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Singender Bürgermeister: Gemeinderat fühlt sich gefilmt

Dreimal Veto gegen Aufnahmen bei Rist-Gesangsstunde

Auch eine Woche nach dem merkwürdigen Auftritt von Finanzbürgermeister Peter Rist beschäftigen sich die Fraktionen des Reutlinger Gemeinderats weiterhin mit dessen Gesangseinlagen während der Haushaltseinbringung. Einige beanstanden nun die Filmaufnahmen.

21.11.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas vom Scheidt bezeichnet den Gesangsvortrag nicht nur als unangemessen, er befürchtet auch, dass der Gemeinderat durch die Filmaufnahmen lächerlich gemacht werden könnte. „Als wir die Aufnahmen erlaubt hatten, gingen wir davon aus, dass diese für nachrichtliche Berichterstattung verwendet werden. Nun aber soll ein Film über Peter Rist entstehen. Da wollen wir erst mal wissen, was dabei herauskommt“, sagt vom Scheidt.

Er hat sich deshalb an OB Barbara Bosch gewandt mit der Aufforderung, dass die Aufnahmen vorerst nicht verwertet werden. „Da wollen wir vorher gefragt werden“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Er geht davon aus, dass sich die OB nun Gedanken mache, wie sie mit Finanzbürgermeister Rist über den Vorfall spreche. „Wir haben schließlich noch einige gemeinsame Sitzungen.

SPD und Grüne haben sich der Bitte der CDU, die Aufnahmen zunächst nicht zu verwenden, angeschlossen. „Wir befürchten, dass daraus ein Werbefilm für Rist wird – und da wollen wir keine Staffage sein“, sagt der Kreisvorsitzende und Stadtrat Sebastian Weigle. Kein Verständnis hat die SPD auch für die Äußerungen des Finanzbürgermeister auf dessen Facebook-Seite, er habe abseits der Musik eine Aufgabe zu erfüllen gehabt, die ihm sehr schwer fiel. „Es mag eine fordernde Aufgabe sein, aber dafür hat er sich vor acht Jahren auch beworben“, sagt Weigle – und betont, dass seine Fraktion damals Rist nicht gewählt habe.

Auch die Grünen fühlen sich durch die Aufnahmen im Gemeinderat gefilmt. „Eine Dokumentation war angekündigt, jetzt soll es aber ein Werbefilm für Rist werden. So haben wir nicht gewettet“, sagt Fraktionssprecher Rainer Buck und begründet damit, warum auch seine Partei nachträglich ihr Veto eingelegt hat. Zum Vortrag des Finanzbürgermeisters sagt Buck: „Einhellige Meinung bei uns ist: ein peinlicher Auftritt! Die OB hätte eigentlich eingreifen müssen oder sich dazu äußern, dass dies der Problematik des Haushalts nicht angemessen war.“

Selbst Stadträte, die Rist sonst wohlgesonnen sind, gehen auf Distanz. „Das hätte nicht sein müssen. Wir sind in einer Großstadt, nicht in Bempflingen“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Julius Vohrer. „Ich kann Rist sehr gut leiden – aber ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Das Gesicht der OB sprach ja Bände.“

Für die FDP ist der Vorfall aber ebenso erledigt wie für die FWV. „Es war sicherlich von Rist als Gag gemeint, um sich in den Filmaufnahmen als singender Bürgermeister zu präsentieren“, sagt Fraktionsvorsitzender Jürgen Fuchs. Der Auftritt sei sicher nicht mit denen anderer Kollegen zu vergleichen, aber als angehender Künstler habe sich Rist wohl Freiheiten herausgenommen. Die FWV hänge das aber tief, „wir machen jetzt nichts mehr“. Der Finanzbürgermeister scheidet bekanntlich Mitte nächsten Jahres aus seinem Amt und verlegt sich dann ganz auf seine Schlagerkarriere.

„Vertiefen statt vertonen“ – Thomas Ziegler (RSÖ) hätte von Fachmann Rist profundere Überlegungen erwartet. „Die OB hat in ihrer Rede deutlich mehr Substanz eingebracht.“ Wenn Rist politisch geworden sei, dann konträr zur Oberbürgermeisterin: „Sie beschrieb ein Einnahmeproblem, er dagegen bezeichnete die Einnahmeseite als blendend“, erklärt Ziegler. Er habe sich anfangs richtig aufgeregt über den Auftritt, sagt Werner Schobel (WiR) – aber Fremdschämen, den Gefallen tue er Rist nicht.

OB Barbara Bosch habe im Vorfeld nicht gewusst, dass sich Finanzbürgermeister Peter Rist bei der Einbringung des Haushalts vor einer Woche singend äußern werde. Dies erklärt ihr Pressesprecher Wolfgang Löffler auf TAGBLATT-Nachfrage. Der Vorfall werde intern aufgearbeitet im Rahmen der Haushaltsgespräche. Auf die Frage, ob solche Auftritte nicht zu verhindern seien, sagt Löffler: „Der Finanzbürgermeister ist vom Gemeinderat gewählt und deckt sein Aufgabengebiet eigenverantwortlich ab. Die OB spricht mit den Bürgermeistern die Fakten, aber nicht die Formulierungen ab.“

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