zeugen aus der Nachbarschaft wollen laut Polizei gehört haben, wie jemand nach den Schüssen unter anderem rief: «Ich habe sie gewarnt» und «Da will mir jemand mein Kind wegnehmen». Die Mutter des Sechsjährigen hatte sich im Februar 2017 von dem mutmaßlichen Täter getrennt und wegen Bedrohungen seinerseits später ein Kontaktverbot erwirkt.

Im Prozess treten neun Angehörige der Opfer als Nebenkläger auf - unter anderem die Ex-Partnerin des Angeklagten, die aber beim Prozessauftakt nicht im Gerichtssaal war. «Wir haben es mit einem Tatgeschehen zu tun, das fassungslos macht», hatte Verteidiger Bernhard Mussgnug vorab gesagt. Die Psychologie des Falls sei schwierig. Möglicherweise werde er nach einigen Verhandlungstagen eine Erklärung für seinen Mandanten abgeben - wenn sich der Prozess «versachlicht» habe.

Der Prozess lief unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ab. Im Saal waren für Besucher keine Gegenstände erlaubt, die beispielsweise geworfen werden könnten. Etliche Kräfte sicherten den Ablauf. Im Prozess wird auch ein psychiatrischer Gutachter gehört. Bei dem Angeklagten gibt es nach Angaben des Verteidigers Hinweise auf Persönlichkeitsstörungen - «ob die zu einer Schuldminderung führen, bleibt abzuwarten».

Laut Gericht sollen 92 Zeugen aussagen, für den ersten Verhandlungstag die Polizisten, die als erste am Tatort waren. Das Landgericht Rottweil hat 18 Verhandlungstage bis zum 26. Juni angesetzt.

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16.03.2018, 07:27 Uhr | geändert: 16.03.2018, 14:30 Uhr

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