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Per Boot in die Erdgeschichte

Durch die engen Kurven der Wimsener Höhle: Kopf einziehen

Die Wimsener Höhle auf der Schwäbischen Alb ist die einzige mit einem Boot befahrbare Höhle in Deutschland. Das klare Wasser der Zwiefalter Aach, enge Felswände und die Ruhe bringen kleine und große Besucher zum Staunen – wobei die Kleinen definitiv im Vorteil sind.

05.06.2015
  • maik wilke

Hayingen.Mit eingezogenen Köpfen und erwartungsvollem Lächeln fahren die zehn Besucher auf dem kleinen Boot durch den schmalen Eingang der Höhle. Der Blick richtet sich zwangsläufig nach unten zu den Füßen – nur Mutige heben den Kopf leicht an und schielen aufs klare Quellwasser. Der weiße Jura lässt zunächst nicht viel Spielraum, doch schon nach wenigen Sekunden ist die Einfahrt gemeistert und der „Große Saal“ der Wimsener Höhle erreicht. Die Köpfe erheben sich – und die Augen werden groß.

Der Anblick der 1,5 Millionen Jahren alten Höhle bringt die Zuschauer zum Staunen. Die Unterwasserbeleuchtung lässt ein buntes Lichtspiel aufscheinen, links und rechts neben dem Boot vermitteln die rauen Felswände ein ungemütliches und gleichzeitig faszinierendes Gefühl der Enge. Ein gutes Verhältnis zum Sitznachbar ist wünschenswert: „Bei der Fahrt durch die engen Passagen wird es richtig kuschlig“, sagt Fährmann Thomas Locher mit einem Lächeln. „Wir haben hier schon einige Paare wieder näher zusammengebracht.“

Die bedächtige Ruhe der Schauhöhle wird lediglich durch das leise Rauschen, das noch vom Ausgang zu vernehmen ist, sowie dem regelmäßigen „Plopp“ der von den Felsen ins Wasser fallenden Tropfen durchbrochen. „Die Besucher brauchen etwas Zeit, um alles wahrzunehmen und zu genießen“, erklärt Locher.

Sobald die anfängliche Ehrfurcht überwunden ist, liefert der Fährmann Informationen zur Friedrichshöhle, wie die Wimsener Höhle offiziell heißt: Konstante acht Grad Celsius haben Wasser und Luft. Die Feuchtigkeit betrage 80 Prozent, im „Großen Saal“ erreicht das Wasser eine Tiefe von knapp drei Metern. Über den Köpfen der Gäste lastet zehn Meter dickes Gestein. „Die Höhle ist immer noch aktiv“, erklärt Locher. „Das bedeutet, dass sie weiter aus dem Berg rausgewaschen wird.“ Etwa zwei Millimeter kämen jedes Jahr dazu.

Nach einigen engen Kurven, bei denen die Besucher in die Mitte des Bootes huschen, wird es langsam dunkler. Immer wieder wandern die gebückten Köpfe von rechts nach links, um den Kanten der Felsen auszuweichen. Kleine Menschen sind hier klar im Vorteil. Nach 70 Metern haben die Passagiere plötzliche eine Sackgasse vor der Nase – kein angenehmes Gefühl. „Ab hier gehts nur noch im Tauchgang weiter“, so Locher.

Bis zu 900 Meter sind erforscht, der Rückweg mit Seilen markiert. Tief unter der Alb entdeckten Taucher vor etwa 20 Jahren 60 Meter unterm Grundwasserspiegel den tiefsten deutschen Unterwasserschacht – damit ist die Wimsener Höhle auch tiefste Quelle Deutschlands.

Die Fahrt mit dem Boot endet allerdings weit vorher. Mit vorsichtigen Bewegungen und meist wenig Eleganz drehen sich die Besucher auf dem kleinen Boot, das bei diesem Vorgang ordentlich ins Wanken gerät, in die entgegengesetzte Richtung. Beim Rückweg werden die Köpfe nochmals eingezogen, nach gut zehn Minuten scheint wieder Tageslicht auf die Köpfe der Passagiere.

Selbst nach neun Jahren ist die Fahrt für Locher immer wieder ein Erlebnis: „Die Leute bringen einfach Freude mit. Deshalb macht selbst die zwanzigste Fahrt am Tag noch Spaß.“ Der Fährmann führt das Boot nur mit der Hand durch die engen Kurven. Auf einen Stab verzichtet er. „Es ist eher eine Gefühlssache, wann man sich wo abstößt, um wieder bei einer Kante oder einem Vorsprung zu landen“, erklärt der 52-Jährige, der den Weg durch die Höhle auswendig kennt. Während der Fahrt geht sein Blick immer zu den Passagiere, ohne hinzuschauen duckt er sich kurz vor den Kanten weg.

Eine besondere Ausbildung oder geologische Kenntnisse sind für den Job als Fährmann nicht notwendig. Die Daten sowie die Geschichte der Höhle könne man lernen, erklärt Locher. Wichtiger seien Naturbegeisterung, ein guter Gleichgewichtssinn sowie eine gute Artikulation. „Die Besucher wollen nicht von einem unsicheren oder lustlosen Fährmann gefahren werden.“

Info: Bis 31. Oktober werden täglich Führungen von 10 bis 18 Uhr angeboten.

Durch die engen Kurven der Wimsener Höhle: Kopf einziehen
Die zehnminütige Fahrt durch die Wimsener Höhle bringt junge und alte Passagiere gleichermaßen zum Staunen.Bild: Geo-Park Schwäbische Alb

Die Wimsener Höhle ist eine von zwölf Schauhöhlen, die die Schwäbische Alb zu bieten hat. Mit der Bärenhöhle, der Nebelhöhle und Olgahöhle liegen noch drei weitere davon im Landkreis Reutlingen. Seit April haben die Betreiber aller zwölf Schauhöhlen gemeinsam mit dem Geopark Schwäbische Alb eine gemeinsame Broschüre erarbeitet. „Höhlen sind magische Orte mit einer besonderen Anziehungskraft“, erklärt Hans-Jürgen Stede, Vorstandsmitglied beim GeoPark. 320 000 Menschen haben die Schauhöhlen 2014 besucht, dieses Jahr wolle man die halbe Million-Marke erreichen.

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05.06.2015, 12:00 Uhr

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