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Wendig für den Weltmarkt

Dürre in USA beschert Tübinger Bauern gute Erlöse

Die Getreideernte läuft auf Hochtouren. Kilian Schmid ist bisher zufrieden mit Ertrag und Qualität. Auch der Erlös dürfte in diesem Jahr stimmen. Denn Schmid profitiert wie alle seine Bauern-Kollegen im Landkreis von der Dürre in den USA.

04.08.2012

Kreis Tübingen. Morgens im Ammertal, mittags bei Wurmlingen und Hirschau, abends zwischen Rottenburg und Wendelsheim. Kilian Schmid kommt rum an diesem heißen Sommertag. Unentwegt zieht er seine Runden auf dem kleinen roten Traktor. Knapp 20 Jahre hat die Landmaschine auf dem Buckel und damit nur ein paar weniger als der Landwirt vom Schwärzlocher Hof.

Mit 26 Jahren ist Kilian Schmid einer der jüngsten Landwirte im Landkreis. Noch dazu einer, der den Sprung vom Nebenerwerb zum Haupterwerb gewagt hat. „Dieser Schritt ist eher die Ausnahme“, sagt der Michael Bilger, Chef der Landwirtschaftsabteilung im Landratsamt. Aber er sagt auch, dass sich „die Stimmung bei den jungen Landwirten umgekehrt hat“. Nach Jahren der Existenzangst herrsche nun eine „positive Grundstimmung“, hat Bilder beobachtet.

Insofern ist Kilian Schmid also so etwas wie ein Trendsetter. Im Jahr 2007 begann der ausgebildete Landwirtschaftstechniker seinen eigenen Betrieb aufzubauen. Viel Land übernahm er von einem Bauern aus Wurmlingen, der seinen Hof altershalber aufgab. 17 Hektar pachtete Schmid direkt von ihm, weitere 63 Hektar stammen von über 130 anderen Verpächtern. Im vergangenen Jahr übernahm er dann noch die Landwirtschaft des Schwärzlocher Hofes, die seine Eltern zuvor im Nebenerwerb umtrieben. Insgesamt kommt Schmid damit jetzt auf etwas über 100 Hektar Fläche, von denen 15 Hektar reines Grünland sind.

Das ist nicht wenig. Und doch beackert Kilian Schmid einen wahren Flickenteppich von gut 150 Äckern, die sich aus 700 Parzellen zusammensetzen. Manchmal sind es nur kleine Zwickel oder schmale Streifen, die er zwischen den Feldernseiner Kollegen bewirtschaftet.

Da ist der kleine rote Traktor das passende Arbeitsgerät. „Der ist schön wendig“, sagt Kilian Schmid, während er sich den Schweiß von der Stirn wischt. Eine Klimaanlage hat der Trekker nicht. Dafür zieht er einen Schwader, mit dem der Jungbauer die vielen Streifen von Stroh zu größeren Schwaden zusammenrecht. Der Mähdrescher, mit dem er hier an den Tagen zuvor seinen Weizen geerntet hat, häufelte das Stroh in Reihen von drei Metern Abstand. Für die Ballenpresse sind die größeren Schwaden im Abstand von zwölf Metern geschickter.

Viel Stroh häckselt Schmid noch auf dem Acker und pflügt es unter. So spart er Ausgaben für Dünger. Nur im vergangenen Jahr, als es wegen der Trockenheit im Frühsommer kaum Stroh gab und die Preise hoch waren, fiel ihm das schwer.

Bisher ist Kilian Schmid mit der Ernte zufrieden. Anders als im vergangenen Jahr, als es kaum einmal zwei, drei Tage am Stück trocken war und die Bauern ihrem Korn beim Auskeimen zuschauen mussten, stimmen Qualität und Ertrag in diesem Sommer. Und das nicht nur bei Kilian Schmid. Auch Michael Bilger vom Landratsamt spricht von „im Schnitt durchschnittlichen bis guten Erträgen“. Was der Hagellocher Landwirt Christian Reutter bestätigt: „Das gibt ein gescheites Brot“, sagt der Obmann der Landwirte im Kreis über seinen bisher geernteten Weizen.

Besonders freuen sich die Landwirte aber über die Getreidepreise. Für seine Wintergerste, die als Viehfutter verwendet wird, erzielte Kilian Schmid einen Tagespreis von 19,50 Euro für den Doppelzentner. Für den Winterweizen, der zwar „wegen der Kälte im Februar“, wie Schmid sagt, „von der Menge her nicht so toll ist“, gibt es sogar 20 Euro. Das war 2008, als Schmid seine erste eigene Ernte einfuhr, noch anders. Da brachten 100 Kilo Weizen gerade mal zwischen acht und neun Euro, wie sich Schmid erinnert. Und das bei Ausgaben von 45 Euro pro Doppelzentner Dünger. „Da hat man praktisch umsonst gearbeitet.“

Diese Jahr indes wird der Getreidepreis auf dem Weltmarkt durch die in den USA erwartete Missernte angeheizt. „Es ist schon irre“, sagt Kilian Schmid, „dass sich die Dürre dort auf meine Preise auswirken kann.“

Da lohnt sich auch mal eine Nachtschicht. Bis nach Mitternacht war der Landwirt vom Schwärzlocher Hof an dem Tag unterwegs. Als alles Stroh geschwadert war, tauschte er den Traktor mit dem Mähdrescher und erntete seinen Sommerweizen. Und am nächsten Tag ging es weiter, „die Strohballen heimholen“. Dennoch hat Kilian Schmid seinen Entschluss, Bauer zu werden, bisher nicht bereut: „Die meiste Zeit macht es Spaß.“

Dürre in USA beschert Tübinger Bauern gute Erlöse
Wendig für den Weltmarkt

Im Landkreis Tübingen werden insgesamt 20 093 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt, knapp 70 Prozent davon für den Ackerbau.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis gibt das Statistische Landesamt fürs Jahr 2010 mit insgesamt 419 an; im Jahr 1999 waren es noch 598. Die Zahl der Haupterwerbsbetriebe sank in diesem Zeitraum von 154 auf 95, die der Nebenerwerbsbetriebe von 411 auf 272.
Ganz unterschiedlich ist die Betriebsgröße: Nach den jüngsten Zahlen beackern 216 Haupt- und Nebenerwerbslandwirte im Kreis über 20 Hektar Fläche. 112 von ihnen bewirtschaften 50 Hektar und mehr. Die Durchschnittsgröße im Kreis liegt bei 48 Hektar pro Betrieb und damit deutlich über dem Landesschnitt von 31 Hektar.

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04.08.2012, 12:00 Uhr

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