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Dunkle Zeiten für Amerikas Medien
Klare Ansage für alle, die er nicht mag: Donald Trump während seiner ersten Pressekonferenz. Foto: dpa
Presse

Dunkle Zeiten für Amerikas Medien

Für Donald Trump sind Journalisten „die niedrigste Form des Daseins“. Experten warnen: Solche Töne gab es in den USA seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr.

13.01.2017
  • DPA

Washington. Allen Dementis zum Trotz muss sich der künftige US-Präsident Donald Trump weiter mit Berichten über belastendes Material in den Händen Russlands auseinandersetzen. Die Geheimdienste hätten noch kein Urteil darüber getroffen, ob die entsprechenden Informationen „glaubwürdig“ seien, erklärte US-Geheimdienstdirektor James Clapper nach einem Gespräch mit dem Milliardär. Trump attackierte Medien und Geheimdienste seines Landes für die entsprechenden Veröffentlichungen.

Schon während seiner ersten Pressekonferenz hatte sich sein gespanntes Verhältnis zu den Medien gezeigt, als er den erfahrenen CNN-Mann Jum Acosta abkanzelte: „Ihre Organisation ist entsetzlich“, der Reporter selbst sei „Fake News“ und er werde ihm keine Frage gestatten.

Seit Monaten erscheinen in den USA unter dem aus der düsteren Serie „Game Of Thrones“ entnommenen Motto „Der Winter kommt“ Artikel zu der Frage, wie sich unter Trump das Verhältnis der Regierung zu den Medien ändern wird. Der designierte Präsident raunte jedenfalls schon öfter, er wolle es leichter machen, Medien zu verklagen.

„Die niedrigste Form des Daseins“ hatte Trump den Journalistenberuf im Wahlkampf genannt. Prompt wurden auf seinen Veranstaltungen T-Shirts gesichtet, auf denen stand: „Seil. Baum. Journalist.“ Es gibt bereits US-Journalisten, die vorsichtig geworden sind, sich öffentlich zu ihrem Beruf zu bekennen.

„Für eine freie Presse und eine Kontrolle der Macht ist dies die dunkelste Zeit in der amerikanischen Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg“, schreibt Jay Rosen von der New York University. Extremer ökonomischer Druck, massiver Ansehensverlust, zu viel Entertainment und ein schlingernder Politikjournalismus sind nur einige seiner Argumente. Die Zersplitterung der Meinungen durch soziale Medien und die Professionalisierung interessengeleiteter Kommunikation tun ein Übriges.

Im Kern vieler Analysen steht die Frage, ob Trump außerhalb sorgfältig konfektionierter Interviews Medien überhaupt noch brauche. Sein Twitter-Account verschafft ihm ein stetes Millionenpublikum, auch wenn eine Umfrage nahelegt, dass er diese Botschaften als Präsident unterlassen möge: drei von vier Amerikanern und sogar 45 Prozent der Republikaner sind davon genervt. Im Weißen Haus regiert jedenfalls bald ein ehemaliger Reality-TV-Star, der das Spiel mit den Medien über lange Jahre perfektioniert hat. dpa

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13.01.2017, 06:00 Uhr

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