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Kommentar

Druck aus der Region muss stärker werden

Jetzt ist wissenschaftlich bewiesen, was die Befürworter schon immer gesagt haben: Der volkswirtschaftliche Nutzen einer Regionalstadtbahn steht außer Frage. Tausende von Fahrten mit dem Privat-PKW würden täglich entfallen und Emissionen im Gegenwert von rund 1,8 Millionen Euro eingespart.

15.10.2010

Es gäbe weniger Unfälle – auch die verursachen hohe gesamtwirtschaftliche Kosten. Weniger Straßenneubau, weniger alte Straßen sanieren – auf rund zehn Millionen Euro im Jahr beziffert das Karlsruher Verkehrsplanungsbüro PTV die Vorteile einer Regionalstadtbahn – verglichen mit der Alternative: keine Regionalstadtbahn.

Ach, es könnte so schön sein: Die Krankenschwester aus Hechingen steigt frühmorgens in die S-Bahnlinie 1 und ist zwanzig Minuten später auf dem Schnarrenberg in der Klinik. Wenn sie abends einen Zug verpasst – nicht so schlimm: 30 Minuten später kommt schon der nächste. Schüler/innen aus dem Steinlachtal würden damit zum Schulzentrum auf den Höhnisch fahren, nach Derendingen, zu den städtischen Gymnasien, Berufspendler aus dem Kreis nach Reutlingen, Pfullingen oder Metzingen. Und am Sonntag macht die Familie mit der Stadtbahn und Fahrrädern eine Ausflug auf die Schwäbische Alb.

In Freiburg, Offenburg, Karlsruhe, Heidelberg ist das keine Zukunftsmusik. Dort wurden Millionen in den Bau von Stadtbahnen investiert, und die haben sich rentiert: Das Fahrgastaufkommen stieg drastisch, und im gleichen Maße gingen die Bodenpreise entlang den Bahnlinien in die Höhe. Neue Stadtteile und Industrieansiedlungen entstanden.

Die Kreise Tübingen, Reutlingen und Zollernalb haben sich bisher mit politischen Forderungen nach einer Regionalstadtbahn auffällig zurückgehalten. Zögerlich nur genehmigten sie eine Planung, gaben schließlich die standardisierte Bewertung in Auftrag – streng nach dem Motto „Das geht schon seinen Gang“. Noch heute hat man den Eindruck, dass Ratsmehrheiten vom Projekt Stuttgart 21 mehr bewegt werden als von der Regionalstadtbahn. Bauen sie darauf, dass der regionale Schienen-Ausbau im Windschatten des Großprojektes quasi automatisch voran kommt?

Das könnte ein fataler Irrtum sein. Denn die bisherige Finanzierung, nach der 70 Prozent der Kosten des Schienenausbaus vom Bund getragen werden, endet 2019. Wenn der Kreis und die Region mit der Regionalstadtbahn im gleichem Tempo wie bisher weiter wursteln, dann sind bis dahin noch nicht einmal Pläne und Anträge für den ersten Teilabschnitt geschrieben. Ob es nach 2019 noch eine Bundes- oder Landesförderung in diesem Umfang gibt, erscheint nach derzeitiger Entwicklung der öffentlichen Haushalte mehr als fraglich. Wenn die Region beim Projekt Regionalstadtbahn jetzt nicht Gas gibt, politisch Druck macht, dann ist der Zug vielleicht schon hinaus.

Ulrich Eisele

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15.10.2010, 12:00 Uhr

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