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66 Veranstaltungen im Zeichen der Albschnecke

Durch die Bank zufrieden

Acht Wochen lang stand Reutlingen im Zeichen der Albschnecke. Die Organisatoren vom Verein Netzwerk Kultur ziehen jetzt eine rundum positive Bilanz.

07.07.2012
  • Matthias Reichert

Reutlingen. „Aus dem Nichts“ hat das Netzwerk Kultur 66 Veranstaltungen organisiert, die über acht Wochen mehr als tausend Neugierige angezogen haben. Erst war das Schaf als Patron im Gespräch, dann fiel die Wahl, wie berichtet, im Sommer 2011 auf die Albschnecke als Symbol der Entschleunigung. Die Aktion sprach sich schnell herum, das Programm wuchs immer weiter. „Das ist das Prinzip der Vernetzung“, freut sich Mitorganisatorin Brigitte Bausinger im Bilanz-Gespräch mit dem TAGBLATT.

„Wir sind begeistert. Das ist super gelaufen. Wir hatten tolle Rückmeldungen und viel Bewunderung“, bilanziert Edith Koschwitz. Am besten besucht waren die Ausstellungen – 120 bei der Vernissage des Wannweiler Künstlerpaars Heidi und Manfred Degenhardt in der Stadtbibliothek, ähnlich bei der Werkschau von Michael Mänz im Spitalhof, 70 beim Auftakt mit den Grass-Zeichnungen in der Bücherei. Ebenso viele Besucher hatte dort die Lesung „Weichtiergeschichten“ mit Prof. Hermann Bausinger.

Gut angekommen ist auch die Aktion mit den Reutlinger Schnecken-Bänkle. „Die sind oft belegt, sie sehen witzig aus, die Leute sitzen drauf“, freut sich Koschwitz. Wie berichtet, hatten das Stadtmarketing StaRT und die Einzelhändlerinitiative RTaktiv um die 50 Bänke, gestaltet von Künstlern, Schülern und Kindergartenkindern, im Reutlinger Stadtgebiet aufgestellt. Die Bänke laden noch bis zur heutigen verkaufslangen Nacht zum entschleunigten Innehalten beim Einkaufsbummel ein. Sie werden allerdings nicht, wie zunächst geplant, auf dem Marktplatz für einen guten Zweck versteigert. Dafür waren zu wenig übrig geblieben, weil die meisten Geschäfte die Bänke jetzt behalten wollen.

Weniger erfreulich: Bei der Bank von Helmut Bachschuster am Marktplatz wurde der Aufsatz abgetreten. Und eine weitere Bank hat die „Bankräuber“ angezogen. „Blaupause“ hieß das Bänkle, das die Reutlingerin Nesrin Gelberi mit der Studentin Susanne Brehm entworfen und gebaut hatte. Die Bank in Blau war an der Bushaltestelle am Albtorplatz aufgestellt. Von dort haben sie Unbekannte vor kurzem entführt.

Die Fülle der Programmpunkte beeindruckte. Es gab offene Ateliers, eine Liedermatinee, Kutschfahrten, Kalligrafie in freier Natur. Manche Veranstaltungen litten indes unter der Witterung. So war es beim Genießermarkt mit Schneckenrennen am 12. Mai viel zu kühl. Und am 1. Juli kamen zum verregneten Baff-Spektakel in der Pomologie nur etwa hundert Leute ins Zelt. Das Spektakel hätte es auch ohne das Schnecken-Event gegeben. Teils war der Bezug zum Schneckenthema ziemlich großzügig. Die Tonne steuerte etwa einen „Geheimtipp“ zum Theaterprojekt mit Menschen mit Behinderung bei. Koschwitz: „Wir haben versucht, möglichst viele einzubinden. Wir sehen das als eine Möglichkeit, Öffentlichkeitsarbeit für die Kultureinichtungen zu machen.“

Manche Aktionen wurden und werden noch wiederholt, so die Seniorengymnastik im Schneckentempo auf dem Marktplatz. 50 kamen zu Slowfood in die Markthalle, auch der Schneckengarten von Rita und Walter Goller in Münsingen-Rietheim fand bei einer Besichtigung reges Interesse. Auf ein fachkundiges Publikum stießen die Vorträge im Naturkundemuseum. Dort sprachen unter anderem die Tübinger Ökologin Prof. Rita Triebskorn über Schnecken als Nützlinge und Prof. Roman Lenz aus Nürtingen über Albschnecken.

Beeindruckend ist das Event auch, wenn man den begrenzten Etat sieht. 5000 Euro zahlte das Land, 3000 die Stadt. Und 1500 Euro steuerte die Kreissparkasse für die Schnecken-Stele von Peter Barth und Prof. Joachim Kallinich bei. Wo diese vom Marktplatz nun hinkommt, ist noch offen. Die Organisatoren würden sie gerne auf dem Skulpturenhang in Holzelfingen unterbringen – aber dafür wären Zuschüsse vom Landkreis Reutlingen und von den dortigen Gemeinden nötig.

Die Reihe habe zur besseren Verständigung der Künstler, Kultureinrichtungen und Gewerbetreibenden beigetragen, sagen die Organisatoren. Es war eine einzigartige Aktion. Aber „wir werden weiter dazu anregen, spartenübergreifend zu arbeiten“, sagt Koschwitz. „Es kann gut sein, dass wir uns ein anderes Projekt mit einem anderen Schwerpunkt überlegen.“ Doch zunächst beginnen jetzt erst einmal die Vorbereitungen für die Kulturnacht am 28. September 2013.

Durch die Bank zufrieden

Durch die Bank zufrieden

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07.07.2012, 12:00 Uhr

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