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Stimmen gegen Supermarkt

Dußlingerin sammelt Unterschriften gegen Vollsortimenter

Seit Mittwoch liegt in verschiedenen Dußlinger Geschäften eine Unterschriftenliste aus: Am Ortsausgang Richtung Nehren soll sich ein Rewe-Markt oder ein Edeka ansiedeln. Damit sind nicht alle einverstanden.

29.08.2010
  • Gabi Schweizer

Dußlingen. Was passiert mit dem Einzelhandel, was mit dem Neukauf in der Bundachstraße, wenn ein großer Supermarkt in der Blumenstraße gebaut wird? Wäre ein Standort in Dußlingens Mitte, auf bereits erschlossenem Gebiet, nicht sinnvoller? Was ist mit der Hochwassergefahr?

Und: „Wird der optische Gewinn für das Ortsbild, der durch den Tunnelbau erreicht wird, sofort wieder durch den Verbau von Grünfläche geschmälert?“ Das fragt die Dußlingerin Claudia Buchta in einem Brief an Bürgermeister Thomas Hölsch, für den sie nun Unterschriften sammelt.

In etlichen Geschäften liegen die Zettel seit Mittwoch aus. Claudia Buchta wohnt im Geierweg, also in der Straße, die fast direkt ans geplante Supermarktgelände angrenzt – dass ein Markt vor ihrem Gartengrundstück entstehen soll, darüber ist sie gar nicht begeistert. Auf den Unterschriftenlisten haben allerdings bereits Leute unterschrieben, die nicht unmittelbar betroffen sind.

Buchta versteht ihre Aktion als Aufruf an die Bürger, kreative Alternativvorschläge einzubringen und eine gemeinsame Lösung zu finden. In einem Leserbrief, der heute im TAGBLATT abgedruckt ist, äußert sie sich ähnlich.

Bürgermeister Thomas Hölsch hingegen verweist darauf, dass der Supermarkt und der Flächennutzungsplan öffentlich im Gemeinderat behandelt wurden. Zwar sei das Gelände gerade noch eine grüne Wiese, aber als eingeschränktes Gewerbegebiet ausgewiesen. Zu den Wohnhäusern hin sei eine Grünzone als Puffer eingeplant. Innerorts gebe es keinen geeigneten Platz – vor allem der Parkplätze wegen. Fast 9000 Quadratmeter groß ist das Areal, das die Gemeinde für den neuen Supermarkt vorgesehen hat.

Im Mai hatte die „Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung“ dem Gremium ein Märktekonzept präsentiert. Denn eine Studie hatte ergeben, dass die Dußlinger mehr als die Hälfte ihrer Waren auswärts einkaufen. Ein großer Supermarkt mit Vollsortiment und Auswahl sei nötig, zur „Sicherung einer eigenständigen zukunftsfähigen Nahversorgung in Dußlingen“.

Eine Grundfläche von 1800 Quadratmetern könnte der Markt in der Blumenstraße einmal haben – der bestehende Neukauf in der Bundachstraße hat nur 800 Quadratmeter und keine Möglichkeit zu erweitern. Wegen der B 27-Baustelle hat er die Öffnungszeiten verkürzt. Buchta befürchtet in ihrem Brief zur Unterschriftenliste gar, ein Konkurrenzmarkt könne dem Neukauf den „Todesstoß“ versetzen.

Für Hölsch stellt sich die Sache anders dar: Der Neukauf in der Bundachstraße, so seine Wunschvorstellung für die Zukunft, versorgt die Bürger im nördlichen Dorfteil; wer im Süden Dußlingens wohnt, kauft im neuen Supermarkt ein – sowohl Rewe als auch Edeka haben bereits Interesse signalisiert. Im Ortskern gibt es noch einige kleinere Läden.

Ob diese davon profitieren, wenn die Dußlinger zum Einkaufen nicht mehr nach Gomaringen und die Nachbarstädte fahren, oder ob sie unter der stärkeren Konkurrenz leiden? Darüber gab es bei der Gemeinderatssitzung im Mai unterschiedliche Ansichten (wir berichteten). In jedem Fall sollen im Gemeinderat Bebauungspläne geändert werden, damit kein ungebetener dritter Supermarkt entsteht.

Ehe Rewe oder Edeka sich in der Blumenstraße niederlassen, wird allerdings noch einige Zeit vergehen, schon mal, weil die Tunneldecke erst 2012 zugemacht wird – erst dann wird der Standort für einen Investor attraktiv. Die für den Markt vorgesehene Fläche ist zudem in 26 Parzellen unterteilt, die Privatleuten oder Erbengemeinschaften gehören – das kleinste Grundstück misst 116, das größte 1100 Quadratmeter. Die Verwaltung hat die Eigentümer kontaktiert und um Rückmeldung bis Ende August gebeten. Eben weil es sich um „lauter kleine Handtuchgrundstücke“ (Hölsch) handelt und die Gemeinde auch die Umlegung machen muss, will sie den Platz zunächst selbst kaufen, um ihn dann an einen Investor zu veräußern.

Dußlingerin sammelt Unterschriften gegen Vollsortimenter
In 26 Parzellen ist das Gebiet am Ortsrand von Dußlingen unterteilt, dort, wo einmal ein Supermarkt stehen soll: Die Gemeinde verhandelt gerade mit den Eigentümern. Nach derzeitigen Planungen könnte der Supermarkt rechts hinten in der weiß gekennzeichneten Fläche enstehen, die Parkplätze würden zur (dann untertunnelten) B27 hin gebaut, im linken Teil des weißen Fünfecks. Wegen der Parkplätze ist laut Bürgermeister Thomas Hölsch innerorts kein Platz für einen Markt mit Vollsortiment. Nun hat Anwohnerin Claudia Buchta eine Unterschriftenaktion gestartet und hofft auf kreative Alternativvorschläge aus der Bevölkerung. Archivbild: Franke

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29.08.2010, 12:00 Uhr

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