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Plötzliches Geständnis im Prozess

Drogenhändler aus Mössingen räumt sämtliche Tatvorwürfe ein

Seit Mai prozessiert das Landgericht Tübingen gegen drei Männer aus dem Steinlachtal. Gestern gab ihr vermeintlicher Chef zu: Alle Rauschgiftdelikte, die die Staatsanwaltschaft ihm zur Last legt, hat er begangen.

16.07.2015
  • Kathrin Löffler

Tübingen/Steinlachtal. Vier Verhandlungstage, vier Mal mauerten die Angeklagten – oder servierten Eingeständnisse ihrer Taten nur häppchenweise. Am gestrigen fünften Prozesstag räumte ein 43-jähriger Mössinger alle Vorwürfe aus der Anklageschrift ein. Demnach hat er mit seinem Bodelshäuser Kompagnon zwischen Dezember 2013 und Herbst 2014 regelmäßig in den Niederlanden Heroin, Kokain und Marihuana beschafft und vom Steinlachtal aus weiterverkauft.

Im bisherigen Verfahrensverlauf hatte der mutmaßliche Drahtzieher das Gericht glauben machen wollen, selbst drogensüchtig zu sein und lediglich als Kurier agiert zu haben. Jetzt bekannte der Mössinger: Er war Lieferant, hat den Drogenhandel gemeinschaftlich verübt und sich damit eine beträchtliche Einkommensquelle verschafft. Dass dieses umfassende Geständnis bis dato ausgeblieben war, mochte verwundern – hatte die Polizei ihn und seinen Bodelshäuser Mitangeklagten doch mit drei Kilo Drogen im Kofferraum festgenommen. „Er hat erkannt, dass seine Taktik keinen Erfolg hat“, begründete sein Verteidiger Thomas Weiskirchner die späte Kehrtwende. Sein Mandant wolle nun einen Schlussstrich unter seine kriminelle Vergangenheit ziehen.

Dagegen bestand der mutmaßliche Mitlieferant weiter auf seine Unschuld. Der 40-jährige gebürtige Kasache insistierte: Er sei nicht in Holland gewesen. Er habe nur den Chauffeur für den russischstämmigen Mössinger gespielt. Er habe nichts mit jenem gemeinsam gemacht und von dessen Geschäften nichts gewusst. Seine Beteiligung am Rauschgifthandel sei Unsinn.

Oberstaatsanwalt Bernhard Henn zeigte sich dessen bewusst, dass gegenseitiges Anschwärzen „unter Russen und Kasachen nicht üblich“ sei. Das Beharren des Bodelshäusers auf der bloßen Fahrerrolle wies er dennoch als „blöd“ aus – zumal sein Mitbeschuldigter ja gemeinschaftliches Dealen in 13 Fällen gestanden hatte. Henn: „Sie reden um den heißen Brei und merken nicht, dass viele Jahre dabei herauskommen, wenn man eins und eins zusammenzählt.“

Der verantwortliche Kriminalkommissar deutete aus den im relevanten Zeitraum fast täglich geführten Telefonaten ein „enges Verhältnis“ der beiden Angeklagten. In den überwachten Gesprächen ging es zwar nie wörtlich um Betäubungsmittelgeschäfte. Für die Ermittler schien aber offensichtlich, dass sich die Dialoge um illegale Vorhaben drehten: Beispielsweise verabredeten sich die Verdächtigen für einen späten Freitagabend zum Wäschewaschen, wobei vom Waschpulver ein Stück für einen Anderen separiert werden sollte.

Laut Dolmetscherin hat sich der Mössinger in den Telefonaten als Befehlsgeber erwiesen. Die Freundin des verurteilten Rottenburgers, der Abnehmer der Steinlachtäler war, gab gestern an, davon ausgegangen zu sein, dass die beiden Männer „das zu zweit gemacht“ hätten. Kriminalpolizisten beobachteten den Bodelshäuser auch, wie er mit dem dritten Angeklagten, einem 37-jährigen Mössinger, nach Balingen fuhr. Ihre dortige Kontaktperson soll das Treffen mit einem „pflastersteingroßen in weißes Papier eingewickelten Gegenstand“ verlassen haben.

Verteidigerin Birgit Scheja beklagte, dass die Polizei jegliches Handeln des 37-Jährigen in Zusammenhang mit Drogengeschäften bringe. So sei eine Tour nach Ulm „ohne nachzuforschen“ als Beschaffungsfahrt eingestuft worden – dabei habe ihr Mandant dort einer weiteren Strafverhandlung beiwohnen müssen.

Richter: Ulrich Polachowski; Beisitzer: Daniel Valerius; Schöffen: Insa Beier, Petra Neuweiler; Oberstaatsanwalt: Bernhard Henn; Verteidiger: Birgit Scheja, Thomas Weiskirchner, Christoph Geprägs; Sachverständiger: Hannes Moser.

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16.07.2015, 12:00 Uhr

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