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Durch die rosarote Datenbrille
Liebe in Zeiten des Internets: Partnervermittlung per App verändert das Flirtverhalten

Durch die rosarote Datenbrille

Die Liebe fürs Leben aus dem Netz? Kein Problem, lernende Computer helfen den Suchenden - und ersparen ihnen vielleicht manche Enttäuschung. Die Dating-Branche rüstet sich zur neuen Ära, der Cyber-Liebe.

22.04.2016
  • CHRISTINE SCHULTZE, DPA

München. Flirten und Daten in virtuellen Welten? Glaubt man Trendforschern wie Christian Schuldt vom Frankfurter Zukunftsinstitut, dann könnten sich viele Partnersuchende bald im Cyberspace zum ersten Mal begegnen. Algorithmen sondieren potenzielle Partner für sie und arrangieren das romantische Kennenlernen oder erotische Abenteuer. Die Branche der Dating-Anbieter könnten solche Entwicklungen weiter aufmischen.

Schon seit Jahren geht es auf dem Markt wenig kuschelig zu. Etwa elf Millionen Menschen (geschätzt) suchen im Internet regelmäßig nach möglichen Liebes- oder Sexpartnern. Das klingt zwar nach einem lukrativen Geschäft - doch die Konkurrenz ist groß.

2500 deutschsprachige Singlebörsen, Partnervermittlungen, Seitensprung-Portale und ähnliche Anbieter bieten sich den Flirtwilligen an. Auch kostenlose Apps machen mit. Schon seit Jahren stagnieren die Umsätze der Branche in Deutschland mehr oder weniger - bei teils hohen Werbeausgaben. Im vergangenen Jahr könnten die Portale Erlöse von zusammen gut 190 Mio. EUR erzielt haben.

Etliche etablierte Unternehmen surfen auf einer Konsolidierungswelle. Parship und Elitepartner etwa gehören mittlerweile zum britischen Finanzinvestor Oakley Capital, Friendscout24 und Neu.de zur französischen Meetic Group, die wiederum eine Tochter des US-Konzerns Match Group ist, der auch die App Tinder betreibt.

Der Markt werde in Bewegung bleiben, erwartet Friendscout24-Geschäftsführer Michael Pilzek. Deshalb müssten sich die Anbieter rüsten. Man werde auch Angebote auf Basis neuer Techniken entwickeln.

Bestärkt fühlt sich Pilzek von der Studie von Schuldt, die Friendscout24 in Auftrag gegeben hatte. Demnach erwarten viele Nutzer passende Partnervorschläge quasi jederzeit überall - ob im Sport, an der Supermarktkasse oder in der U-Bahn -, ohne sich erst ins Internet einklinken zu müssen. Möglich könnte das mit smarten Kontaktlinsen und Brillen werden, über die eine Art "persönlicher Dating-Butler" den Nutzer zum Anbändeln animiert, sagt Schuldt.

Das mag manchem unheimlich vorkommen, doch so ganz im Cyberspace verlieren werden sich die Menschen nicht, meint Schuldt. Ein Gegentrend zeichne sich ab, weil sich längst nicht jeder bei Liebe, Sex und Partnerschaft von Maschinen bevormunden lassen wolle: "Wir werden auch eine Renaissance der klassischen Partnerbörsen sehen."

Pamela Moucha vom Vergleichsportal singleboersen-vergleich.de glaubt an eine Zukunft für die Online-Portale - zumindest wenn sie eigene App-Versionen haben. Schon jetzt zeige sich, dass Apps wie Tinder das Flirtverhalten verändert hätten. Man komme schneller zur Sache als früher beim Dating über stationäre PC.

Nicht alle Geschäfte mit der Partnersuche sind schnelllebiger geworden, wie das Berliner Online-Portal "Im Gegenteil" zeigt. Mit aufwendigen Fotostrecken und ausführlichen Texten werden Singles porträtiert, bisher rund 450, sagt Annelie Kralisch-Pehlke, die das Unternehmen 2013 gemeinsam mit ihrer Freundin Juliane Müller gründete.

Gefälschte Profile, die auf anderen Plattformen immer wieder Ärger bereitet haben, sind bei "Im Gegenteil" ausgeschlossen. Denn das Team kennt alle Singles persönlich.

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22.04.2016, 06:00 Uhr

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