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Drei, zwei, einer … meiner !

Dußlingen erklickt sich im Internet einen Bundesfreiwilligendienstler

Alle wollen „Bufdi“ werden. Deshalb wird es in Dußlingen vielleicht keiner. Zu kompliziert? Egal. Hauptsache Carmen Ott war pünktlich im Internet.

14.07.2012
  • Eike Freese

Wenn Fortuna gut gefrühstückt hat, kann Monika Schramm in ihrer topmodernen Bücherei bald wieder einen Freiwilligen begrüßen. Toll wäre das schon. Denn Marc Servo, der jetzige Bundesfreiwilligendienstler, macht seinen Job richtig gut. „Er kennt sich mit Facebook und der Homepage aus – und dass er Medien aufräumt, ist auch sehr hilfreich“, lobt Schramm. Nur: Ende August geht der Famulus wie geplant von Bord. Und schneller Ersatz ist fraglich.

Denn kürzlich meldete das BAFZA, das zuständige Bundesamt für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben, Ebbe im Behörden-Portemonnaie. Oder, etwas präziser, „Mittel ausgeschöpft“. Die Gemeinde Dußlingen, die mit allen anderen Trägern im Land vor kurzem noch grübelte, ob eine BFD-Stelle überhaupt ein attraktiver Ort für die jungen Leute von heute sein würde, muss jetzt um ihren Herbst-Bufdi zittern. Und zwar genau deshalb, weil der BFD so ein beliebter Dienst geworden ist. „So etwas verstehe, wer will“, augenzwinkerte Bürgermeister Thomas Hölsch kürzlich im Gemeinderat.

Eine, die das versteht, ist Antje Mäder. Sie arbeitet in der BAFZA-Zentrale in Köln. Und so richtig ärgern über den Sturm auf die Einsatzstellen will sie sich erwartungsgemäß nicht: „Am Anfang gab es doch einige Bedenken gegen den Dienst – und dann sind die Zahlen hochgeschnellt.“ Ihr Amt bekommt Geld für 35 000 Stellen in Deutschland. Genau 32 008 Freiwillige waren im Juni bei der Arbeit, Baden-Württemberg liegt mit knapp 3400 bundesweit auf Platz Zwei. In einigen Bereichen waren die Kontingente schnell geleert. Und bestimmte Stellen sahen die für sich eingeplanten Start-Termine plötzlich nach hinten geschoben. So auch Dußlingen, das auf Januar vertröstet wurde.

Für Monika Schramm läuft das alles nicht optimal. Ein Nachfolger für Marc Servo scharrt schon mit den Hufen, ein Stück Planungssicherheit wäre für beide Seiten nicht schlecht, findet sie. Bei Freiwilligen ist das eh so eine Sache: Wenn ein BFDler eine Lehrstelle oder einen Studienplatz findet, macht er – ist doch klar – den Abflug. „Die Abbrecherquote“, meldet Antje Mäder indes, „liegt glücklicherweise nur bei zehn Prozent“.

Glücklicherweise? Ansichtssache. Denn kürzlich hat das BAFZA aus dem nüchternen Stadtteil Zollstock, den die Kölner selbst gerne „Schutzmannshausen“ nennen, in den engen Winkeln des deutschen Freiwilligen-Labyrinths „alle Plätze zusammengekratzt“, so Mäder, „und Kontingente nachgeschoben“. Und einen sonnigen Julimorgen als Stichtag festgelegt. Und Carmen Ott geschrieben, dass sie dann mal ihr Glück versuchen darf.

Carmen Ott ist Hauptamtsleiterin in Dußlingen und fürs Personal zuständig. Was ein Windhundverfahren ist, muss man ihr nicht erklären. Deshalb saß sie am vergangenen Dienstag pünktlich vor dem Computer. Um sich für die Gemeinde einzuloggen. Und sich einen Bufdi zu erklicken. „Hab ich gleich morgens gemacht“, sagt Ott. „Um sicherzugehen“.

Sicher ist allerdings noch nichts. Sechs Wochen, bevor Marc Servo den Büchern an der Dußlinger Bahnhofstraße leise Servus sagt, zeigt sich Carmen Otts Computer reichlich emotionslos, wenn sie die Anzeige aktualisiert. „Vorgemerkt für BFD“ steht auf dem Monitor.

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14.07.2012, 12:00 Uhr

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