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Jenseits der Abstraktion

Druckgraphik aus der Sammlung Voelter im Tübinger Uni-Museum

Von Berliner Straßenszenen Max Beckmanns zu den Dichterporträts von Horst Janssen: Die neue Ausstellung im Uni-Museum wurde vom Tübinger Sammlerpaar Heide und Wolfgang Voelter gestiftet.

07.11.2014
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Der elegante Eierschalenton des Ausstellungskabinetts wirkt als einender Rahmen für die druckgraphischen Arbeiten der Sammlung Voelter. Gleich am Eingang empfängt die Besucher Max Pechsteins Holzschnitt „Der Betende“ (1919), gefolgt von Erich Heckels Lithographie „Eccentric Clown“ aus dem Jahr 1948.

Es war typisch für westdeutsche Sammler, in der Nachkriegszeit zunächst an den Expressionismus wieder anzuknüpfen und sich nicht sofort für die Abstraktion zu begeistern, sagte Prof. Anette Michels von der Graphischen Sammlung des Kunsthistorischen Instituts gestern. Auch das Sammlerpaar Heide und Wolfgang Voelter konzentrierte sich auf gegenständliche Kunst, bei einem wachen Interesse an Gesellschaftskritik.

Die saturierte Wohlstandsgesellschaft infolge des westdeutschen Wirtschaftswunders karikiert beispielsweise A. Paul Weber in seinen Lithographien. Sein „Vorbeimarsch der Elite“ (1959) lässt sich als demaskierender Rückblick auf die NS-Zeit deuten. Über den in Tübingen lebenden Sohn des Künstlers konnten die Voelters weitere Stücke erwerben, so Michels.

Sie hat die nuancenreiche Schau mit einer Gruppe von Studierenden zusammengestellt. Auch der Begleitkatalog wurde gemeinsam verfasst. „Wir wollen Stiftungen auch für die Lehre nutzen“, erläuterte Museumsleiter Ernst Seidl.

Den internationalen Blick der Sammler, die von Berufs wegen auch in Pakistan und in den Vereinigten Staaten lebten, bezeugen unter anderem zwei japanische Holzschnitte des Meisters Toyokuni Utagawa aus dem 19. Jahrhundert sowie drei präkolumbische Figurinen aus West-Mexiko vor der Kolonisation durch die Spanier.

In der Panzerglasvitrine mit den drei Beckmann-Blättern – „Im Hotel“ wurde aus der Sammlung Hedwig Rieth hinzugefügt, weil es ebenfalls aus der Mappe „Berliner Reise“ stammt – sind auch die präkolumbischen Figuren platziert. Das geschah nicht nur, weil sie mit den Beckmann-Graphiken die wertvollsten Stücke sind, sagte Michels. Bei Beckmann finde sich eine vergleichbare Zuspitzung und Vereinfachung der Gesichtszüge.

Den Neuen Realismus in der Bundesrepublik vertreten Harald Duwe und Peter Nagel. Dem Biochemiker Wolfgang Voelter besonders nahe ist die Nobelpreis-Serie von Friedrich Meckseper, eine Mappe von sechs exquisiten Farbradierungen zu den Themen Chemie, Physik, Literatur, Medizin, Ökonomie und Frieden.

Ein Schwerpunkt ist das Werk von Lambert Maria Wintersberger, der sich von der Pop Art inspirieren ließ. Mit ihm verband die Voelters eine besondere Freundschaft.

Der Katalog gibt zudem Auskunft über die Lebensumstände der Sammler zur Anschaffungszeit bestimmter Stücke. Die beiden Beckmann-Lithographien etwa konnten sich die Voelters dank der gemeinsamen Publikation „Organische Experimentalchemie“ leisten, die zum Longseller wurde.

Info Bis einschließlich Sonntag, 15. Februar, Uni-Museum im Tübinger Schloss, Burgsteige 11. Mi bis So 10 bis 17 Uhr (Do bis 19 Uhr).

Druckgraphik aus der Sammlung Voelter im Tübinger Uni-Museum
Kritik der Wohlstandsgesellschaft: A. Paul Webers „Konfekt“.Bild:Sommer

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07.11.2014, 12:00 Uhr

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