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Im Gespräch war eine Tonne Kokain

Drogenprozess vorerst ausgesetzt

Die Gespräche zwischen Anklage und Verteidigern im Prozess um den Schmuggel von 130 Kilogramm Kokain zeigen Wirkung: Einige Angeklagte wollen aussagen. Die Verteidigung forderte Einsicht in weitere Ermittlungsakten: Sie will wissen, wie der Deal genau eingefädelt wurde.

22.09.2012
  • Jonas Bleeser

Tübingen. Der zweite Prozesstag begann mit einer formalen Erklärung der Verteidiger der 38-jährigen Kolumbianerin, die gemeinsam mit sieben Mitangeklagten 130 Kilogramm Kokain von Ecuador nach Engstingen geschmuggelt haben soll: Ihre Anwälte bezweifeln, dass das Landgericht Tübingen zuständig ist. Denn aus den vorliegenden Ermittlungsakten gehe hervor, dass der Transport nach Deutschland erst auf Drängen des verdeckten Ermittlers des Landeskriminalamts zustande kam.

Es sei den Ermittlern nur darumgegangen, „einen Tatort in Deutschland zu kreieren“, so Rechtsanwältin Gabriele Rittig. Spätestens nach der Übergabe des Kokains in Antwerpen habe die Polizei den Transport jederzeit unterbrechen können, da er „durchgängig unter ihrer Kontrolle stand“ – schließlich habe der Beamte des Landeskriminalamts die heiße Ware selbst transportiert. Die Angeklagten hätten nie vor gehabt, die Drogen in Deutschland auf den Markt zu bringen. Das belegten Aussagen des verdeckten Ermittlers in den Akten und Chat-Protokolle des Blackberry-Handys, mit dem er Kontakt zu den Lieferanten hielt. Denn von Engstingen aus hätten die Drogen in die Niederlande gebracht und dort verkauft werden sollen.

Dafür spreche auch, dass der Spediteur seine 250 000 Euro Lohn in einem Amsterdamer Hotel bekommen sollte. Zuständig sei also eigentlich die Justiz der Niederlande. Die Zweifel an der Zuständigkeit des Tübinger Landgerichts haben einen formaljuristischen Hintergrund: Sie könnten ein Ansatz für eine erfolgreiche Revision sein – vorausgesetzt, der dafür zuständige Bundesgerichtshof befindet später tatsächlich, dass in Tübingen gar nicht hätte verhandelt werden dürfen.

Die Dealer trafen sich in Metzingen

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass sie mit Recht ermittelt hat. Das erste Treffen, bei dem über den illegalen Import gesprochen wurde, fand in Metzingen statt, also im Zuständigkeitsbereich der Tübinger Ermittlungsbehörde. Allerdings war das eine bewusste Entscheidung der Polizei. Ins Hotel „Schwanen“ hatte der verdeckte Ermittler seine beiden Kontaktleute gelotst. Einer ist mit einem der Tübinger Angeklagten verwandt, der andere mit Decknamen „Andres“ mit der jüngsten Angeklagten verheiratet. In Metzingen ging es wohl auch um zukünftige große Geschäfte: Im Ermittlungsbericht des Landeskriminalamts ist von einer Tonne Kokain aus Kolumbien die Rede.

Wie genau es zu dem Treffen kam, darüber wollen die Anwälte der 38-Jährigen mehr wissen. Laut einem ersten Bericht des LKA in den Akten soll „Andres“ den verdeckten Ermittler angerufen und ihm das Drogengeschäft vorgeschlagen haben – ohne, dass die beiden sich kannten. Im Abschlussbericht dagegen steht, sie hätten bereits 2009 über einen Kokain-Schmuggel verhandelt. Damals tauchten 19 Kilogramm Kokain aus Venezuela am Frankfurter Flughafen auf. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft Hechingen gegen „Andres“, stellte das Verfahren jedoch ein. Um Andres’ Rolle im aktuellen Fall einschätzen zu können, beantragten die beiden Verteidiger der 38-Jährigen Einblick in die Ermittlungen sowie in die Akten der Staatsanwaltschaft Hechingen.

Das Gericht will seine Entscheidung darüber am 9. Oktober bekannt geben. Dann könnten auch erstmals die Angeklagten zu Wort kommen. Einige gaben am Freitag an, zu Aussagen bereit zu sein. Bei einem Teil spielte dabei ein Angebot der Staatsanwaltschaft eine Rolle, bei Geständnissen weniger lange Haftstrafen zu beantragen. Die Kammer kündigte an, dann zügig Urteile zu fällen und die Verfahren gegen die verbleibenden Angeklagten abzutrennen.

Bild: dpa

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22.09.2012, 12:00 Uhr

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