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USA

„Du bist gefeuert!“

Präsident Trump setzt seine Reality-Show im Weißen Haus fort. Nach dem Außenminister soll der Sicherheitsberater gehen.

17.03.2018
  • PETER DE THIER

Washington. Im Weißen Haus geht die Angst um. Mancher bezweifelt, dass eine Regierung, die von den Handlungen eines unberechenbaren Präsidenten geprägt ist, noch arbeitsfähig ist und künftig noch kompetentes Personal rekrutieren kann. Denn nachdem Wirtschaftsberater Gary Cohn den Hut nahm und Präsident Donald Trump via Twitter seinen Außenminister Rex Tillerson feuerte, soll nun auch der nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster vor der Entlassung stehen. Wie aus Regierungskreisen verlautet, könnte Stabschef John Kelly als nächster vor die Tür gesetzt werden.

Nach Berichten der Washington Post hat Trump bereits entschieden, McMaster zu entlassen. Allerdings solle sichergestellt werden, dass die Kündigung nicht als Demütigung angesehen wird. Persönlich hatten sich der hitzköpfige Präsident und der intellektuelle, politisch moderate General und Geschichtsprofessor nie gut verstanden.

Neben Zweifeln an der Funktionsfähigkeit einer ausgedünnten Regierung beherrschen in Washington mittlerweile zwei Fragen die politische Diskussion: Warum dreht sich das Personalkarussell immer schneller, und welche Beweggründe verbergen sich hinter Trumps Entscheidungen? Dem Präsident selbst scheint das Chaos Genugtuung zu bereiten: „Es wird laufend Veränderungen geben, denn ich will jedenfalls immer neue Ideen hören.“ Das Ganze erinnert an die Reality-Show „Der Lehrling“, in der Trump jede Episode mit den Worten „Du bist gefeuert!“ beendete.

Von Ermittlungen ablenken

Die wahren Gründe dürften tiefer liegen. „Das ganze Theater, dazu zählen neben den Entlassungen auch die überraschenden Strafzölle und das geplante Treffen mit Kim Jong Un, ist lediglich eine Rauchwand, um von den Ermittlungen des Sonderstaatsanwalts Robert Mueller abzulenken“, ist der demokratische Stratege Paul Begala überzeugt. Demnach merke Trump, dass sich die Schlinge immer weiter zuzieht, und mit einer sensationellen Entscheidung nach der anderen wolle er sicherstellen, dass die Ermittlungen aus den Schlagzeilen verdrängt werden.

Tatsächlich war am Donnerstagabend bekannt geworden, dass das Anwaltsteam um den ehemaligen FBI-Direktor nun gegen Trumps Firmenimperium ermittelt. Mueller hat bereits Vorladungen verschickt, um Mitarbeiter zu zwingen, Dokumente zur Verfügung zu stellen, die Aufschluss geben könnten über geschäftliche Beziehungen mit Russland. Pikant könnte auch die sich weiter zuspitzende Affäre um Porno-Star Stormy Daniels werden.

„Selbst bisher, als noch Erwachsene wie Kelly, McMaster und Tillerson eine Rolle spielten, herrschte Verwirrung“, stellt der frühere Pentagon-Sprecher John Kirby fest. „Zu erwarten ist, dass die Dinge nun erst recht aus dem Ruder laufen.“ Peter De Thier

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17.03.2018, 06:00 Uhr

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